Einzelbild herunterladen
 

Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgemeinen Zeitung.

Wr. 63 Mittwoch &m 15 März /«»^

Herr Wußt und seine Kinder

Skizze au» dem bayerischen Alltagsleben X von 3. S.

(Schluß.)

Der Wastl Peppi hat übrigen» zu Grunde gehen müssen. Schaun's! sein Vater hat ihm daS schöne Haus mit der Brâu- statt, das er auf Euerm ehemaligen Besitzthum gebaut bat, schuldenfrei übergeben und noch dazu ein bedeutende» ver­mögen, denn die Schwester hat das Kürzere gezogen. Nebst­dem bat der alte Wasil geglaubt, er mußte für Alle- vorher sorgen u d dem Herrn Sobn noch eine reiche Frau zubringen; richtig bat er die O .... getroffen, deren Vater ein noch grö­ßerer Wucherer als er gewesen ist. Gelten'S, jetzt steht man'ö, waS mit solchen Heirathen beranSkommt, wo die El­tern bloß d'rauf sehen, daß Geld zusammen kommt! Wie dem Peppi Unglück passirt ist, hat sein ehemaliger Schwieger­vater nichts mehr von ihm wissen wollen und hat ibn zu Giund gehen lassen. Gehu'S mir weiter, Herr Better, mit den Geld- menschen, 'S Herz fehlt ihnen, dafür haben sie einen Tausend- guldensack in der Brust. DieS Wirthschaften, wie der Peppi gethan, thut freilich nicht gut. Der junge Mensch hat sich Braumeister und Buchhalter g'halten, die ihm daS G'ichâft besorgen mußten, und er ist dafür um 2 Uhr NachtS betrun­ken nach Hause gekommen, und um 10 oder 11 Uhr des an­dern Tag- aufgestanden. Er hat oft vierzehn Tage lang daS Sudhaus nicht g'sebn, vielweniger d'rin bei der Arbeit nach- g'schaut. Alleweil bat er den groß'» Herrn gespielt, ist mit Kameraden auf'S Schießen gegangen, hat Jagdhund' und Pferd' gehalten, und nebenbei noch extra eine Amourschaft mit einer Kaffktkelluerin, und was erst die Hauptfach' wart bei allen seinen Geschäften hat er einen Juden zum Vertrau- 1e« g'dabt. Schau»'-, der Peppi ist jetzt aim und der Jud* ist reich: man kann leicht e, rathen, wo der seinen Reick Ihum her hat. Zuvor hat er Peppi zu G'schästen verleitet, die nicht sicher waren und wo nur sein Profit herau-schaute, und wie's abwärtS ging beim Peppi, hat er ihm noch den letzten Druck

gegeben. Fang' nur einer mit den Geldmaklern an, nachher ist er schon verloren. Wenn nur der dumme Mensch, der Peppi, sich nicht den Tod angethan hätte! Das ist daS schreck­lichste! Man bat ibn nach drei Tagen auS der Isar unten bei Gerching herauSgezogen. Keine RUigion haben die Lcut' zuvor nicht, und wo sollten sie nachher, wenn ihnen ein großes Unglück begegnet, den Trost hernehmen?"

Der redselige Gast würde noch länger erzählt haben, hätte nicht das Hinabsinken Eenci's vom Stuhle ihn in seiner Er­zählung unterbrochen; ohnmächtig lag sie am Boden. Als sie nach vielen Bemühungen der guten HauSleute wieder zu sich kam, da war ihr erstes Wort:o Golt, mein Bruder." Fruchtlos waren alle Versuche, sie zu trösten; in ihr tobte ein Sturm, der ihre Seele bis in die innersten Tiefen aufregte. Die ganze Nacht über wachte Frau Nanni bei ihr, und erst als der Morgen angebrochen, verließ sie Cenc', die nur durch Weinen ihrem gepreßten Herzen Luft machte. Noch am selben Tage schied der Vetter; man hatte ibm die Ursache diese- traurigen Vorfalls nicht erklärt. Er sah darin eine Anwand­lung von Schwäche, wie sie Frauen so oft befällt, und dachte nicht im Mindesten daran, daß seine Erzählung ein gequälte- Herz fast bis zum Tode verwundet hatte.

DaS Gemüth Cencis blieb von dieser Stunde an um« düstert. Vor ihren Augen schwebte der unglückliche Bruder, und in ihre Träume flocht sich das Bild seines Todes. Gleich sah sie ihn, wie er in mondheller Nacht vor dem Flusse stand, Verzweiflung im Äesich,e; wie er sich hinüberneigte über da- sttilt Ufer, jetzt gewinnt der Oberleib daS Uebergewicht, ein Plump, das Wasser «heilt sich und schließt sich wieder über ihm, und an der Stelle, wo er versunken, gleitet wieder ruhig der Moud.-strahl über di- wogende Flulh. Dann fühlt die Unglückliche die schreckliche Angst, die Schauer ke- Tode-; sie siebt, wie die Wellen ihn wieder emporheben, wie er die Hände aufwärts ringt nach Hülfe, und die Fluch ihn hinubzieht, um einen Todten wrederzugeben.So hat denn Dein Reichthum keine Flüchte Deinen Kindern getragen, Vater!" jammerte oft Cenci im Süllen für sich, und sie konnte, die Arme, nicht aus voller» Herzen daS Andenken