Der Wanderer.
Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgemeinen Zeitung.
Kr. 38,
Dienstag den 14. Februar
I8M.
Ein walachischer Nânber.
Eine Erzählung.
(Fortsetzung)
Die Prinzen verstanden zwar keine Sylbe von dem Gespräch der zwei stolzen Riesengestalten, aber sie wa,en böser Ahnungen voll, denn Petru schielte mit verdächtigen Seitenblicken nach ihnen hin und Maruschka war offenbar im besten Zuge, den Harampaschah zu ihrer Ansicht zu bekehren. „Das entsetzliche Weib," rief Franz endlich, „eS schlägt ihn breit! Wir wollen unsere Anerbietungen erhöhen." — „Bieten wir das Zehnfache," meinte Karl. — „DaS Hundertfache, wenn es sein muß," sagte Franz. Entschlossen, die augenscheinliche Gefahr ohne Zeitverlust zu beschwören, gingen die Herzoge mm auf das Ehepaar zu; aber die Gefahr war bereits beschworen, denn in eben dem Angenbl cke, als sie zur Stelle kamen, stieß der Räuber sein Weib mit Schimpfworten von ! sich weg.
„Ich habe mein Wort gegeben," brüllte er mehr als er schrie; „um schnödes Gold werde ich nicht zum Venäthcr. Hebe dich von dannen arglistige Schlange!" — „Wackerer Mann!" rief Herzog Franz ihm zu. Er hätte eigentlich das Lob sparen dürfen. Petru's auffallender Ingrimm kam nicht von der verletzten Redlichkeit her, und nicht der Stolz des Biedermanns war es, der sich in Harampaschah bäumte. Die wahre Ursache war eine ganz andere.
Maruschka hatic sich das schadenfrohe Vergnügen gegönnt, von Wantschas Verlobung mit dem zottigen Dschurdschu zu reden, und daran war die Unterhaltung so unversehens gescheitert. „Hinweg, verdammte Kupplerin:" schrie Petru und hob drohend den Stiel seines CsakanS. Maruschka entzog sich wohlweislich dem Bereich des Stockes, dessen Wucht sie aus vielfacher Erfahrung kannte. Sie warf einen ihrer unbeschreiblich giftigen Blicke auf Herzog Franz und rief im Fortgehen: „Bevor die Sonne hinter den Bergen verschwunden, werde ich den schönen Knaben an mein Herz drücken, um die Zärtlichkeit würdig zu belohnen, die vorhin aus seinen Augen mich begrüßt. Ich bin nicht undankbar, mein sü- 1
ßer Schäfer; den reichen Lohn aber wird Maruschka für sich behalten. Nicht eines türkischen Parahs Werth soll Petru davon bekommen!" Mit diesen Worten verschwand sie im Gebüsch. Der Harampaschah lachte ihr laut und höhnisch nach. „Du brauchst nicht zu lachen," sagte MikloS, an ihn hintre- tend; „die Frau findet bei der Hexenquelle zwanzig Türken, und der Paß ist uns verrannt."
Petru crschrack gewaltig, fast nicht weniger wie seine Schützlinge, aber er ließ sich's noch viel weniger anmerken, alS die Prinzen. „Gut, daß wir's wissen," sprach er; „wir müssen eben einen Umweg machen, um den Türken nicht in die Hände zu laufen. Vor allem aber gebt meinen großen Holzbecher her; wir wollen daraus mit den Gästen trinken, damit sie unserer Treue fest versichert sein können." Einige der Genossen versuchten ein leises Murren, just als ob sie bisher darauf gerechnet hätten, die Prinzen dennoch an die Türken zu verrathen. Ein strenger Blick aus den Augen des Führers genügte, j-de widerspenstige Regung zu unterdrücken und zugleich die Prinzen zu belehren, daß ihre Sicherheit erst jetzt sich fcststeüe. Der hölzerne Becher wurde gebracht, um die Runde zu machen. Sein Inhalt bestand zwar nur aus QueUwasscr, aber der nüchterne Trank erfüllte die Herzen der Lothringer mit einer Freudigkeit, als ob sie vom edelsten Feuerwein Ungarns kosteten.
Der Harampaschah verlor keine Zeit weiter. Der kleine Zug setzte sich m Bewegung, und zwar in einer Richtung, welche den Fremdlingen höchst verdächtig vorgekommen wäre, wenn sie gewußt hätten, daß sie sich gegen die Quellen der Temes aufwärts bewegten, statt nach Szlatina hinunter. „Heute kann ich euch nicht nach Hause bringen," sagte P-tru unterwegs, selber der Umweg ist unvermeidlich, wenn ihr überhaupt ankommen sollt. Besser spät als niemals, pflegte meine Großmutter zu sagen." — „Eine weise Frau, deine Großmutter," versetzte Franz, in den scherzhaften Ton ein« gehend; „die Erde sei ihr leicht." — „Die Erde drückt sie gewiß nicht," fügte der Räuber hinzu; „sie hat bei leben- digem Leibe ihre Himmelfahrt auf drei Klaftern Holz ge- halten."