Der Wanderer.
Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgemeinen Zeitung.
Hr. 39, Mittwoch den IS Lebruar iss*.
Ci» malaiischer Nauber
Eine (Lrzävlung.
(Schluß.)
Am dritten lafl konnte Herzog Franz fast nicht mehr vom Fleck. Seine Beine thaten ihm nniä.,lich web , seine Füße waren wund. Aber eine solche Kleinigkeit feßte den Harain- Paschah nicht in die geringste Beilegenheit. Er gab seine Bunda einem der G fad»ten und nahm den jniiflcii Herrn aus seine breiten Schultern, wie der fliege Ehustvph das Kindlein. Auch jo^ er sich besser aus der Sache als der selige Holüber, zweifelsohne weil die Herrlichkeit der Erde in dem zukünftigen Kaiser eben nicht so schwer wog, als auf den Schullern des heiligen Riesen die Herrlichkeit des Weltalls. Die Wmdernng gewann dadurch so,,ar an ausdauernder Schnelligkeit, denn Herzog Karl war nicht minder gut zu Fuß als die Söhne des Waldes.
Bon einer Anhöhe erblickten die Flüchtlinge ihre Beifol- gex in einem Tbale, kaum eine Bieueistunde W ges hinter sich. „Gottlob, Dag sie da sind!" rief Ptru. — „Warum Gottlob?" fragte Franz verwundert; „die Rahe der Türken erscheint mir nichts weniger als angenehm." — „Sic sind j.i hinter uns," lächelte Petru, „und so weiß ich gewiß, daß sie uns den nächsten Weg nach Szlatiua nicht verlegen. Gesehen haben sie uns schon; jetzt heißt ed aber: lauf um dein Leben
Der rüstige Mann rannte mit seiner kostbaren Last ans Leibeskräften über Stock und Stein. So erreichte er den Saum des Waldes und den Felsenabhang, wo jetzt das Kirchlein steht. „Gerettet!" rief er mit schallender Stimme, als er die kaiserlichen Lagerhallen und die streifenden Dragoner erblickte. Die Aussicht machte die Augen Herzog Franzens wieder wacker, doch fiel es ihm nicht ein, sich an dem ange
nehmen Bilde zu weiden. Von Den Schultern seines TiägerS glitt er zu Boden und lief den Seinen zn.
Maruschka, Selim, Dschurdschu und ihre Begleiter hatten in der That vom Thäte auS die Verfolgten gesehen. Sie hatten bemerkt, daß Petru Den einen Prinzen trug, und Da
sie daraus geschlossen, daß sie um so leichter ihr Ziel erreichen würden, waren sie mit vei doppelter Anstrengung nachge- Munt. Die Rechnung hatten sie indessen ohne den Wirth i gemacht; als sie den Saum des Waldes erreichten, kamen sie I just recht, um den lauten Inbelruf zu vernehmen, womit die Gerateten drunten empfangen wurden. B'tlere 'Verzweiflung bemächtigte sich der Seele Maruschka'S und ihr Jammer ward noch vermehrt, als ihr Blick umherschweifend auf die Sdlle siel, wo einige Tage zuvor ihr Bote sein trauriges Ende gesunden. Bom armen Tobru war nicht mehr viel übrig, doch unm.r noch genug, um zu erkennen, daß die Reste eines menschlichen Leichnams dort hingen.
Der Renegat starrte finster vor sich hin. „Mein guter Freund," sagte Maruschka endlich zu ih n, „wir müssen fliehen. Aus 'Verfolgern werden wir jetzt zu Verfolgten." — „Du hast mich schmählich verrathen!" rief Schul — „Hat dich die Kreuzspinne gebissen?" fragte die Zauberin, glühend in au (loderndem Grimm, — „Du bist die Kreuzspinne, welche mich gebissen hat," antwortete der abtrünnige Ehlist; „zu unwürdigem Spiel halt du meine Leichtgläubigkeit mißbraucht." — „Sender, du lügst!" schrie Maruschka. — „Elende, du trügil!" schrie Selim entg gen; „im Einverständniß mit Petru hast Du mich wie ein Irrwisch umhergefühlt, um den Kaiserlichen ein Blendwerk von Gefahren vorzugaukeln." — „Forlu- natu," unterbrach ihn Maruschka mit bebender Stimme und weichem Tone, „mein Freund, hast du Denn nicht begriffen, daß ich dich liebe?"
Ein verächtliches Lächeln war Selims ganze Antwort. Maruschka schien es nicht zu beachten; in demselben Tone fuhr sie fort: „Ich will dir meine Liebe noch ferner beweisen. Ich folge dir zum türkischen Lager, ich bleibe bei dir alS Deine Sclaviu." — Der Renegat lachte H auf. „Ich Danse für ein solches Geschenk," rief er; „glaubst du denn, du alte Rärrin, daß ich darum zum Türken geworden bin, um mich mit Dem Abhub von fremden Tischen zu begnügen? Ich schmeichelte Dir, so lange ich deiner bedurfte, daS ist
ultes." — Er fugte noch einige Worte von wallachisch - tür* klschrm Gepräge hinzu, von denen töbtlich verletzt MaruschkaS