mehrere Doppelflinten und Jagd-Utensilien; man konnte daraus schließen, daß der Besitzer dieses Landgutes ein eifriger Jäger sei.
Die junge Frau hatte den Kopf in die Hand gestützt und betrachtete sinnend durch's Fenster die prachtvolle Fernsicht, die sich ihr darbot; aber sie schien nicht viel Aufmerksamkeit dieser Fernsicht zu schenken, indem woll der oftmalige Anblick fie für solche Scenen gleichgültiger gemacht hatte, oder ein innerer Schmerz alles Äeußece sie vergessen ließ. Ihr Gesicht trug wirklich Spuren eines verborgenen Grames; sie mußte geweint haben, denn ihre Augenlieder waren geröther. Bor nbt lag ein Gebetbuch, und erst vor wenigen Minuten war der greise Pfarrer des nahen Marktfleckens von ihr hinweg gegangen.
Die Abendsonne lächelte so freundlich durch das offene Fenster, das der Frühlingsluft freien Zutritt gestattete, und die liebliche Bergkette umhüllte ein feiner bläulicher Duft. Im Hintergründe an den hohen Bergesgipfeln standen dichte, dlauvivlette Nebelgebilde, und über die frisch grünenden Saar» selber wehte ein sanfter blüthenburchhauchter Abendwind.
„O Gott!" seufzte die Frau, „wann wird mein Arend- heim wieder nach Hause kommen, aber, o Himmel, in welchem Zustande vielleicht?!" Sie zog bet diesen Worten den Knaben an sich und blickte ihm in's Auge. „Ferdinand," klagte fic, „möge dcc Herr Dich vor all dem Unglücke bewahren, das sich über daS Haupt Demer Mutter gezogen hat. O Frendyeim! Frendheiml" sprach sie dann, leise daS Kind von sich entfernend, „wann hätte je Deine Cenci denken können, daß Du so grausam gegen sie Handeln könntest!"
Sie würde sich vielleicht noch länger in diesen Klagen ergossen haben, hätten sich nicht Schritte auf der Treppe hören Lassen, die sie mit Zittern vernahm. Rasch wurde die Tbüre Les Zimmers aufgerissen, und ein Mann mit einem gehaun» Len Gesichte , einem großen Schnurrbarte, Juchtenstiefeln, die bis zu den Schenkeln hinaufgingen, einer kurzen Gebèrgsjoppc mit grünen Aufschlägen und am Kopfe einen runden Duxer- Hut mit Spielhahnfeder und Gemsbart geziert, am Rücken die Doppelflinte, trat ungestüm herein. (Forts, folgt.)
Die Wciüererscheinuttg bei Büderich.
Herr Professor HeiS zu Münster, ein rühmlichst bekannter Physiker, hat sich „in Folge einer an ihn ergangenen ehrenvollen schriftlichen Auforderung von sehr schätzbarer Hand" zur Abgabe seiner Meinung über die Veranlassung zu der Mythe von einem bei Büderich am 22. Januar d. J. am hellen Tage in der Luft gesehenen Kriegshecre Behufs der Eonstatirnng des Sachbestands und der Ergründung des
Phänomens am 19. Februar nach Werl und Büderich bego ' ben und hat nun im „Kreisblatt für das Münsterland" seinen i Bericht veröffentlicht. Wie bei allen Gespenstererscheinungen, wenn ihnen ein gesundes Auge und eine nüchterne Kritik gegenübertritt, so ist es auch hier ergangen: die Geisterer- l jcheinung hat sich in Luft und Nebel aufgelöst. Doch wir , wollen dem Berichte des Professors Heis nicht »orgreifen, I sondern diesen selbst sprechen" lassen. Die Zahl der Augen- i zeugen, welche das Phänomen gesehen hatten, war, die Kinder mitgercchnet, 20 bis 30, durchaus schlichte Dorfleute, den ; Schullehrer Schlüchting ausgenommen, swelcher jedoch erst , gegen das Ende der Erscheinung hinzukam. Die Zeit war , nach der übereinstimmenden Aussage nach Sonnenuntergang, die Sonne hatte den ganzen Tag geschienen, und der ganze Westen glänzte in starker Abendröthe. Die Dauer der Er- schcinuug konnten die Zeugen nicht genau angeben; der eine meinte, sie habe eine Stunde betragen, der andere mehr, der dritte weniger. Das Phänomen selbst bestand — hierüber waren die Aussagen wieder in Einklang — in zwei von ' einander zu trennenden Erscheinungen: der Erscheinung eines - brennenden Hauses und der eines Kriegsheeres in den Feldern von Büderich. „Die Beobachter", — fahrt hier der Bericht wörtlich fort — „welche beide Beobachtungen auf denselben Gegenstand beziehen, nämlich auf das Borgesicht einer Kriegsscene, verbinden dieselben mit einander, zumal sie sahen, daß daS vermeintliche Kriegshecr das brennende Haus verläßt und seine Richtung auf das „Birkenbäumchen" nimmt. Welche Zwischenzeit zwischen der Erscheinung des brennenden Hauses und der des Kriegsheeres stattgefunden, habe ich nicht ermitteln können. Das brennende Haus (welches zuerst die Aufmerksamkeit um sich zog und die erste Veranlassung zur Aufregung unter den Beobachtern gegeben zu haben scheint) haben nur sehr wenige Zeugen gesehen, jedoch habe ich keinen Grund, irgend ein Mißtrauen in deren Aussagen zu setzen. Der später hinzugekommene Lehrer Schlüchting behauptet ebenfalls, ein Haus erkannt zu haben, au einer Stelle, wo früher nie eines gestanden habe, jedoch habe dasselbe nicht gebrannt. Der Schäfer Krampe sah zuerst das brennende Haus und machte den Schreiner Sina und Andere darauf aufmerksam. Ein brennendes HauS an jener Stelle zu sehen, machte die Beobachter stutzend. Das Haus schien drei Minuten lang zu brennen; einer der Zeugen will sogar die brennenden Dachsparren gesehen haben. Das Feuer hob und senkte sich, und zuweilen schien das Haus förmlich gedrückt.
Die Angaben der Zeugen über das brennende Haus stimmen im Wesentlichen überein; dagegen findet sich in den Angaben der zwecken wichtigen Erscheinung, des Kriegs- Heeres, nicht die vollständige Uebereinstimmung. Eine Abtheilung der Zeugen hält das Gesehene für nichts Anderes,