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Laube erinnerte sie an die Rohheiten eben desselben Mannes, und diesem Früblingsmorgcn war eine, über die Lieblosigkeit gerade dieses Mannes durchweinte Nacht voransgcgangcn. DaS Unkrant wucherte aus der saftigen Erde betvor und er­setzte die Stelle der Blumen, und auch dieses Unkraut zeugte von dem Ruin, dem das Ganze cutgegcuging. (Forts. folgt.)

Weifte Sclaven.

(Schluß.)

Die gnädige Herrschaft bat ihr Mittagsschläfchen beendet, der Hauslehrer wird vor sie beschieden, Madame sitzt im Lehnstuhl, der Herr l-egt noch lang auSgestreckt auf dem ro- pha, in der Nebcustube lärmen die Knaben ; Candidatus tritt ein, verbeugt sich tief, und schüchtern, die EmpfehlungSpapierc zittern in seiner Hand, die Herrschaft mißt ihn vom Wirbel bis znr Zeh, Candidatus wird fast verwirrt, er weiß: der erste Eindruck ist der entjchcideude, daö Examen rigorosum beginnt nun.

Sie also sind der Empfohlene? beginnt der Gestrenge Ihre Papiere? Er prüft sie genau, sie wandern von seiner Hand in die Hand der Frau und werden dann bis auf Wei­teres depoiiirt. Wir vertrauen Ihnen unsere Söhne an, Sie werden dieselben, da sie verschiedenen Alters sind, getrennt un­terrichten. Wir machen Ibuen zur Pflicht, sie patriotisch, mit Rücksicht auf ihre mililairische Bestimmnug zu erziehen, mit Sie" anzureden, überall hin zu begleiten und jede etwaige Bestrafung mir zu überlassen. Sic werden sie jeden Sonntag zur Kirche führen und ihnen in jeder Bezichnug ein Muster sein; ich warne Sie deshalb vor Bertraulichkeiten mit meinen Leuten, vor dem Besuche des Wirthshauses und vor dem Um­gänge mit dem Lehrer meiner Herrschaft, der leider zur Partei der Unzufriedenen zu gehören scheint und noch nicht entfernt werden konnte. Mit meinen Bauern haben Sie nichts zu reden die Kerls haben sich 48 widerspenstig gezeigt; mit meinem Pastor dürfen Sie verkehren. Um Sie nicht sehr anzustrengen, gestatte ich, daß jedes meiner Kinder täglich nur 3 Unterrichtsstunden erhält und nur 2 Stunden Musik ge­trieben wird.

Während der Abende, Herr Candidat, fährt die Gestrenge fort, werden Sie uns die Missionsblätter und die Kreuzzei­tung vorlesen! Die übrige Zeit können Sie zu Ihrem Stu­dium verwenden. Lieber Baron, lag jetzt unsere Kinder her- einkommen und stelle sie ihrem Lehrer vor. Die jungen Herren erscheinen und betrachten ihren zukünftigen Zuchtmeister nicht in Ehrfurcht, sondern mit jenem, den Kindern eigen­thümlichen CCarfbtiü, der die Fehler und Schwächen des Leh­rer- leicht entdeck und zum FelbzugSplane gegen ihn benutzen

lehrt. Sie seien ihm besser als die Eltern an, ob er ein Mann sei, vor dem sie Respect, oder einer, mit dem sic ibren Spaß haben werden. Ist er groß, stark, und von männlicher Haltung was wohl nur selten bei der leidigen Theologie vorkommt so wird er es mit dem Vater halten nud die Mutter muß in allen Streitfällen als Reserve dienen; ist er schwächlich, sanftmüthig und trägt er gescheiteltes Haar, so wird er zwar der Mutter angenehm werden, der Vater aber wird ihm den Kindern gegenüber stets Unrecht geben. Klagen sie über zu schwere Arbeit, so wird ihn der Herr tadeln, die Frau um Schonung Hilten ; zeihen sie ihn überstrenger Be­handlung, so wird die Frau den Kopf schütteln und der Herr sich solches ernstlich verbitten, habcn sie ihn in einem schwachen Stündchen belauscht und mit der Zofe reden sehen, so wird cs Madame zwar bezweifeln, aber zuletzt doch glauben und der Herr Baron wird den Theologen zum Teufel schicken. Gleiches Schicksal hat vor ihm vielleicht schon mehr als einer seiner College» gehabt.

Beginnt nun endlich der Candidat seinen Dienst, wird er fertig" mit den Zöglingen, ist man mit seinen Leistungen nicht unzufrieden, hat er als Vorleser Beifall errungen, als Historiker Belesenheit, als Naturforscher Kenntnisse, als Rech­ner Erfolg, als Musiker guten Anschlag und als Diener des Hauses Tact uud Willfährigkeit gezeigt, dann ist er ein glücklicher Mann, der mit dem Zeugnisse der'Zufriedenheit entlassen, oder einem nachbarlichen Gutsherrn empfohlen wird, sobald der letzte Sproß des hohen Hauses stadtreif ge­worden ist.

Geht cs ihm aber wie, ach, so vielen seines Standes, dann wird er seines Lebens nur selten froh. Er muß der Gnädigen zu Liebe im Dorfe predigen, aber die Kirche bleibt leer; er muß vorlesen, aber er kann die englischen Na­men nicht aussprechen, oder macht im Französischen Schnitzer; man spricht von der neueren Geschichte, aber Candidatus hat sie nur bis zum Jahre 1830 lernen dürfen; man geht spa­zieren und Candidatus hält ein Weizen- für ein Gerstenfeld oder die Tanne für eine Fichte zum Gaudium seiner Schüler; er spielt auf dem Clavier vor, aber er greift falsch; man will ihn ausnahmsweise zu einem Familienfeste zulassen er hat aber keine Handschuhe, oder der Frack ist seit der Einsegnung doch zu sehr ausgewachsen, oder die Bändchen seines Chcmi- setS gucken hinter der Binde vor, oder die einstmals weiße Weste ist kurz--er wird zum Gespötte der Gesellschaft. Tausendfach Verlegenheiten, Aerger, Strapatzen! Alles soll er wissen, Alles können. Und hätte er niemals andere Verse gelesen, als die des Gesangbuches und nie etwas Anderes geschrieben, als höchst prosaische Predigten, zu jedem Ge­burtstage in der Familie muß er Gedichte machen, und liegt es gerade so in der Zeit, so muß er auch patriotische Verse