und ließ sie sogleich beim Anfänge den gewaltigen Unterschied । erwähnt, diese tröstende, heilsame Macht im Wastl'schen Hause
fühlen, der zwischen ihm, dem reichen Manne, und einem armen Dienstboten herrschte, und als sie auch ihre Glückwünsche darbringen wollte, bedeutete er sie, daß er allein zu sein wünsche, und eines solchen Geschwätzes nicht bedürfe. Der Magen war ihm wüst, der Kopf noch schwer und daher der Humor nicht zum besten. Die beiden Neuvermählten saßen schweigend einander gegenüber; Peppi, seine Cigarre im Munde, blies den Rauch vor sich hin, und Urschi schaute, so zu sagen, in's Blaue. WaS sollte ihr alle diese Pracht, was sollten ihr diese Mcubles, diese Bilder, was das unendlich viele Geld? Alles ließ sie leer; war ihr doch das eine belebende Element verloren gegangen: wahre Liebe! Sie blieben geraume Zeit schweigend; da pochte es lebhaft an die Thüre und der Kutscher des alten Herrn Wastl trat mit einem Unheil verkündenden Gesicht herein. Er brachte die Hiobspost von dem gefährlichen Erkranken Wastl's und der Nothwendigkeit der eiligen Rückkunft Peppi's zum Vater. Schnell kleidete sich Peppi an und in kurzer Zeit stand er an dem Krankenlager des Vaters. Gott! welche gräßliche Veränderung! Vor wenigen Stunden noch der heitere, lebensfrohe, weitaussehende Plane entwerfende Mann, mit den schlau blinzelnden Augen und dem vollwangigen Gesichte, und jetzt: das lebhafte Auge starr und bewegungslos nach Oben gerichtet; die sonst so geläufige Zunge gelähmt zum ewigen Verstummen; das vollwangige Gesicht mit Todesblässe überzogen und die Züge verzerrt. Den jungen Ehemann fibnfid ein Schaudern, ein Gefühl durchbebte ihn — der Gedanke des Sterbens. — Der Vater, ihn kaum mehr erkennend, wollte ihm die Hand bieten, aber er vermochte sie nicht mehr zu bewegen. Die Hand, die so gerne in Gold und Silber gewühlt hatte, die Hand, die so oft Blutgeld genommen, diese Hand lag nun steif und regungslos da. Er wollte reden, vielleicht, von innerer schrecklicher Qual gepeinigt, nach den Tröstungen der Religion verlangen, aber er konnte nicht mehr reden, — und ach! im Wastl'schen Hause war die Religion so fremd geworden, daß man sich ihrer sogleich nicht erinnerte. Es mochten gräßliche Bilder vor seiner Seele auftauchen, und unter diesen gewiß am Schrecklichsten mahnend, daS Verfahren gegen die Andre'schen Eheleute. Wo blieb Herr L., der intimste Freund ? Warum fand er sich nicht hier ein, er, der doch für Alles Rath wußte? Wo blieb die Macht des Kapitalisten in Lie cm Augenblicke? diese Macht, die Herr Wastl noch vor wenigen Stunden im Munke geführt hatte?--In der wohlverschlossenen Kommode lagen alle diese Mächte in Form von StaatSpapieren und Banknoten, todte, leblose Gegenstände, die sich nicht um den Sterbenden kümmerten. — Wo blieb aber die einzig rettende, hinübergeleitende Macht? Wo blieb sie, jene segnende, vergebende Macht? Man hatte, wie
nie recht kennen gelernt; man hatte sich ihrer eher geschämt, als Anzeichen einer veralteten Erziehung und eines schwachen Kopfes, und man schickte zuvor zu allen andern Personen, ehe man zn einem Geistlichen schickte. Man konnte eS nicht glauben, daß der Tod auch einen so reichen Mann erfassen könnte, einen Mann, der gestern noch neue, wichtige Plane schmiedete. Man kannte nicht die Stelle im Evangelium, wo vom reichen Manne die Rede ist, der, zufrieden mit sich selbst, sagte: „Nun will ich das thun; ich will mir Scheunen bauen, um Vorrâthe sür viele Jahre darin zu sammeln, und ich will die Aernteu aushäufen und den Wein in Fässer füllen, damit ich ruhig und gemächlich hbe, zehrend von dem Meinige/ — und daß eben diese Schrift jenen Mann einen Thoren nennt, da er nicht die Stunde seines Todes weiß.
Als der Priester eintrat in'S Sterbezimmer des Herrn Wastl, war es zu spät; er hatte so eben den l.tzten Athemzug ausgehaucht, und er, der täglich die Capitalien in seinem Handlungsbuch berechnete, und täglich Bilance über sein Soll und Haben zog, er hatte seit Langem schon nicht mehr Rech» nung gehalten mit Gott, und das Conto seiner Schulden gegen die Gottheit stand noch offen und der schwere Saldo war nicht getilgt. (Forts. folgt.)
Antwort des Kaisers von ßtußlan- an i o ui» Napoleon
DaS „I. de St. Petersbourg" vom 24. Febr. theilt den Brief Napoleons an den Kaiser von Rußland Majestät mit und sagt: da der französische „Moniteur" jenen Brief veröffentlicht habe, so sei es autonsul, die Antwort darauf ebenfalls zu veröffentlichen. Diese Antwort lautet:
„St. Petersburg d«n 28. Januar (9. Febr.) 1854.
Sire ! Ich weiß Ew. Majestät nicht bisset zu antworten, als indem ich, weil sie mir geboren, die Worte wiederhole, mit welchen Ihr Brief schließt: „Unsere Beziehungen müsse« aufrichtig freundschaftlich sein und auf denselben Absichten beruhen: der Aufrechthaltung der Ordnung, der Liebe zum Frieden, der Hochachtung vor den Verträgen und dem gegenseitigen Wohlwollen." — Indem Sie, sagen Sie, dies Programm, so wie ich selbst es gezeichnet hatte, annehmen, versichern Sie, ihm treu geblieben zu sein. Ich wage zu hoffen und mein Gewissen sagt es mir, daß ich mich davon durchaus nicht abgewcudet habe. Denn in der Angelegenheit, welche uns trennt und deren Ursprung nicht von mir kommt, habe ich immer gesucht, wohlwollende Beziehungen zu Frankreich aufrecht zu erhalte,; ich habe eS mit der größten Sorgfalt vermieden, aus diesem Felde mit den Interessen der Re»