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Gott! ich hätte Ihnen nicht zu Gefallen gelebt mit der Leni, wenn ich hätte ahnen können, daß Sie das Ding so ernstlich nähmen. Und was würden die Leute dazu sagen?"

Ernstlich," antwortete Peppi,kann ich die Sache nicht nehmen, das sehe ich schon selbst ein. Ich werde ja ein wohlhabender, bedeutender Mann. Aber ich seh 's Mädel gern, sie gefällt mir. Deßwegen braucht man nicht gleich zu heirathen. Jedoch dieUrschi mag ich noch weniger; überhaupt habe i$ keine Luft, zm swirathrn Mair ift nicht titelt ftèi' und esi genirt einen doch gar Vieles, was man oi^ Lediger nicht kennt. Jst.'s nicht so, Herr L. ? Weiß gerviß, Sie haben auch Stunden gehabt, wo Sie gewünscht haben, wieder ledig zu sein."

Da können Sie recht haben," fuhr lächelnd L. fort. Aber was ist ls denn, wenn man verheirathet ist? Deßwe­gen kann man gerade so frei und ungenirt leben. Ich halte Sie für zu gescheidt, Herr Peppi, als daß Sie noch an den altväterlichen Ehcstandsregcln halten. Die mögen gut sein für die Bauern und die Dummen, die nun einmal dazu ver dämmt sind, mitsammen am Joch zu ziehen. Aber bei Ihnen, ich bitte Sie, Herr Peppi, ist das Ding ganz anders. Lassen Sie die Frau den Weg gehen, den sie will, und Sic gehen den Ihrigen Des Sparens bedarf's ja bei Ihnen nicht, da arbeitet das Geld, und daß es ordentliche Procente trägt, dafür will) schon sorgen, wenn ich anders mir schmei­cheln kann, daß der Herr Peppi künftig als eigener Herr dem L. noch das Vertrauen schenkt, mit dem sein Vater ihn beehrt hat. Was schadet's, wenn Sie die Leni, so lange sie hier ist, rede bei gerne sehen? Das ist modern, Herr Peppi, aus dem macht sich kein Mensch etwas. Die Urschi wird schon selber so klug sein und sich nicht darum kümmern; denn im Sack haben die Eltern sie auch nicht stecken lassen, und sie schaut schon durch die Finger, wenn sie nur Kleider und an­dere schöne Sachen bekommt. Das habe ich schon gemerkt, die Urschi ist etwas eitel, und mit dem Vermögen, welches Sie beide zusammen bringen, da kann man schon der Frau hübsche Präsente machen und Vergnügen gönnen. Was sollte Sie also hindern, die Urschi zu heirathen? Weiß Gott, so eine Partie bietet sich nicht alle Tage dar. Unterdessen, Herr Peppi, wenn man Geld genug hat, was fragt man nach dem klebrigen? Taugt die Frau nicht recht, so gibt man ihr einige hundert Gulden und schickt sie in's Bad auf mehrere Monate, und man ist Freiherr. Weiß Gott, da gibt's Auskunstsmittel genug. Aber wer wird denn so 150,000 Fl. gleich aus den Händen lassen? Eine solche Speculation kann man nicht immer machen. An das abgedroschene Zeug von wechselseitiger Liebe oder daß die Ehen im Himmel geschlossen werden, wie Ihre Geistlichen sagen, glauben doch solche Leut', wie Sie, Herr Peppi, sind,

I lange nicht mehr. Meine Ansicht war's immer, daß da- Heirathen eben so gut eine Speculation ist, wie jede andere. Ein dummer Mensch der, welcher sich dadurch in'S Vermögen setzen kann und es nicht thut ! Folgen Sie meiner Meinung, Herr Peppi; Sie werden sehen, Sie fahren nicht scklecht da­mit, und Ihr Herr Vater trägt Sie auf den Händen, wenn Sie seinen Willen thun. 9hin, was soll ich ihm sagen? Ah paperlapah, wer wird noch lange fragen? Ich weiß, Sie ' fUMMf mit ihm überèin?^

Nun. wenn das Ding so geht" sagte ganz gemüthlich Peppi,so kann man es" sich' gefallen lassen. Aber thue ich dieses dem Vater zu Lieb', daß ich die Urschi heirathe, kann er mir's auch zu Lieb' thun, den schönen Mecklenburger von Moses Sihlvarz mir zu kaufen. Er kostet zwar 90 Louis- d'or, aber, da ich jetzt wieder so viel Geld in's HauS bringe, schadet es nicht. Machen Sie, daß mein Vater daS thut, so sage ich Ja." Zufrieden mit dem gemachten Ge­schäfte entfernte sich der Unterhändler und ging gerade zu Herrn Wastl, in dessen Auftrag er gehandelt. Dieser meinte in die Höhe springen zu müssen bei dem Gedanken an den großen Gewinn dieser Partie. Es ließ sogleich dem Peppi sagen, daß er noch heute das gewünschte Reitpferd erhalten sollte, und machte ihm obendrein 100 Gulden zum Geschenke.

L. freute sich im Geiste der schönen Provision, die ihm diese» Geschäft zu einem seiner einträglichsten machen sollte.

(Fortsetzung folgt.)

Geschichte eines Wunderkindes

(Sortierung.)

DaS i st viel!" riefen König und Königin wie au» einem Munde und damit hatte die Audienz ihre Endschaft erreicht. Zwei Stunden lang hatte der Knabe gesprochen. Mit dcrscbcn Unbefangenheit, womit er seine Anrede gehalten, sprach er folgende Abschiedsworte:Sire, ich bin der aller­höchsten Gnade nicht würdig, die Sie mir erzeigt haben. So lange der glimmende Docht meines schwachen Lebens annoch dauern wird, werde ich Gott bitten, daß er Euer königlichen Majestät glorwürdiges Scepter segnen wolle in Ewigkeit." Von nun ab sprach man in ganz Dänemark von nichts An- derm als von dem l üb ecke r W u n der kn a b en. Keiner aber war wohl froher als der Lehrer des Kleinen*, der diesen natürlich auf diese Worte schon lange präparilt hatte, so unbefangen und selbstständig er sich auch in Anderm gab.

Eine lange Ruhe war jedoch dem kleinen Heinecke» nicht vergönnt; die Geschwister des Königs, Prinz Karl und Prinzessin Sophie Hedwig, wie auch der Kronprinz und die Kronprinzessin, nebst deren Mutter, der Markgrafen von