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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgemeinen Zeitung.

Nr. 4N.

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Herr Walli und seine Kinder.

Skizze aus d e m bayerischen Alltagsleben von I. S.

(Forisktzung)

Herrn Fuchs erstickte daS Wert auf der Zunge. Sollte er die Bitte wagen, wo er gerade einen Eingang gehört hatte, der ihm wenig Hoffnung gewährte?

Brauchen Herr Fricks kein Geld?" fragte Herr Peppt lachend;ja, mein Vater hat silber keines. Nicht wahr, Vater?"

Pnrpurröthe überfloß die Wangen Fuchs' bei dieser Ge­meinheit. die er sich von einem so jungen Lassen antbnn l ss u mußte, und schon wollte er seinen Hut anfsetzen und mit Ber achtung ihm den Rücken k.hreu, da staub vor seinen An gen wieder die Erfindung und die heitere Zukunft, und die 200 Fl. waren die goldene Brücke, über die er schreiten mußte, um zum lächelnde» Glücke zu gelange». Heraus mußte es; sie hatten cs ja ohnedies schon geahnt, waS sein Besuch wolle. Mehr stotternd als redend erzählte er die Gc' schichte seiner Erfindung, und als eS zu dem Capitel kam, wo cs sich um das Darleihen handelte, da rückte ungeduldig Herr Wastl auf dem Stuhle hin und her, Peppi trommelte auf seinem Ruhebett mit den Fingern. Und als das inhaltsvolle Wort 200 Fl. gesprochen war ging cs nun beim Herrn Wastl an daS Bedauern, Herrn Fuchs nicht gefällig sein zu können, indem man gerade jetzt ohne überflüssige Geldmittel sich befinde, und nur so viel zu Hause habe. alS kaum zu den nothwendigen Bedürfnissen ausreiche; wenn jedoch Herr Fuchs um einige Wochen früher gekommen wäre, so hätte man schon helfen können. Mit derlei Redensarten spedirte er den Bitt­steller zur Thüre hinaus.

Das wäre mir die wahre Kundschaft", sagte Herr Wastl zu Peppi,solche Hungerleider könnte man gerade genug haben, wenn man sich darauf einlasfen wollte. Da kommen sie immer mit ihrem ehrlichen Gesichte und ihrem Fleiße und ihrer Redlichkeit daher; so kleine Posten tragen keine Procente.

Was hätte ich jetzt von den 200 Fl. Provision nehmen kön­nen? vielleicht 30 Fl. und 5 Proc. Zinsen; eine Bagatelle, die ich heute Abend verspiele und noch darüber; man zer­splittert damit die Summen und hat die liebe Noth, daS Geld wieder bereist zu kriegen. Peppi, wenn Tu einmal das Geld unter den Händen hast, so was mußt nicht thun. Nur nickt auf diese Weise herleihen! Sie schwätzen dir immer.von GotteS Lohn vor, schert sich ber Kukuk darum; wenn Tu nichts mehr hast, gibt Dir kein Mensch etwas t Ich bade einen Grundsatz, lind der heißt bei mir so: Zuvor komme ich, dann komme ich noch einmal, dann folgt lange nichts »lehr, Hernach komme ich wieder, und ganz zuletzt die andern Leute. Verstehst Tu den Sinn dieses Sprichwortes? Ich glaube ihn Dir nicht weiter erklären zu dürfe». Geld macht die Welt Aber der Satan Holl's; heute ist eS rein unmöglich, die Papiere und das Geld ordnen zu können. Jetzt klopft cs schon wiederum; Menn's nur nicht wieder eine Gesuchstellerei ist, ich habe sie satt. Zwar an Entschul­digungen und Ausreden fehlt mir cs nie; dies muß man verstehen; denn grob darf man doch nicht sein, sonst verschreien einen die Leute als Menschen ohne Bildung.

Abermals rief Peppiherein"; freundlich und lächelnd trat ein Mann ein von niederm Wuchs, im Gesichte das orientalische Gepräge, die Finger voll von Ringen mit edlen t teilten besetzt, über die Weste eine schwere goldene Kette und uuterm Arm eineu feinen Castorhut; die Physiognomie dieses Mannes kündete eine gemeine Herkunft an, und um seinen Mund zog sich beständiges Lächeln.

Ab, gute» Tag, Herr Wastl; Herr Peppi auch schon im Geschäft? Nun eS freut mich, Sie in guter Gesundheit zu treffen. Sapperlot, wie sich Herr Peppi macht. Run, Herr Wastl, an einem solchen Sohne kann man wohl seine Freude haben; habe schon gehört, was der Herr Peppi für ein guter Tänzer sind! und wie Sie sich mit den Frauenzimmern zu unterhalten wissen. So wahr Gott lebt, ich gäbe einen Fin­ger von meiner Hand, wenn ich einen solchen Sohn haben könnte; ist'- nicht wahr, Herr Wastl!"

Der Dialekt, mit dem dieses gesprochen wurde, verrieth