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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgemeinen Zeitung.

Kr. 17

Freitag den 20. Januar

1SM.

O Vie Zerstörung der ^rdenburg.

Erzählung aus dem Gebiet der Sage von K. S.

Unweit der Mündung der Arde in der Nähe des netten Städtchen Dietz, wo das üppige Aarthal sich öffnet, schaut eine hohe Warte von spitzem Bergkegel nieder in das Land; malerisch liegen dort die Ruinen der stolzen Burg Ardeck und die grauen Trümmer heben noch den Reiz der Gegend, deren gesegnete Fluren zu den reichsten des reichen Landes Nassau gehören.

Ueber die Erbauung der Burg Ardeck sind uns bestimmte Nachrichten zugekommen; die Limburger Chronik (diese Schatz­kammer alter Kunde) hat uns auch diese ausbewahrt.

In derselben Zeit (1395) in der Pfingstwoche schlug Graff Adolff von Dietz und zu Nassau (Dillenburg) eine neue Burg auff die Arde, nicht fern von Limburg, die ist ge­nannt Ardeck" so berichtet diese Chronik. Auf dieser Burg, welche dietzisches Eigenthum war, wohnten die Adelichen (nicht Grafen) von Dietz, denen als Erbmarschällen der Graf­schaft die Besitzung Ardeck im Jahre 1467 als Lehen über­tragen wurde, bis zum Aussterben ihres Geschlechtes (zu Ende des 16. Jahrhunderts). 1562 wird Emmerich von Dietz hier genannt und 1570 war Junker Walter von Dietz ihr Be­wohner. Die Burg fiel wieder an die Grafschaft zurück und sie scheint nur von Dienstleuten bewohnt worden zu sein. Noch zu Anfang des dreißigjährigen Krieges stand die Burg in voller Wehre und ihre wohl erhaltenen Mauern zeugen, daß sie noch nicht allzulang dem Verfalle hingegeben wurden. Wo Graf Adolpf (der Gemahl Juttas, der Erbgräffin von Dietz) die Ardeck erbaute, stand lange Jahre zuvor eine feste Burg, wie uns die Chronik von Limburg weiter belthrt. Auch so hatte hundert Jar zuvor eine Burg da gelegen und war doch niemand erdenklichen. Also lange Zeit war das gewesen. Und hatten die Leut das gehört von ihren Eltern. Und fand man auch die alten Gräben und Sachen von einer Burg, daß man das wohl prüfete." .

Hier stand die Ardenburg mit hohen Zinnen und weit­

schauenden Thürmen und bildete die Pforte zu dem frucht­baren Thal der Ardahn, in deren klaren Wellen sich stolze Burgen spiegelten, an deren schwellenden Fluthen geheimniß­volle Sagen und Kunden hinflüstern. Auch hier in die längst verschwundenen Hallen der Ardenburg führt uns die Sage ein, und berichtet von Zeiten, zu denen uns die Geschichte den Schlüssel versagt.

Zwar rauschen nicht mehr die gespenstigen Räder der Ar- decker (Ardenburger) Chaise durch die Stille der Nacht, zwar stört nicht mehr ihr dumpfes Gerassel in der Vigilie eines Festes die Bewohner Limburgs um Mitternacht aus dem Schlafe, und die Kunde von dem feurigen Wagen hat den alten Klang verloren, doch die Erinnerung an jenen nächt­lichen Spuck taucht noch manchmal auf und noch immer lebt im Volke das Angedenken an die Sage von der Ardenburg.

Es war in der Charwoche 1242. In stiller Feier ruhten Städte und Burgen, die Waffen hingen ruhig in der Rüstkammer, die Fehde schwieg und jeder Privatstreit ruhte, doch-auf der Ardenburg herrschte wildes Leben, gellend hallte Freudenge- schrei und Becherklang bunt durch einander; scheu vermied der Wanderer die Straße, die an der Burg vorüberführte und ängstlich schlug er ein Kreuz, ein Ave für die sündigen Bewohner der Aldenburg zu sprechen. Hier haus'te der wilde Hartmuth von Dietz, der gefürchtete Räuber und Ritter, um ihn schaarten sich viele Gesellen der Nachbarschaft, denen das tolle Leben des Ritters wohlgefiel und die gar freudig zu den wilden Gelagen herbei kamen die Hartmuth jetzt der allgemeinen Ordnung und frommer Sitte zum Hohn in der Charwoche veranstaltete.

Hartmuth, der Urenkel des Walters von Dietse, der 1130 durch Heirath des letzten Fräulein von Ardenburg diese Burg erwarb, war der Sohn Diethers von Diez. Seine Mutter, die sanfte Kunigunde, deren Andenken freundlich bei den Bewohnern der Gegend fortlebte, starb, als ihr Sohn noch in zarter Jugend stand.

Hartmuth wuchs in die Höhe, sich selbst und böser Ge­sellschaft überlassen, da sein Vater dem schwärmerischen Zuge