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ligion zusammenzustoßen, welche Ew. Majestät bekennt; ich habe der Erhaltung des Friedens alle formellen und sack- litten Concessionen gemacht. welche meine Ehre mir ermög-- lickte, und indem ich für meine Religionsgenoffen in der Türkei die Destâtigung der Rechte und Privilegien, welche ihnen seit Langem um den Preis russischen BluteS erkauft sind, in Anspruch nahm, habe ich nichts Anderes verlangt, als was sich aus den Verträgen ergab. Wenn die Pforte sich selbst überlassen geblieben wäre, so wäre der Zwist, der Europa in der Ungewißdeit hält, längst ausgeglichen.

Ein mrbângnißvoller Einfluß ist aber gekommen, um sich dem cntgegcnzustellen. Indem er grundlosen Verdacht her- vorrief, den Fanatismus der Türken steigerte, ihre Regierung über meine Absicht und die wahre Tragweite meiner For­derungen verwirrte, hat er der Frage eine so übermäßige Tragweite gegeben, daß der Krieg daraus hat hervorgehen müssen.

Ew. Majestät wird mir erlauben, mich nicht im tu aus­gedehnten Detail über die Ereignisse (circonslances) auSzu- laffen, die Sie von Ihrem besonderen Gesichtspunkt auS aus­einandergesetzt haben, und deren Folge und Verkettung Ihr Brief barbietet. Mehrere meiner Handlungen, die nach meiner Ansicht wenig genau (exacleinenl) gewürdigt sind, und mehr als fine in verkehrter Ordnung dargestellte (interverti) That­sache würden, um in das rechte Verhältniß gestellt zu wer­den, so wenigstens, wie ich sie auffasse lange ent­wickelnde Auseinandersetzungen nothwendig machen, die nicht eben geeignet sind, in einen Briefwechsel zwischen Souverainen vorgenommen zu werden. So schrei t Ew. Maj. der Besetzung der Donaufürstenthümer es zu, plötzlich die Frage von dem Boden der Erörterungen auf den der That­sachen hinübergeschaffl zu haben. Aber Sie vergessen, daß diese Besetzung, als sie noch ganz unbestimmt war, zum großen Theil durch ein sehr ernstes Ereigniß, das ihr voranging, berbeigesührt wurde, nämlich durch die Erschei­nung der englisch-französischen Flotten in der Nachbarschaft der Dardanellen; außerdem, daß schon lange vorher, als England noch schwankte gegen Rußland eine drohende Haltung anzunehmen, Ew. Majestät zuerst Ihre Flotte bis nach Salamis geschickt hat. Diese verletzende Demonstration zeigte mindestens wenig Vertrauen zu mir. Sie mußte die Türken anreiten und von vorn herein den Erfolg der Unter­handlungen zu Nichte machen, indem sie zeigte, daß Frank­reich und England bereit wären, die türkische Partei in jedem Falle (â lout événcmenl) zu unterstützen.

So behauptet Ew. Majestät ferner, daß die erläuternden Kommentare meines Cabinets über die Wiener Note für Frankreich und England die Unmöglichkeit geschaffen hät' teil, die Annahme derselben (Note) der Pforte zu empfehlen.

Aber Ew. Majestät mag sich erinnern, daß unsere Kommen­tare der einfachen N ick tan nähme der Note gefolgt, nickt aber vorangegangen sind, und ick glaube, daß die Mäckte, wenn sie anders ernstlick den Frieden wollten, gehalten waren, energisch (demblée) diese einfache Annahme zu verlangen, anstatt der Pforte zu erlauben, das, was wir ohne Verän­derung angenommen hatten, zu verändern. Wenn übri­gens etwa irgend ein Punct unserer Commentare Anlaß zu Schwierigkeiten hätte geben können, so habe ick zu Olmütz eine Lösung derselben angeboten, die Oesterreich und Preußen für genügend hielten.

Unglücklicher Weise war inzwischen ein Theil der englisch- französischen Flotte schon in die Dardanellen eingelaufen unter dem Vorwande, das Leben und das Eigenthnm der engli­schen und französischen Unterthanen zu beschützen; damit sie aber ganz einlauf.N konnten, mußte, um den Vertrag do« 1841 nicht zu verletzen, unS von dem ottomanischen Reiche noch der Krieg erklärt werden. Meine Meinung ist, daß, wenn Frankreich und England, wie ick, den Frieden gewollt hätten, sie um jeden Preis diese Kriegserklärung hätten ver­hindern müssen, oder wenn der Krieg einmal erklärt war, mußten sie wenigstens so handeln, daß er in den engen Grän­zen, welche ich ihm an der Donau zu ziehen wünschte, blieb, damit ich nicht mit Gewalt dem bloßen Defensivspstem, daS ich befolgen wollte, entzogen (arraché) wurde. Aber konnte man von dem Augenblick an, wo man den Türken erlaubt hat, un­sere asiatischen Besitzungen anzugreifen, einen unserer Gränzposten zu nehmen (und zwar noch vor dem zur Er­öffnung der Feindseligkeiten bestimmten Termin), Akhalthykh zu blokiren und die Provinz Armenien zu verheeren; von dem Augenblicke an, wo man die türkische Flotte frei Truppen, Waffen, KriegSmunition an unsere Küsten führen ließ, konnte man von diesem Augenblicke an vernünftiger Weise noch hoffen, daß wir geduldig das Ergebniß eines solchen Versuches (lenlative) abwarten würden? Mußte man nicht vorausetzen, daß wir AlleS thun würden, um ihm zuvorzu- kommen? Das Ereigniß von Sirrope ist daraus g-folgt: eS war die nothwendige Folge der von den beiden Mächten an­genommenen Haltung und konnte ihnen wahrlich nicht uner­wartet kommen.

Ich hatte erklärt, aber vor dem Ausbruche des Krieges, in der Defensive bleiben zu wollen, so lange meine Ehre und meine Juteress'N es mir erlauben würden, so lange der Krieg in gewissen Grenzen bleiben würde. Hat man gethan, waS man thun mußte, damit diese Grenzen nicht überschritten wurden? Wenn die Rolle des Zuschauers oder selbst die deS Vermittlers Ew. Majestät nicht genügte, und wenn Sie sich zum bewaffneten Bundesgenossen meiner Feinde machen, dann, Sire, würde e- loyaler und Ihrer würdiger gewesen