Der Wanderer.
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Belletristisches Beiblatt zur MaffauLscheu AlLgsmeinen Zeitung.
Z1ott»erßÄ!g b$m 3 Januar
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Dttder aus Schwa!'»».
Ei»» württembergischer Obcramtmann des vorigen Jahrhunderts.
(Fortsetzung.)
Ein trübseliger Monat war so hingegangen; mürrisch, wie täglich, hatte eines Morgens der Oberamtmann seine Schreib stube betreten, als ihm der Postbote ein Rescript ans Stuttgart überbrachte. Es war ein kurz abgefaßter Befehl im Auftrag des Obersten Rieger, die noch rückständigen Steuern des Bezirkes schleunig ciuzuziehen und abzuliefern. In der ersten Wallung des Unwillens und der Uebemifebung das gegenseitige gespannte Verhältniß vergessend, reichte der Oberamtmann das Schreiben dem Actuarius, dieser las. „Es wird alsobald an die Schulzenämter zu schreiben sein, um die Einziehung auf dem Wege gerichtlicher Gewalt anzuordnen?" sagte fragend der Actuar.
„Was glauben Sie, junger Unmensch?" rief empört der Oberamtmann; „sollt' ich hundert ehrliche Familien um Brod und Obdach* bringen, um einem ausschweifenden Hof -zu Gefallen zu leben?"
„So wird ein snbmisscstes Schreiben an die Behörde um Frist und Nachlaß zu richten sein?" fragte der Actuar weiter, im Erstaunen über die ungewohnte Bedenklichkeit des Oberamtmanns selbst die Beleidigung in dessen Worten überhörend.
„Sie sind verrückt!" fuhr der Oberamtmann auf; „und verstehen so viel von dieser Sache, als Oberst Rieger, den sie nichts angeht!"
Nun fuhr der der Actuar auf, bet durchaus keine Ahnung hatte, inwiefern seine Aeußerung den Oberamtmann hatte verletzen können; „Hr. Oberamtmann," sprach er, „ich muß bitten, daß Sie mir eine Erklärung des gegen mich gebrauchten Ausdrucks geben!"
„Zum Teufel, Herr!" sagte mürrisch der Oberamtmann, der, ganz von den Anmaßungen des fürstlichen Günstlings erfüllt, kaum wußte, welche Worte er gebraucht hatte; „erklären Sie sich ihn, wie Sie wollen!"
1851.
„Nun denn!" erwiderte der Actuar, glühend roth von Unwillen; „so bitte ich, daß Sie mein Gesuch um Versetzung bei der Behörde unterstützen; es muß Ihnen selbst natürlich erscheinen, daß ich nach diesem Vorgänge nicht mehr in diesem Verhältniß leben kann!"
Kaum noch besann sich der Oberamtmann seiner Ueber- eilung; er biß sich in die Lippen, denn nichts konnte ihm weniger in den Sinn kommen, als seinen brauchbaren und geschätzten, jungen Amtsgehilfen zu vertauschen gegen ein -- wer konnte wissen, wie geartetes Subject; einen eitlen, unerträglichen Anfänger, je unwissender, um so eitler! Indeß antwortete er, stolz seine Bewegung verbergend: „nach Ihrem Belieben, Hr. Actuarius! Es gibt der Schreiber genug im gesegneten Württemberg!" — und er setzte, ohne weiter darüber ein Wort zu verlieren, die Feder an, um dem Obersten Rieger zu antworten. Die Bitterkeit seiner Stimmung aber mochte wohl auch in die Feder übergeben. Er verwies den Obersten aus die Angelegenheiten seines Regiments und versicherte, daß er die Pflichten seines Amtes und die Verwaltung seines Bezirkes jederzeit und auch ohne irgend welche fremde Einmischung gekannt habe und besonders in Einziehung seiner Steuern nur nach dem Bewußtsein seiner Pflicht handeln werde.
Der Brief langte in Stuttgart an bei dem Günstling, dem Niemanden noch je dergleichen Wahrheiten und in solch derber Art — gesagt hatte. Brennend vor Erstaunen und Zorn lief der Oberst mit dem offenen Briefe znm Herzog, der sich über die Kühnheit des Oberamtmanns des Lachens nicht erwehren konnte. „Wahrlich, solch ein Brief verdiente eine Tracht Schläge!" sagte er lachend, als er den Brief mit vielem Ergötzen zu Ende gelesen.
Es war am folgenden Morgen. Des ObcramtmannS Mißstimmung hatte durch den wiederholt ausgesprochenen Entschluß des Actuars, um Versetzung einzukommen, da ihm nach Laurens Entfernung die Stadt verödet und der Oberamtmann, der sie vielleicht gegen ihre Neigung zu unglücklicher Heirath I zwang, verhaßt geworden war — den höchstens, denkbaren * Grad erreicht. Der Amtsdiener war eines kleinen Versehens