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wegen zu achttägiger Einsperrung verurtheilt worden; müh- sam niedergeschriebene Rescripte wnrden wegen eines Fehlers, wie ein unrichtig gesetztes Komma war, zerrissen und dem jüngsten der Schreiber gar um einer ähnlichen Ursache wegen das Tintenfaß an den Kopf geworfen. Unzufrieden mit sich und der Welt setzte sich endlich der Oberamtman an sein eigenes Pult im Cabinette neben der allgemeinen Amtsstube, während die unglücklichen Schreiber die Köpfe schüttelnd sich zuflüsterten, daß er mit starken Schritten dem Tollhanse zu­schreite, für das der leidige Hochmutb schon Manchen reif ge­macht habe.'

Da galloppirte ein Reiter in den Hof; hier eine seltene Erscheinung; die Schreiber hatten kaum Zeit gehabt, die glänzende Militär-Uniform desselben wahrzunehmen, da trat er schon, ohne erst anzuklopfen, in die Amtsstube, wo er rasch sich umblickte und dann ohne Gruß nach dem Cabinette zuschritt.

Langsam wandte der Oberamtmann sich dem Störer zu mit nicht geringer Uebcrraschung erkannte er den Obersten Rieger. Mit Fassung erhob er sich, um mit der ganzen Würde seines amtlichen und persönlichen Bewußtseins ihm entgegen zu treten:was suchen Sie hier, Herr Oberst?" redete er ihn an.

Ihm Antwort geben, wie sie der Brief eines unverschäm­ten Scribeuten verdient!" schrie der Oberst mit höhnischem Lachen und erhob die mit der Peitsche bewehrte Hand. Ehe der Oberamtmann antworten konnte, fiel ein sausender Hieb auf seine Schulter.

Herr!" rief der Oberamtmann empört; die Schreiber blickten auf, ihren Augen kaum trauend; der Oberst aber mit satauischem Lächeln fuhr fort, die Peitsche, Schlag auf Schlag, zu handhaben. Der Oberamtmann war verstummt vor iu- nerer Bewegung; die Schreiber, die das unerhörte Schauspiel nicht um die glänzendste Oper der Residenz gegeben hatten, rührten sich nicht, sondern ließen die Federn auf dem Papiere so rastlos rauschen, als hätten sie außer ihrer Arbeit für nichts Aufmerksamkeit. Anfangs hatte der Oberamtmann sich mit rascher Bewegung der Gewalt des Züchtigers entziehen wol­len, doch der Oberst war ihm an Jugendstärke und Behen- digkeit zugleich überlegen; und er fühlte, daß er nur das ent­würdigende Schauspiel noch komischer mache, wenn er sich ver­geblich unter dessen Händen wende und drehe. Widerstandlos blieb er nun stehen, das stolze Haupt wie gebrochen nieder- senkend auf den Pult.

Da trat der Actuar herein, der bisher abwesend war. Einen Augenblick nur lähmte ihn das Staunen ob des un­glaublichen Anblicks; dann aber rief er, dem Oberst in den Arm fallend:Herr, wer Sie anch seien, schämen Sie sich nicht, an einem wehrlosen Mann sich zu vergreifen?" Stau­

nend blickte der Oberst sich um; doch der Blick auf die in edlem Zorn bebende Jünglingsgestalt besänftigte ihn. Des Actuarius Kühnheit gefiel ihm; vielleicht mochte er's auch nicht darauf ankommen lassen, daß die Scene sich ändere und er statt des activen Theils den passiven zu übernehmen be­komme; überdieß war sein Zorn jetzt abgekühlt und der Anblick des regungslosen und lautlosen Opfers mochte ihm einige Be­sorgniß erregen.

Es mag genug sein!" sprach er in barschem Tone;ein andermal wird der Federhcld wissen, wie er meine Befehle aufzunehmen hat!" Mit dröhnenden Schritten verließ er Ca- binet und Stube, schwang sich auf sein Pferd und xitt davon, wie er gekommen.

Des Actuars erste Bewegung war nun, mit unwilligem Blick auf die Schreiber, deren Mienen von Schadenfreude lachten, die Kabinctsthüre zu schließen; dann nahte er sich dem Oberamtmann, der todtenblaß mit starrem Blick an sei­nem Stuhle lehnte. Ausdruckslos blickte derselbe Anfangs ihn an, dann sprach er:ach, Sie sind cs? Gut, waiden Sie sich an meiner Schmach; sie ist ja verdient!"

Um Gottes Willen, verkennen Sie mich nicht so grau­sam!" sagte der Actuar mit ungeheuchelter Wärme;es liegt mir nur an. Sie aufzurichte»; der Herzog muß Ihnen Ge­nugthuung geben; solchen Frevels darf auch ein Günstling sich nicht anmaßen!"

Der Oberamtmann schüttelte den Kopf, doch schien des Actuars aufrichtige Theilnahme ihm wohl zu thun. Auf dessen Zureden begab er sich denn auch in seine Privalwohnung, um sich zu erholen.

Der Actuar, der jetzt für seine eigene Klage' keine Erin« nerung mehr hatte, begab sich zuerst in die Amtsstube, kündete jedem der Schreiber, der es wagen würde, irgendwo ein Wort von dem Borfall zn verlauten, seine sofortige Entlassung an und setzte sich dann an den Pult, um ein Klageschreiben an den Herzog aufzusetzen, da dieses, wie er hoffte, am ehesten das krankhaft zerstörte Gemüth des alten Mannes beruhige» möchte.

AIs er's noch am Abende dem Oberamtmann bringen wollte, wurde er nicht zngelassen.Ihr Bruder befinde sich in so krankhaftem Zustande, daß sie das Schlimmste fürchte!" sagte ihm die gute Tante Sabine;Laura wäre die Einzige, die ihn gewiß beruhigen sonnte, und sie müsse jetzt in der Ferne sein!"

In nicht geringer Unruhe brachte der Actuar die Nacht hin; es war nur jetzt noch der alte Freund seiner Familie, der Vater Lauras, den er in dem Oberamtmann sah. Im Laufe des andere» Vormittags stellte er sich wieder mit der Klagschrift bei demselben ein. (Fortsetzung folgt.)