Einzelbild herunterladen
 

Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt Zur Nassauischen Allgemeinen Zeitung.

Hr. 3 Lreija^ dk» 6. Januar /s»*

Silber aus Schwaden

Ein württembergischer Oberamtmann -es vorigen Jahrhunderts.

(Fortsetzung.)

Schon traf er den Expeditionsrath dort, der mit Cou- rierSeile aus der Residenz angekommen war. Der Actuar, vom Titel des Rathes nicht sonderlich angenehm berührt, machte ihm eine steife Verbeugung und trug dann dem Ober- amtmann seine Klagschrift vor. Der Oberamtmann, der heute all seine Fassung wieder erlangt hatte, hörte sie mit unzerstörlichem Ernste an, ohne etwas darüber zu äußern; der Expeditionsrath dagegen zuckte mit vielsagendem, hoch- müthigem Lächeln die Achsel.9ie$t gut!" sprach er wirklich guter Styl für einen jungen Mann vom Lande! Doch erlauben' Sie mir abgeschickt darf die Schrift niemals werden! Wie gut, daß ich sogleich kam! ahnte mir doch, daß eine Unvorsichtigkeit würde begangen werden."

Auf Vorsicht braucht hier nicht gedacht zu werden!" antwortete rasch der Actuar, der die absprechende Weise M ExpeditionSraths unerträglich fand;das Vergehen des Obersten ist so offen am Tage und so unerhört, daß der Herzog Gerechtigkeit nicht verweigern künnte und wenn der Oberst noch zehnfach fester in seiner Gunst stünde, als er be­reits steht!"

Ei! wie jugendlich, wie ländlich unerfahren I". lächelte wieder in derselben beleidigend herablassenden Weise der Rath; Gerechtigkeit, ja, die erweist man mit einer Hand und mit der anderen wirft man den damit Begnadigten in den Staub! Wenn Rieger haßt braucht er da viel, um seinen Mann zu vernichten? Es gibt Blößen in jedes Mannes Leben,

auch des strengsten; wo man sucht, findet man auch; man bat einmal ein rasches Wort gesprochen, das wenigstens so gedeutet werden kann, wie man cs brancht oder läßt sich dem und jenem Schritte eine Seite abgewinnen, an die zuvor kein Mensch gedacht hat; kurz, wenn Sie wollen, Herr Oberamtmann, so wird Rieger vom Herzog um eine Summe

Geldes gestraft; aber wenn Bieger will, liegen Sie näch­sten Monat als Staatsverbrecher in der Festung und selbst der Herzog kann Sie nicht befreien! Auch Sie, junger Mann, möchten an den Folgen schwerer zu tragen haben, als Ihre jugendliche. Unbesonnenheit voraus sieht! Wer die Klag­schrift verfaßt hat, wird Oberst Rieger sicherlich zu erkundigen wissen!"

Mit Verachtung wandte der Actuar vor dem Rathe sich ab;meiner achten Sie hierbei nicht!" bat er den Oberamt- manu;der Zorn des Günstlings kann mir nichts anhaben und übrigens bin ich ein zu unbedeutender Gegenstand für denselben!"

Jetzt richtete der Oberamtmann, der bisher sich ganz schweigend verhalten hatte, sich auf; für einen Augenblick schien wieder die alte Würde in ihm aufzuleben, als er an den Rath sich wandte.Sie haben Recht," sprach er mit Stolz;meinetwegen soll Niemand in Gefahr gebracht wer­den; am wenigsten mein Herr Actuarius! Ich verschmähe die Genugthuung, wie sie der Herzog mir bieten würde, ich weiß eine Genugthuung zu fordern, die weder er, noch Rie- ger mir versagen kann!"

Ich hoffe, wir verstehen uns!" sagte mit einiger Ver­wirrung der Expeditionsrath;ich wollte vorhin hinzusügen, mit einiger Erfahrung müßten Sie den Vorfall noch zu nutzen wissen der Oberst ist jähzornig, doch nicht heimtückisch; reizen Sie ihn nicht durch Widerstand, so kann er vielleicht seine Heftigkeit noch selbst bedauern und wird Ihnen auch bei einem künftigen Bcförderungsgcsuch für sich oder irgend du Glied Ihrer Familie um so weniger in den Weg tre­ten!" Dies war selbst für des Oberamtmanns eiserne Fas­sung fast zu viel.

Ich bedarf keiner weiteren Gnade, Herr Rath," sprach er mit auffallender Kälte;meine Genugthuung ist die, daß ich die Dienste des Herzogs verlasse, der seine Diener der Willkühr eines Günstlings Preis gibt. Ich habe schon sehr viel gelernt in wenigen Tagen; ich hatte eine Demüthigung aber nicht von dieser Seite hätte sie kommen

verdient, sollen!"