Belletristisches Beiblatt zur Maffauischen Allgemeinen Zeitung.
Nr. 32 Dienstag den 7. Februar mm.
Ein walachischer Ränder.
Eine Erzählung.
(Fortsetzung.)
Dschurdschu erhob keine weitere Frage. Er hatte genug vernommen, um zu verstehen, daß Maruschka mehr eifersüchtig auf ihren Mann war, als sie es Wort haben wollte. Das hochfahrende Weib hatte sich aus Herrschsucht von Petru Baghu, dem Harampaschah (Räuberhaupmann), getrennt, weil er nicht gehorchen wollte und sie nicht gehorchen konnte. Und in der That verstand sie sich auf das Befehlen so gut wie er selber, so daß ihre Bande keine schlechteren Geschäfte machte als die seine. Wenn aber das Ehepaar auch seine Arbeit getrennt, es hatte sich darum nicht geschieden. Die Gatten besuchten sich gegenseitig, und so schien es ganz begreiflich, daß die Frau sich gekrankt fühlte durch Huldigungen, welche der Mann einer andern darbrachte, wenn auch ihr Stolz die Eifersucht verleugnete.
Als die zwei auf ihrer raschen und schweigsamen Wanderung in daS Thal Hinabstiegen, welches den quellenden Gewässern von der südwestlichen Flanke des Mick zum Rinnsal dient, hielten sie plötzlich an. Ein Lichtschimmer aus der Tiefe leuchtete ihnen in die Augen. Der gelbe Punkt schien nicht größer als einer Lampe gelber Schein hinter dem Fenster einer Hütte. Aber die Ankömmlinge wußten sehr wohl, daß dort drunten keine Menschenwohnung stand. Mithin kam der Schein von einem offenen Feuer. „Wer mag sich dort gelagert haben?" fragte Dschurdschu. „Sollten es Petrus Leute sein? „Vielleicht eine Horde von Zigeunern," sagte Maruschka; „wir werden ja sehen."—„Wollen wir denn hinzugehen?" — „Als ob uns eine Wahlbliebe! Wir haben keinen andern Weg, um über das Wasser zu kommen. Laß uns mit Vorsicht näher rücken."
Maruschka fühlte nach dem Gürtel, um sich zu überzeugen, ob die Pistolen handgerecht stacken. Die Flinte nahm sie mit dem Lauf nach aufwärts in den Arm. Der Begleiter setzte in gleicher Weise seine Waffen in Bereitschaft. So für jeden Fall gerüstet gingen sie mit vorsichtiger Langsamkeit dem Feuer zu.
Die Vorsicht war dießmal überflüssig. Am Feuer lagerte ein einzelner Mann, der übrigens weder ein Zigeuner noch ein Mitglied der Petru'schen Genossenschaft war, sondern ein leibhaftiger Türke in enger Jacke und weiten Hosen, mit geschorenem Schädel und bewachsenem Kinn. Mit gekreuzten Beinen kauerte der Türke, ein noch leidlich junger Mann von etwa fünfunddreißig Jahren, auf dem Boden neben dem Feuer und rauchte seinen Tschibuk so gemüthlich, als säße er in einer der Schenken beim goldenen Horn, wo noch bis zum heutigen Tag die Kinder des Propheten das schwarze Wasser der Weisheit zu trinken pflegen. Doch traute er dem Frieden offenbar nicht so ganz, wie er im Kaffeehaus der spitzbübischen Griechen oder des schuftigen Armeniers gethan hätte; seine Waffen hatte er nicht abgelegt, bis auf die lange Flinte, welche dicht neben ihm in schräger Stellung an einem Stein lehnte. Bei der Flinte lag ein erlegtes Reh, von dem ein saftiges Stück, in Fett gewickelt, an soldatischem Bratspieß beim Feuer angenehmen Duft verbreitete. Das Stück, welches der tapfere „Ghazi" (Glaubenskämpfer) sich zum eiu- samen Mahl bereitete, war die Leber; unter seinen Kameraden hätte er nicht wagen dürfen, das verbotene Eingeweide zu verzehren. Seine Rechte drehte fleißig der Bratspieß, während die Linke den Tschibuk hielt. Er schien dabei, wenn auch nicht zu schlafen, doch zu träumen, aber seine Sinne waren schwach. Er vernahm die Schritte der Nahenden. Flink vertauschten seine Hände die Pfeife und den Bratspieß mit der Flinte, behend wie ein Wiesel fuhr er in die nahen Büsche, von wo er versteckt hinausspähen konnte. Bevor er diejenigen noch sehen konnte, deren Nahen ihn zur Vorsicht gemahnt, rief eine helle Stimme: „Forlunatu, fürchte nichts! Ich bin allein mit dem alten Dschurdschu." Die Stimme klang bekannt und die Eigenthümerin derselben trat in den Kreis des Feuerscheines, um durch ihre Erscheinung jegliches Mißtrauen zu heben. „Komm nur hervor, mein Knabe," sagte Dschurdschu; „wenn wir dir übel wollten, hättest du die blaue Bohne im Leib gehabt, bevor du etwas von uns inne gworden."
Der Türke trat hervor, um die Ankömmlinge zu be-