Der S
anderer.
Belletristisches Beiblatt zur Naffauischen Allgemeinen Zeitung.
Nr. 34, Donnerstag den S Februar /ss*
Ein walachischer Räuber
Eine Erzählung.
(Fortsetzung.)
Was die Leute in so leichtfertiger Weise sprachen, war in ihrem Munde geselliger Scherz. In den Augen des Bauern und seiner Angehörigen war das Räuberhandwerk eben ein Geschäft wie jedes andere, und das Stehlen eine freie Kunst, gegen deren Ausübung sie nur dann ernstliche Bedenken erheben möchten, wenn etwa ein kühner Griff ihrem Eigenthum galt. Indessen waren die Worte der allen Frau doch nicht ganz harmlos gemeint; sie hatte gemerkt, daß der Haram- paschah seit einiger Zeit sich für einen Türken hielt, der, wenn er auch die Finger in den Weihbrunn tauchte, dennoch die unverkennbare Neigung in sich trug, recht wie ein ungläubiger Hund zwei Weiber zu nehmen, wenn nicht etwa gar drei oder vier. Petru verstand auch vortrefflich, was die bissige Bäuerin meinte, aber er that nicht dergleichen. Mit gelassenem Ernst langte er in die lederne Waidtasche, welche er mit Pelz, Csakan und Säbel auf die Bank gelegt. Was zog er hervor? Eine lange viereckige Flasche in einem Flechtwerk von Binsen. „Laßt uns eins trinken," sagte er; „ich habe da einen Maraschino bei mir, wie ihn kein Paschah von drei Roßschweifen besser zecht."
Eziuka lachte mit dem ganzen Gesicht und ließ sich nicht nöthigen. Der faule Zdenku ward urplötzlich so rührig wie ein arbeitsamer Benetianer. Auch Wantscha verschmähte nicht den süßen Feuertrank von Zara, sondern that mit großem Behagen mehr als einen herzhaften Schluck. Die Bärenbranken kamen vom Herde auf den Tisch. Das Gericht wurde unter Lachen und Plaudern verzehrt, und wenn Zdenkn vielleicht beim Eintritt des Räubers beklagt hatte, so war er durch den gelben Brenz aus Dalmatien mehr als getröstet, besonders da Petru ausdrücklich bemerkte, daß er die Flasche nicht mit sich nehmen werde.
Endlich erhob sich der Harampaschah. „Es wird spät," sagte er, „und mein Weg ist der weiteste." — „Willst du nicht über Nacht bleiben?" fragte Czinka verwunder,
Ich du armes Herzchen?" sagte
möchte schon, aber ich kann nicht," lautete der Bescheid; „ich erwarte heute Nacht einen Kundschafter, der vielleicht ein gutes Geschäft aufgestöbert hat." — „Nur vielleicht?" gähnte Zdenku; „für ein Vielleicht rühre ich nicht den kleinen Fin- ger." — „Du hast gut auf der Bank liegen," meinte Perru; „du hast mit Weib und Kind und Knechten zu essen in Hülle und Fülle, und darfst ohne Sorgen vom Morgen bis zum Abend den fliegenden Vögeln nachschaucu. Ich aber habe mit meiner Arbeit ein Dutzend Mäuler zu füttern bei dieser schlechten Zeit. Die Geschäfte gehen elend und sind dabei verdammt gefährlich. Da darf ich mir's nicht bequem machen, so gern ich etwa möchte; für ein Vielleicht lause ich jetzt in Einem Futter von Mehadia bis Orsova."
Er ging. Wantscha gab ihm das Geleit bis zur Thüre des äußern Zaunes. Dort blieben sie beisammen stehen, Hand in Hand, sagten sich mehr als einmal gute Nacht und auf Wiedersehen, und kamen dabei nicht vom Flecke. Er erwar- tete, daß sie in's Haus zurückgehe, sie harrte seines Scheidens, um ihm nachzuschauen. „Kommst du auch recht bald wieder?" fragte Wantscha. — „Ich wollte, ich wäre schon wieder da," versetzte er. — „Warum bist du also nicht lie- der geblieben?" — „Was hülfe mir's, Wantscha? Ich wäre nur in deiner Nähe, um desto deutlicher die Qual zu fühlen, nicht bei dir zu sein. Ja, wenn du..." — „Bst!" unterbrach ihn die Dirne; „habe ich dir nicht verboten, mich mit dergleichen Reden zu peinigen?" — „In meinen Gedanken sage ich dir das alles und noch viel mehr," antwortete Petru; „wie soll ich es nun anstellen, dir gegenüber zu ver- schweigen, woran ich Tag und Nacht denke?" — „Wir sind sehr unglücklich!" seufzte das Mädchen. — „Wenn wir unglücklich sind, bin ich ja glücklich," flüsterte er, die Schöne näher an sich ziehend. Sie ließ es geschehen, doch sprach sie dazu: „So seid ihr Männer alle, nur auf das eigene Wohlergehen bedacht. Wenn du dich glücklich preisest, muß ich mich nur um so unglücklicher nennen."
Die Zwiesprach wurde unterbrochen, und zwar in der unerwünschtesten Weise. „Was macht dich denn so unglücklich, eine Weiberstimme; „du möchtest