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Gemsen gleich, erglimmten dieselben sogleich wieder den Berg über San Nicolo und waren im Nu auf den Höhen ver­schwunden.

Erst als die Schiffe die Heldenschaar durch die ruhigen Gewässer der so malerisch schönen Bocche di Cattaro trugen, hatte Vukaffovich Zeit, seinen Fähnrich um seine Schicksale während der Zeit seiner Abwesenheit zu fragen.

Es war eine schöne Zeit, als Vukaffovich mit seinen Ge­treuen zuerst das Gebiet der schwarzen Berge betrat. Voll Vertrauen gegen ihn, als einen von Gott Gesandten, kamen ihm die Naturkinder entgegen. Alles drängte sich heran, um ihn zu sehen, man küßte den Saum seines Kleides, und die schönen Töchter des Landes hielten es für eine Ehre, sein Roß zu Pflegen und zu warten. Wte mußte der Aufenthalt in einem romantisch schönen Lande in dem Zeitalter der Romantik einen Jüngling anziehen, der mit Bildung durch die Erziehung, mit einem Hang zur Poesie von der Natur ousgcstattet worden. Der Fähnrich P** hatte nicht acht Tage in Montenegro zugebracht, als er schon seine Liebschaft hatte. Die schöne Maruzza von Njegcschtie war es, welcher die Huldigungen des jungen Mannes galten. Die Mitte ei­nes Liebesverhältnisses ist sich überall so ziemlich gleich, An­fang und Ende sind es, die uns interessiren. Hier war das Ende ein sehr plötzliches. P** hatte sich verleiten lassen, der Tochter des Gebirges, die sich ihm vertrauensvoll hingab, das Versprechen einer Ehe zu geben. Aber den Abend vor­her, ehe der verhängnißvolle Zug gegen Scutari begann, kam er mit schwerem Herzen zu ihr und theilte ihr mit, wie er ein Versprechen zurücknehmen müsse, welches er im Rausche der Leidenschaft gegeben, aber unmöglich halten könnte. Nicht der Unterschied der Religion, nicht seine Stellung als Soldat, sondern hauptsächlich seine Vermögenslosigkeir, welche ihm ein thatenreiches Dasein für die nächste Zukunft gebiete, sei ein unüberwindliches Hinderniß. Er hätte unredlich sein und ab- reisen können, ohne sie noch einmal zu sehen. Er aber sei gekommen, um ein starkes Weib zur Fügung in das Unver- meidliche zu mahnen. Nicht mit ihrem Fluch belastet, wolle er dem ihm täglich nahenden Tode entgegen gehen. Maruzza schwieg, was wußte doch das einfache Kind der Natur in sei­nem waldigem Gebirge von allen Berechnungen und Rück­sichten unserer Cultur. Sie hörte vor Allem nur das Nein! Dieses Nein, welches für ein wahrhaft liebendes Weib in al­len Ländern ein entsetzliches Verhängniß ist, bildet für das montenegrinische Mädchen eine Beleidigung, welche nur durch das Blut des Beleidigers gesühnt werden kann.

Sie schritt stolz und ruhig aus ihrer Hütte und der junge Krieger eilte zu seinen Gefährten. Ihn ließen die Tage der Gefahr, welche dem Einrücken in Albanien folgten, fast auf die arme Zurückgelassene vergessen.

Spuz wurde mit stürmender Hand erpbect, Man dr-ng in die Häuser, um die noch lebendes Vertheidiger zu ver­treiben und wacker halfen die Montenegriner den Kaiserlichen bei diesem Geschäfte. Der Fähnrich betrat ein Haus, apS welchem bei Beginn des Kampfes heftig gefeuert worden rpar, fand es aber von seinen Vertheidigern verlassen. Hingegen fand er daselbst drei kräftige Montenegriner, welche einige leise Worte unter einander wechselten und ihn hierauf plötz­lich übersielen. Der eine, die kräftigste Gestalt unter den Dreien, schlang ein rothes Tuch um den Mund des Offiziers, nm ihn am Hilferuf zu verhindern, die andern banden ihm die Hände. Auf ein Zeichen des Häuptlings hoben diese den nun Willenlosen mit leichter Mühe auf ihre Schultern und verließen das Haus durch die nach dem kleinen Garten füh­rende Thür. Mit einer bei dieser Last fast unglaublichen Eile trugen ihn die Beiden den steilen Abhang gegen Norden hinauf und ihr Gebieter folgte.

Nach Verlanf von ein paar Stunden eines eiligen und nur von kurzer Rast unterbrochenen Marsches war man in einem dichten pfadlosen Wald gekommen. Die Männer schienen aber ihren Weg genau zu kennen. Mit einem Male befand man sich an einer Lichtung, durch eine frischgrüne Wiese gebildet. Dort stand, auf die blanken Büchsen ge­lehnt, ein kleines Häuflein greiser Montenegriner, und vor ihnen ein offenes Grab.

Mit Würde setzte der Häuptling den Weitesten des Lan­des auseinander, wie er, der Bruder Maruzza's, berufen sei, die seiner Schwester angethane Schmach zu rächen. Er bringe aus den Flammen von Spuz, getragen auf den Schultern seiner Vettern, den Fremdling, der es gewagt, die Schwelle eines cernagorischen Hauses zu entweihen. Schließlich hat er um den richterlichen Spruch.

Fremdling!" sagte der Vorsitzende dieses seltsamen Ge­richtes,Dein Loos sei der Tod durch des Bruders Hand,!" Die andern nickten beifällig. Es war klar, daß das p.ffe,ye Grab die Ueberreste des Getödtcten aufnehmen sollte. Der Bluträcher erhob sich und lud sein Gewehr, als ob es gälte, ein einfaches Wild zu erlegen. Der Offizier aber blickte M verachtendem Stolze auf diese Zubereitungen zum Tode unb schickte sich an, das Unvermeidliche zu erleiden. Da bu^ brauste plötzlich wildes Schlachlgescbrei den Wald, ein Bote kam mit dem Berichte, daß das nächste Dorf, kanm eiize halbe Stunde entfernt, von den Osmanen angegriffen sei. Alles stürzte fort, die Vollziehung deS Urtheils wurde bis nach Beendigung des Kampfes verschoben, und nur ein paar alte Montenegriner blieben zurück, um den Gefangenen zu bewachen.

Es würde zu weit führen, die Abenteuer -P's weiter zu verfolgen. ES genüge zu missen, daß er seinen Wächtern