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Mha uud die Mormotten.

(Correspondenz deö St. Louis Jntellkgencer.)

(Schlug.)

Vor ein paar Wochen hatte ich das Vergnügen, eine Pre­digt des Bruder Orson Pratt über Vielweiberei und eine Vorlesung über die Offenbarung , die Joe Smith über den­selben Gegenstand wurde, durch den Präsidenten Ionng zu hören. Dadurch gewann ich eine hellere Einsicht in Geheim­nisse der mormonischen Theologie , als ich bis dahin gehabt hatte. Die Mormonen glauben an die Echtheit des Alten Testaments, wie an die Göttlichkeit des Characters, der Sen­dung und Offenbarung Jesu Christi. Außerdem glauben sie, daß der Wille Gottes sich dem Joseph Smith in ähnlichen Offenbarungen kundgab und, wenn Verhältnisse es fordern, sich heute dem Birgham Aoung und den andern Patriarchen der Kirche ebenso kund geben wird. Die Mormonen glauben an Vielgötterei eben so, wie an Vielweiberei; beide gehen Hand in Hand, beweisen ihre gegenseitige Nothwendigkeit. Den Grundideen ihrer Theologie gemäß sind sie selbst alle Götter und Väter von Göttern", nur in Macht, Wissen und Rang verschieden; Götter, die sich selbst erniedrigt haben, eine Zeit lang unter menschlicher Gestalt auf der Erde zu er­scheinen.

Eine ihrer größten Pflichten in ihrem erniedrigten Cha- racter ist cs deßhalb, ihr Geschlecht zu vermehren, und nicht allein diese, sondern auch andere unzählige und unerschaffene Welten mit ihren Nachkömmlingen, Götter wie sie selbst, zu bevölkern. Daher kommt die Nothwendigkeit und der Grund für die Annahme der Vielweiberei, nämlich um diesen großen Zweck ihres Daseins schneller zu Stande zu bringen. Nach dem Tode fahren sie in den Himmel hinauf, nehmen ihre ur­sprüngliche Gottheit an, und leben hier in einem Zustande ewigen Frendengeunfses, umgeben von ihren zahlreichen Wei­bern und ihrer Nachkommenschaft. In ihrem Glauben gibt cs keine Hölle. Die Hölle besteht nur darin, daß Unwürdige der Freuden und Entzückungen des Himmels beraubt werden.

Ich kann nicht umhin, einer sonderbaren Idee zu erwäh­nen, welche Herr Pratt in seiner Rede aufstellte, und diese war: der Hauptgrund, warum die Vereinigten Staaten und America nicht das System der Vielweiberei annächmeu, sei, daß die Männer o t schon so geizig seien, um nur ein einzi­ges Weib und ihre Kinder zu ernähren. Diese Erklärung eines Gebrauches , welcher bisher dem Tugend - Principe der Americaner und Europäer zugeschrichen wurde, wird ohne Zweifel nicht wenige derselben überraschen. Die Heiligen be­mühen sich auf alle mögliche Weise, Proselyten für ihre Reli­gion zu machen. Sie schicken zu diesem Zwecke Missionäre

nach jedem Theil der Erde aus. In einigen Tagen werden achtzig oder neunzig solcher Apostel des Mormonismus sich auf ^ihre Missionen begeben; einige derselben sind nach ver­schiedenen Theilen der Union, andere nach verschiedenen Län­dern in Europa, und wieder andere nach China, Hindostan, Australien, die Sandwichs-Jnseln und andern entfernten Ge­genden bestimmt.

Die Missionäre werden gewöhnlich von der ganzen Ge­meinschaft der Heiligen gewählt, und bisweilen aufgefordert, in einer Zeit von acht oder zehn Tagen nach ihren weit ent­fernten Missionspuncten abzureisen. Sie erhalten keine Be­lohnung oder Bezahlung. Diese Pflicht erfüllen sie meistens mit Bereitwilligkeit und Freude. Herr Pratt, welcher den Sermon hielt, von welchem ich sprach, begleitet eine Mis­sionsgesellschaft nach Washington City, um hier eine Mor­monen - Zeitung herauszugeben. Durch die Spalten dieses Journals, denke ich, wird das Publicum über alle wichtigen Puncte der Mormoueu-Theologie aufgeklärt werden.

In Betreff der Politik ist, wie ich glaube, unter den Mormonen sehr wenig oder gar kein americanischer Geist zu finden. Wenn sie je ein Gefühl der Zuneigung für die Re­gierung und die Institutionen des Landes hegten, so bin ich überzeugt, daß eine Reihe von Verfolgungen und Feindselig­keiten Seitens verschiedener Staaten dasselbe beinahe gänzlich in ihrem Gemüthe vertilgt hat. Sie sind mißtrauisch und unfreundlich gegen die Bürger der Vereinigten Staaten im Allgemeinen Da ihr Gefühl gegen das Volk von dieser Art ist, so kann man natürlicherweise keinen andern Schluß ziehen, als daß das nämliche Mißtrauen und der nämliche Wider­willen sich auch aus die Regierung erstreckt, von welcher die­ses Volk regiert wird. Diese verräterischen Gefühle und Meinungen gegen die Nationälregierung herrschen in dieser Communität in einer größern Ausdehnung, als man gewöhn­lich in den Staaten annimmt.

Wenn sich diese Gefühle noch nicht in einer offenen Re­bellion oder in Mißachtung der Regierungsbehörden gezeigt haben, so geschieht dieses hauptsächlich, weil die Mormonen sich noch nicht auf ihre Stärke verlassen können, oder keine hinlängliche Provocation gefunden haben, die ein solches ent­schiedenes Auftreten rechtfertigen könnte. Ich denke, daß in einigen Jahren ihre Stärke zunimmt, und eine geeignete Ge­legenheit wird dann diese Gefühle zur Ueberzeugung eines Jeden offenbaren. Ich gründe meine Meinung nicht so sehr auf positive Handlungen oder Aeußerungen, welche ich ent­weder gesehen oder gehört habe, als auf die Information, welche ich mir aus verlässigen Quellen verschaffte.