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ihr eigenes Glück angeordnet, schämte er sich aber, als ob sich Alles verschworen hätte, seinem Borsatz entgegen zu han­deln, empfing ihn Schwester Sabine, so oft er zu Tisch kam, mit Klagen und Seufzern um ihre unvergeßliche Laura und in der Amtsstube nahm der Actuar, dem er seiner Kennt­nisse und seines soliden, männlichen Charakters wegen so ge­wogen war, als er's überhaupt Jemand fein konnte, gar eine nie erlebte, feindliche Haltung gegen ihn an und eine unwillkürliche, dunkle Ahnung sagte dem Oberamtmann, daß diese Gesinnungsveränderung in irgend einem Zusammenhang mit Lauras Entfernung stehen müsse. (Forts. f.)

Utljo und die Mormonen. (Correspondenz deö St. Louis Jntellegencer.)

(Fortsetzung.)

Die Frauen sind hier in zweite Linie gestellt. Vielleicht hätte ich sagen sollen, sie ständen in gänzlicher und absoluter Unterordnung unter dem Manne , wenigstens würde dieser Ausdruck ihrer Lage entsprechender sein/ Zufolge des Glau­bensbekenntnisses, das sie unter einander angenommen haben, bat das Weib nicht eher Anspruch aus Glück und geistige Erlösung, als bis sie sich verheirathet, oder mormonisch ge­sprochen, mit einem Manne versiegelt hat. Die Männer hal­ten demnach das Loos der Frauen in ihren Händen und sind durchaus nicht beschränkt in der Zahl derer, auf chic sie mit fürstlicher Liberalität und christlichem Mitleiden die Segnun­gen des Glückes uub des Seelcnhcilcs ausgießen wollen, während dahingegen das arme 'Weib bei Todesstrafe gezwun­gen ist, nur einen Gatten als seinen souveränen Herrn an- zuerkennen.

Es ist dies ein Recht und Privilegium, von dem manche Heilige in größter Ausdehnung Gebrauch machen. Bigamie und Polygamie ist ein Cardinalfatz im Glauben und ein her- vorstebender Zug im Leben der Mormonen, eine Sache, die offen und ohne alle Hülle anerkannt und verwirklicht wird. Viele Heilige trachten darnach, zehn, zwölf unb mehr Mäd­chen unter ihren heiligen Schutz zu nehmen, die dann Spiri­tualen genannt werden. Zum Eintritt in diesen Stand von Herrschaft bedarf eS der Einwilligung des Präsidenten Brig­ham Aonng zunächst, worauf durch eine besondere Ceremonie die Vermählung vor lieb geht. Die Zahl der Spiritualen zu nennen, die zu Gouverneur MungS unmittelbarem Haushalte gehören, sowie derer, ans die er souveräne Rechte ausübt, ist unmöglich. Oftmals indeß habe ich seinen Wagen oder Om- mbns zur Kirche fahren sehen, gefüllt mit einem Dutzend oder mehr Damen von jedem Alter, die, wie man mir sagte, alle darauf Anspruch machen, seine geliebten und geehrten

Weiber zu sein. Außer diesen aber, weiß ich gewiß, hak er noch eine Menge Weiber in den verschiedenen Stadtvierteln. Als Oberhaupt der Gemeinde hat er die Auswahl auS der Heerde.

Die übrigen Häupter der Heiligen, erfahre ich, haben Frauen oder Spirituale (geistliche Töchter) in bet Zahl, die ihrem Range und Ansehen in der Kirche entspricht. Gewöhn­lich wohnen diese Spiritualen mit ihrem Herrn im selben Hause, und zwar die Favorite in dem Hauptgebäude, die übrige» nahebei in kleinen Cottages oder Außengebäuden, die für ihre Bequemlichkeit zugerichtet sind. Bisweilen wird aber das Hauswesen so zahlreich, daß es gebieterisch eine Theilung fordert, und die Frauen ziehen dann in andere Wohnungen, wo sie, je nach Geschmack und Neigung des Gatten, eine um die andere besucht werden. Es ist eine merkwürdige Er­scheinung, daß diese vielen vereinigten Lehnsleute (um den gesetzlichen Ausdruck zu brauchen) eines einzigen Herrn, meist in bestem Einvernehmen und Harmonie- untereinander leben. Die Eifersucht, dieses Ungeheuer, scheint von den Damen am Salzsee nicht gekannt zu sein. Ein derartiger Fall ist in den j Annalen des Mormonismus bis jetzt unerhört und man hält ihn gar nicht für möglich.

Wie sich nach dem hier Gesagten von selbst versteht, las­sen die Mormonen dagegen ihre Familien nur in einem sehr beschränkten und wohl überwachten Verkehr mit denHeiden" treten. Mit orientalischer Eifersucht scheinen sie jeder gcsel- ! ligen Annäherung an ihre Weiber und Töchter von Seiten ; Fremder zu mißtrauen. In der That ist es den jungen mor­monischen Damen durchaus untersagt, sich in irgend welche Beziehung zu einem jungen 'in der City lebenden Heiden zu setzen. Unähnlich sind sie aber darin ihren großen Vorbildern, den mißtrauischen, eifersüchtigen Muselmannen, daß sie keine Eunuchen von fürchterlichem Aussehen als Wächter der Heilig­keit ihrer Wohnungen und der kostbaren Schätze darin an- ! stellen. Ich denke aber, Viele von ihnen ersparen sich diese ' Masse von Zweifel, Angst und Sorgen durch die einfache I Philosophie, daß, wo die Versuchung gering ist, auch Ver- ! gehen und Verbrechen verhältnißmäßig gering sind.

Der Hanptstvlz und Trost, bei dem Mangel an sonstigen I Privilegien, scheint für diese Frauen in der Ehre zu liegen, i deren sie sich auch im höchsten Maßstabe erfreuen, Mutter : einer unendlichen Menge von Heiltgeukmdern oderGöttern" I zu werden, wie sie sich selbst und ihre Nachkommenschaft be- j titeln. Die Zahl der Kinder im Thale geht ins Unglaubliche, i Fast jedes Frauenzimmer, das das Alter der Mannbarkeit er- ' reicht hat, trägt eine dieser kindlichen Verantwortlichkeiten mit sich umher, und man kann sich daraus eine Idee von der raschen Vermehrung der Bevölkerung machen, deren Salt Lake fähig ist. Diese Gölterkinder werden kurz nach der Ge-