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nicht vereinzelt da. In Oesterreich besteht ein ähnliches schon vor Jahren angefangenes Unternehmen, wrlches, obwohl mit größter Bescheidenheit und in eng umgränzten Verhältnissen auf* tretend, doch überraschend günstige Resultate erzielt hat. Es ist dieß das in Prag erscheinende:Album, Bibliothek deutscher Originalromane, herausgegeben v. I. L. Kober. DieseS Unter­nehmen, welches in Jahrgängen zu 24 Bänden erscheint, stellt als ein Programm besonders die Verdrängung der unsern Markt überfluthenden und dem deutschen Talente verderblichen Dutzend- Uebersetzungen ausländischer Romanschriftstellerei auf, und hat, um dieß durchzuführen , mit einer wahrhaft achtungSwerthen Energie den Preis eines Bandes auf nur 20 kr. C.-M. fest­gesetzt ! Die beiden ersten Bände desAlbums" für dieses Jahr bildet ein Roman:Ein Arzt in einer kleinen Stadt," von Julie Burow, über welchen Levin Schücking in der A. A. Ztg. sich in höchst lobender Weise ausspricht. Dieser Roman, sagt L. Schücking bedroht unsere erzählenden Damen mit einer gefährlichen Concurrenz. Denn zu erzählen, fesselnd, spannend, vortrefflich zu erzählen, das versteht diese Julie Burow, die irgendwo in den Marken heimisch zu sein, aber nichts weniger als ein Naturell scheint, welches von nor­discher Kälte oder nordischer Dürftigkeit der Vegetation Spuren * trägt; es pulsirt im Gegentheil ein warmes Herz, eine südlich reiche, rasch und mächtig arbeitende Phantasie in diesem kleinen Roman, der etwas überaus anziehendes hat, und uns den Aus­ruf: das ist ja eine kleine Sand! entlockte, als wir das Buch aus den Händen legten. Wohlverstanden eine kleine. Denn weiß Julie Burow auch durch die frische, warme, natürliche und obendrein im edelsten Sinn weibliche und wohlthuende Dar­stellung einen großen Eindruck im Leser zu hinterlassen, so ist sie dennoch keine große Künstlerin wie die Sand. IhrArzt in einer kleinen Stadt" wenigste, s leidet an einem unverzeihlichen Compositionsfehler. (?) Der eigentliche Held desselben, der anziehendste aller ihrer Charaktere, bleibt nämlich seltsamerweise immer hin­ter den Coulissen, und tritt im ganzen Buch gar nicht selbst auf: denn ganz am Ende, wo er zur VermählungSfeier von Braut und Bräutigam höchst rührend die Orgel schlägt, steckt er auch wieder hinter den Coulissen. Auch muß sich die Ver­fasserin vor dem Element des Phantastischen Hüten, das in ihrer kleinen angehängten Erzählung: »Der Weg in den Himmel" wuchert. Aber nicht genug glauben wir den mildreligiösen Geist ihrer Anschauung rühmen zu können, der aus ihrem Buch spricht und, während er so mächtig der treuen Erfüllung der Pflicht, der innerlich versöhnten Unterwerfung und Ergebung in die Wege, welche der Himmel aussöhnt, das Wort redet, zugleich so gar nichts vom Moralisten, so gar nichts von unkünstlerischer Tendenzmacherei hat. Ein Roman von Joseph Rank, dem Verfasser der Geschichte: AuS dem Böhmerwald, soll imAlbum" der Erzählung von Julie Burow folgen.

Jur Tagesgerichte.

** Professor Schröder in Mannheim filtrirte die Luft, in­dem er sie durch Baumwolle streichen ließ. Fleisch, welches man in Wasser gekocht hat, fault nicht, noch entwickeln sich Infusorien in der Flüssigkeit derselben, wenn man durch eine Röhre nur solche Luft zu demselben treten läßt, welche vorher

durch eine Schicht Baumwolle hat durchstreichen müssen. Eben­so kommt eine süße Gâhrungsflüssigkeit nicht in Gährung, son­dern bleibt unverändert, wenn man sie unter gleichen Verhält­nissen stehen läßt. Da man durch die Vaumwollenfascrn die Luft nicht verändert, sondern die Wattenschicht nur verhindern kann, daß kleine in der Luft schwebende Körperchen Thier­keime, Pflanzeneier in das Gefäß gelangen, so muß man auf das Vorhandensein dieser Keime schließen, auch wenn man sie nicht sieht.

**Dr. N. La n d o lfi' s Methode, den Krebs und die krebs­artigen Krankheiten zu heilen, besteht nach der Berliner Mon- tagszeitung in der Anwendung eines Aetzmittels, welches aus Chlor Broom, Chlorgolb , Chlor-Antimon uno Chlorzink zu­sammengesetzt, und wäre somit nur die Modifikation einer seit 15 Jahren bekannten Procedur, welche von Cangnoin herrührt, und der Herr Landolfi nur das Chlorgold und ein anderes Prä­parat, das Chlor-Brom, hinzugefügt hat.

** Jur Widerspruch mit der gestern gebrachten Berichtigung über Robert Schumann 's Befinden meldet man dem Dresdener Journal" und übereinstimmend hiermit demLeip­ziger Tagblalt" vom 4. März, daß Robert Schumann seit Kurzem das traurige Loos theilt, welches Lenau's letzte Lebensfrist umdunkclte. Dieser erhabene Geist, dieses reiche Ge­müth, dieses edle Herz, schreibt letzteres, ist in eine entsetzliche Nacht gestürzt, aus welcher Erlösung in dieser Welt wohl nicht mehr zu hoffen ist.

** Die Kinder in den Londoner Armenschulen (oder wie sie dort heißenzerlumpten" Schulen) werden von einer Gesell­schaft dazu verwendet, den Leuten aus der Straße die Schuhe zu putzen. Im vergangenen Jahre haben sie damit die Summe von 853 Pf. Sterl, (fast 9000 fl. C. - M.) verdient. Die Hälfte davon wurde unter die Kinder vertheilt, ein Viertheil für sie in der Bank angelegt, und ein Viertheil auf die Aus­lagen verrechnet.

** Dieser Tage fand die Versteigerung des Nachlasses Ar­mand Berti n's in Paris statt. Darunter befanden sich 24 goldene Messer und Gabeln, die auch als solche ausgeboten wurden. Bei näherer Untersuchung fand sich aber, daß diesel­ben nur vergoldet waren. Sie trugen die Buchstaben L. P. mit einer königlichen Krone. Armand Bertin hatte sie einst vom Könige der Franzosen zum Geschenk erhalten.

** Friedrich der Große stellte einem Schwadronschef, mit dessen Truppen er unzufrieden war, einen anderen, der sein Ge­schwader besser zu schwenken wußte, zum Muster auf.Ma­jestät", versetzte der Gescholtene achselzuckend,der Mann trinkt!" Weiß Er was?" lautete die Antwort des großen Königs, trink er auch!"

** Aus New - Nork kommt die Nachricht von dem Unter­gang deSStaffordshire", eines schönen Liverpool-Bostoner Paketschiffs, an der nord-americanischen Küste. Von den 198 Reisenden, meistens Auswanderern, die sich darauf befanden, sind 170 zu Grunde gegangen.

** Sicherem Vernehmen nach wird die frühere Verordnung, nach welcher es verboten ist, Mitglieder der preußischen Herrscher- Familie auf die Bühne zu bringen, neuerdings wieder in Kraft treten und zwar für alle Theater in Preußen.

2)trantworlllcher Redacteur: Dr. 3. Boejek.

Schnellpressen-Druck und Expedition von Wilhelm Friedrich in Wiesbaden.