Der Wanderer.
Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgemeinen Zeitung.
Mr. 3?, Montag den 13. Februar /sm.
Ein walachischrr Räuber.
Eine Erzählung.
(Fortsetzung.)
Der Harampaschah bot den Herzogen einen Platz zum Sitzen, bewirthete sie mit einem Stück gebratenen Fleisches und eröffnete dann die Unterhandlungen mit einer weitschweifigen Rede, worin er die Gefahren schilderte, denen seine Gäste ausgesetzt seien, wenn er sie nicht in seinen Schutz nehme. Die Prinzen hörten dem wortreichen Walachen geduldig. zu, so lange sie mit der nothwendigen Auffrischung ihrer Lebensgeister durch leibliche Nahrung beschäftigt waren. Sie ließen sich's herzhaft schmecken in dem Bewußtsein, einen Ariadneknäuel in der Hand zu halten. Der Faden mußte zwar, wie leicht zu berechnen, viel Geld kosten, aber eben nur Geld, das zu verschmerzen war, namentlich im Hinblick ans das, was etwa der Türke für die zwei edeln Häupter verlangt hätte. Für den Abtrünnigen Bonneval wäre der Besitz dieser Pfänder mehr werth gewesen, als der glücklichste Feldzug. Doch daran schien der Räuber gar nicht zu denken, der immer nur von den Schluchten deö Gebirges, von Bären und Wöl- feu und von den Qualen deö Hungers sprach.
„Mein Freund," sagte Herzog Franz endlich, „wozu machst du so viele Worte? Die Sache scheint mir überaus einfach. Du teiltest uns einen Dienst, dessen Werth wir vielleicht nicht so zu würdigen wissen, wie du ihn anschlägst. Es sei darum. Du sollst nicht nöthig haben, dich auf eine Großmnth zu verlassen, deren Maßstab dir zweifelhaft erscheint. Stelle deine Bedingungen. Bor allem wirst du freies Geleit für dich und deine Gesellen begehren, nicht wahr?" — „Ich denke wohl," nickte Petru beifällig; „wir haben mancherlei auf dem Kerbholz." — „Die Kerbhölzer lodern bereits im Feuer," fuhr der erlauchte Lothringer fort; „was jeder von euch auch verwirkt haben möge bis zu dieser Stunde, es ist vergeben und vergessen. Das für die Vergangenheit; nun kommen wir zur Zukunft. Vor allem willst du Geld haben, nicht wahr?" — „Viel Geld, mein hoher Herr, Geld im Ueberfluß." — „Drücke dich deutlich aus, kurz und bündig."
Der Harampaschah wußte sich nicht kurz zu fassen, doch gelangte er allmählig zur Deullicbkcit. Er sprach den Vorsatz aus, dem Räuberleben zu entsagen, zu welchem Behufe er für nöthig hielt, daß jeder seiner Gesellen ein bäuerliches Lehengut erhalte. Diese Forderung war leicht zu bewilligen, da viel fruchtbares Land aus Mangel an Händen unbebaut lag. Nicht minder leicht zu erfüllen schien das Verlangen, diejenigen unter den Räubern, welche etwa keine Lust zum Feldbau spürten, als Hirten zu versorgen. Die Summen Geldes, welche Petru für seine Genossen begehrte, waren ebenfalls nichts weniger als unerschwinglich. Für sich selbst verlangte er einen großen Hof in der Gemeinde Szlatina, der, miC' er sagte, eben feil geboten werde,; an baarcm Gelde sprach er hundert Dukaten an, und schließlich bestand er darauf, die Anwartschaft auf die Befehlshaberstellc von Neu-Orsova zu erhalten.
Franz lachte hell auf. „Der Bär läuft noch im Walde, dessen Fell du von mir begehrst," rief er aus. — „Ich verlange nicht das Fell, bevor Ihr den Bären habt," sagte Petru ganz ernsthaft; „aber Ihr müßt mir verheißen , daß ich es erhalte, sobald die Jagd glücklich beendet ist. Nur die Anwartschaft begehre ich, nicht das unbedingte Versprechen." — „Meinetwegen also," fuhr der Herzog immer noch lachend fort; du sollst wohlbestallter Hüter der Veste werden — wenn wir sie bekommen."
Der Harampaschah nickte und blinzelte seelenvergnügt. In seinem Geiste sah er sich schon auf dem Walle sitzen, den Rück n gelehnt an einen Mörser, neben sich das Nargileh, welchem blaue Wölkchen entlockend er die Wogen des mächtigen Stroms betrachtete, der in einem Fürstenthum auf dem Schwarzwald entspringt, um bei einem andern Fürstenthum am schwarzen Meer zu enden, nachdem er von den dunkeln Bäumen bis zu den düstern Wogen eine so lange und vielgepriesene Laufbahn zurückgelegt. Von dem obersten der Donaufürstenthümer, wohin zur Zeit noch kein Kosakenspieß reicht, wußte der walachische Räuber freilich nichts, doch störte das nicht sein vergnügliches Behagen an seinen Lustschlössern. „Einen bessern Befehlshaber, wie mich, könnt Ihr gar