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hart f« ist, schaue ich, daß ich vielleicht bei einer Herrschaft Braumeister werden kann; und dann haben wir zu leben. Mit Kindern hat Gott unsere Ehe nicht gesegnet, viele Bedürfnisse haben wir Beide nicht. Komm, laß uns hier vor dem Christ- kindleu, ein wenig beten, das wird uns stärken. Und dann in Gottes Namen an'S Werk! Ich schreibe jetzt gleich an meinen Vetter, den Herrn Pfarrer; der ist weit und breit be­kannt und geehrt, und die Güte selbst; er wird schon für ' mich was ausfindig machen. Nam, ich denke so: trifft den Menschen ein Unglück, jo muß er es dankbar von Gott an­nehmen und sich wieder aufraffen; unser Herrgott hilft dann schon weiter.

Noch geraume Zeit währte es, bis Andre seine Frau be­ruhigt hatte, so daß sie gefaßt genug war, mit ihm zu be­rathen. Sie suchten noch einmal nach einem möglichen Aus­wege, allein die Wechselschulden an L. und Wastl waren un­übersteigbare Hindernisse. Wollten sie anderwärts ihre Brau- statt verkaufen, so konnte es in der kurzen Zeit bis zum Ver­falltage nicht mehr geschehen. Andre war zudem klug genug, um den Plan Wastl's zu durchschauen. Er fügte sich in's Unabwendbare und wollte nur so lange Frist zu gewinnen suchen, bis er Nachricht vom Herrn Pfarrer bekommen hätte, womit auch Nani übereinstimmte. Beide gingen dann ruhig an das Geschäft des Tages.

Einige Wochen nachher saßen wieder die beiden Eheleute in demselben Zimmer, aber es war nun von allem Geräthe entblößt; nur einer kleiner hölzerner Tisch befand sich noch darin. Außen im Hofe sah man viele Maurer mit dem Ab- t der Bräustätte beschäftigt. Sie gingen eben daran, die Stelle über dem Thore des Sudhauses zu vernichten, wo in mehr als Lebensgröße der hl. Florian stand, den Loschschapfcn über ein brennendes Haus gießend. Unten stand eine Reno- vatur mit einer fast unleserlichen Jahreözahl, und über dieser schwebte auf Wolken eine Mutter Gottes mit dem Jesuskind- lein und der Allongeperücke. Im Vereine mit dem Parlier donnerte Wastl, der jetzige Eigenthümer, und befahl, man solle die Mauer des Zimmerchens, worin Andre und Nani sich be­fanden, nun auch einreißen. Sogleich wurden Maurer daran gestellt und schon drang der erste Schlag des Pickelhammers durch die Weißdecke. Da schauten Andre und Nani langsam in dem Zimmerchcn umher. Nani glaubte die Stelle nicht verlaffen zu können; jeder Winkel hatte für sie eine Erinne­rung. An diesem Orte war sie geboren, erzogen; hier starb der Vater, und diese Wände vernahmen die letzten Worte der Mutter; dort hatte sie ihrem Andre die Hand zum ewigen Bunde gereicht, dieses Zimmerchen hatte alle Freuden und Leiden des Ehestandes umschlossen; an dem Hausaltar hatten sie ihre Bitt- und Dankgebete verrichtet. Alles dieß, so hei­lig ihrem Andenken, sollte in wenigen Stunden auf immer

8 zerstört sein. Nani wischte sich mit der Schürze eine Thräne ' aus dem Auge und auch Andre hatte zu thun, daß er nicht zu weich wurde. Sie kletterte die alte, morsche Treppe hinab und als sie in die Flur kamen, da stand der Oberknecht, der bei Andre schon viele Jahre diente, und die Köchin, die auch schon lange Zeit bei ihnen lebte.

Dem Oberknecht waren die Augen fencht, und die Köchin schluchzte laut; beide reichten den Scheidenden die Hände, und als die rauhe Hand des Oberknechts in der seines ehe­maligen Herrn ruhte, da füllte jeder den Händedruck des andern und der Schmerz unterdrückte die Sprache, da die Gefühle zu stark waren. Doch die teruhafien Herzen verstan­den sich. Andre wußte, daß er die Liebe eines braven Die- ners, und Nani, daß sie die Liebe einer braven Dienerin mit sich nehme. Es that ihnen so weh, von diesen beiden zu scheiden, als ob sie Familienglieder verlören. Sie hatten während der Führung ihres Hauswesens keinen Unterschied gemacht, und die braven Dienstboten hatten redlich mit ihnen, wie bie scohen, so die traurigen Stunden getheilt. Wohl hätten sie mehr Zeit gebraucht, Abschied zu nehmen, wenn nicht die zornige Stimme Wastl's, der über ihren Aufenthalt btt der früheren Herrschaft ungeduldig wurde, sie abgerufen hätte. Die Eheleute traten aus dem Thore; sie schauten noch einmal zurück auf die heimathliche Stelle, die sie aus im­mer verließen, während eine frevelnde Hand sie zerstörte. Jeder Hammerschlag, jeder fallende Stein erregte bei ihnen dasselbe Gefühl, das man am Grabe eines lieben Todten empfindet, wenn die ersten Scholle der verhüllenden Erde auf den Sarg hinabgeworfen werden. Sie vertieften sich so sehr in ihre traurigen Gedanken, daß sie Peppi nicht bemerkten, der mit einem verächtlichen Blicke, die brennende Cigarre im Munde, an den abgehausten Leuten vorbeischoß. Sie wandten sich um und dem eilten Gasthause zu, wo der Stellwagen war­tete. Er sollte sie nach dem Orte bringen, wo Andre eine Bräumeisterstelle erhalten hatte. (Forts, folgt.)

Geschichte eines Alunderkindes

(Fortsetzung.)

Der Arme starrte seinen Lehrer eine kurze Zeit an; dann sagte er mit leiser Stimme:Kleidet mich nur an, ich bin freilich krank, recht krank, aber es wird schon gehen." Der Weg wurde demnach angetreten. Als sie dem Schlosse naher kamen, rief der Knabe:Herr von Schöneich! Herr von Schöneich! Satellites, stipatores cum satellilibus! DaS gab einen Allarm. Die hohen Würdenträger guckten voll Neugierde auf den Angekommencn; aber weder die glänzende Kleidung noch die funkelnden Orden machten unsern kleinen