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Vlumenlese

aus Kali sch' s humoristisch-satyrischcm Volkskalender.

Adam, dem ersten Menschen, wurde seine Gattin Eva im Schlafe bescheert." Das ist die einzige vernünftige Erklä­rung des Sprüchwortes!Die Nacht ist keines Men­schen Freund!

Wenn ich im Theater bei classischen Stücken schlafe, so sa­gen gewöhnlich meine Freunde: Wie kann man bei sol­chem Genuß schlafen?! Allein Schlafen ist auch ein Genuß.

Was üst doch eun König glücklich! Nücht bloß wßnn ör gösund üst, neun auch wön» ör Leubschneuden hat, hat vr s e u N e N e u g e n e n L e u b s ch u e u d e r!

Ein Vater trifft seinen Sohn in einem Delicatesscnkellcr: Verdammter Bengel! Du ißt hier Austern. Weißt Du was sich darauf gehört? Sohn. Na ein Schoppen Chably.

Es heißt ein Evangelium: Die Ersten werden die Letz­ten sein. Wie selten wird das wahr: Denn der erste Ge­liebte einer Frau ist niemals der Letzte.

Die Tugend ist eine horizontale, die Stärke eine ver- ticale und die Gewandtheit eine oblique Linie.

Eine große Menge von Weibern geben ihr Herz in Lieferun­gen aus.

Mit großen Herren ist nicht gut Kirschen essen aber Austern.

Zur Überlegung sollst Dein Kind D u früh bewegen

Und wenn es nicht gehorcht, sollst Dn cs überlegen!

Zur S^gee'-gefchèchre.

** Die Gelehrten und Historiker sind darüber nicht einig, ob Kaiser Konstantin, der sogenannte Große, wirklich bei Köln um das Jahr 310 und fig. n. C. eine steinerne Brücke über den Rhein hat bauen lassen. Viele sind der Ansicht, die Stelle bei Konstantins Lobrcdncr Eumenius, welche den Brückenbau mit rhetorischem Pompe schildert, gelte einem bloßen Projcte. Nach alten Quellen der Geschichte der Erzbischöfe Kölns ließ der mächtige Erzbischof Bruno I. (954965) um das Jahr 655 mit den Steinen der abgetragenen Konstantins-Brücke die Kirche des heiligen Pantaleon, dessen Reliquien ihm Papst Agapet II. verehrt hatte, erbauen, mit welcher er 964 ein von ihm reich dotiries Kloster verband. Im Jahre 1766 fuhr um Christtag bei nicht ganz so niedrigem Wasserstande wie der diesjährige der holländische Schiffer van Rheindorf gegenüber dem Salzgas- sen-Thore mit seinem Schiffe auf, und dies veranlaßte den städtischen Ingenieur Rheinhardt, Untersuchungen und Vermes­sungen anzustellen, wobei er mehrere Brückenpfeiler gefunden haben soll, deren Entfernung er auf 6 Ruthen angibt. Da der Wasserstand jetzt so niedrig ist, wie er feit Menschengedenken noch nicht gewesen, so lohnt cs sich wohl der Mühe, Untersuch­ungen anzustellen, ob und wie viele der alten Brückenpfeiler noch vorhanden sind, ihre Stärke und Entfernungen, Baumaterial ic. wodurch alle Zweifel über den Brückenbau Konstantin's bald gehoben wären. Außerdem wären diese Untersuchungen vom höchsten Interesse, da der Bau einer festen Brücke über den

Rhein bei Köln doch nicht ewig zu den frommen Wünschen ge­hören kann.

** In den Vereinigten Staaten gibt cs einen Beamten, wel­cher den TitelKommissar der indianischen Angelegenheiten" führt und den, die Leitung aller jener Geschäfte obliegt, bei denen cs sich um die Beziehungen der americanischen Regierung zu den auf dem Gebiete der Vereinigten Staaten lebenden In­dianer : Stämmen handelt. Besagter Commissar pflegt jährlich einen Bericht über den seiner Obhut anvertrauten Verwaltungs- zweig abzustatten. Der Bericht dcs letzten Jahres nun veran­schlagt die Gesammtzahl der Rothhäute in der Union auf 400,000. Davon 18,000 östlich vom Missisippi, das heißt in den orga- nisirten Gebieten der Union, eine Zahlenangabe, welche der Wahrheit ziemlich nahe kommen mag. Weniger zuverlässig scheinen die Angaben dco Berichtes über die mehr im Westen sich aufhaltenden Indianer, da es schwer hält, hinsichtlich dieser zu einer einiger Maßen genauen Schätzung zu gelangen. Dem erwähnten Actenstücke zufolge leben in Kalifornien und Neu- Mexico ungefähr 150,000 Indianer, in Utha (Mormonen-Ge- i biet) 12,000 ( in Oregon 23,000 in den Rocky MountainS ! und den anstoßenden Ebenen 63,000, in Teras 29,000 und in Minnesota und längs der Gränze von Teras unge­fähr 110,000.

** Am 27. December wurde im Stadttheater zu Hamburg ein neues drciactiges DramaPaula" von Roderich Benedir zum ersten Malemit gutem Erfolge" gegeben. Das Stück beruht auf dem Motive der Blutrache, also auf einer unserer Gedankenwelt ziemlich entfernt liegenden Joce, deren rücksichts- lose Anwendung unser Gefühl nicht bloß befremdet, folgern so­gar beängstigt und beleidigt." So urtheilen dieHamb.Nachr.* wenn aber dennoch das Stück einen »lebendigen Beifall zu cr- wecken und bis zum Schluffe wach zu halten» vermochte, so muß sonst doch wohl ein tüchtiger dramatischer Gehalt da­rin sein.

** Aus Weimar hören wir, daß zur Errichtung des Schil­ler- Goethe- Denkmals bis jetzt 4000 Thlr. eingelaufen sind. Nach Ueberschlag der Orte, die bereits geliefert, und derer, die ihre Sammlungen noch nicht geschlossen haben, steht zu erwar­ten, daß die nöthigeSumme von 12,000 Thlr. eiligeren werde. Sind die Künstler, Rietschel und Gasser, nach wie vor thätig, so dürfte im Sommer 1856 die Aufstellung und Einweihung des Dioskuren «Denkmals möglich sein.

** Ein durch seine humanen Bestrebungen bekannter und hochachtbarer Etigländcr, T. T w i n i n g jun., hat vor wenigen Tagen in London unter dem TililLeiters on (he Condition of (he Working Classcs of Nassau" eine Schrift veröffent­licht, die, der Society of Arts gewidmet, außer der allgemeinen Darstellung des Gegenstandes, namentlich noch bas Vorcheilhafte unserer Schul- und gewerblichen Einrichinngen hervorhebt.

** Am 26. Dec., Nachmittags, traf in Lübeck aus Kopen­hagen eine Gesellschaft von 144 Mormonen ein, die am 27. früh mit dem ersten Eisenbahnzuge ihre Reise nach Hamburg fortsetzten, um sich von dort nach ihrem gelobten Lande an der Westseite der Vereinigten Staaten von Nordamerica einzuschiffen.

** In der Sierra Nevada (Californicn) ist ein Lager von Chrom-Eisen entdeckt worden, welches als das größte bis jetzt in der Welt bekannte geschildert wird.

Berantwvriuwcr Redacteur: Dr. K>. Loc^.

Druck und Erpedition von Wilhelm Friedrich in Wiesbaden.