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ein englisches sei,Favorite" heiße und von Königsberg mit Weizen komme; der Kapitän sei Daniel Fell gewesen. Die Mannschaft wirft sich ihm zu Füßen und fleht, er möge sie auf sein Schiff hinüber nehmen. Brandt gewährt die Bitte, nimmt zwei Mann und einen kleinen Jungen von 12 Jahren sofort in seinem Boot mit hinüber auf dieElfriede", und laßt dann die andern 5 Mann aus 7 Männern und dem Knaben bestand die Besatzung nachholen. Kaum be­fanden sich die Fremdlinge am Bord derElfriede", als der angebliche Steuermann sich zum Schiffscapitân Brandt wen­dete und äußerte:Es sei noch ein bedeutender Vorrath von Lebensmitteln auf der verlassenen Brigantine vorhanden, und wäre es gut, denselben noch herüber zu holen, was der vermehrten Mannschaft des Schiffes zu statten kommen werde." »<^Die Bemerkung halte viel Ueberzeugendes, und da die Frem­den ihre Mattigkeit vorschützen, läßt Brandt seine vier Ma­trosen und den Koch ins Boot steigen und ermahnt sie zur schnellen Rückkehr. Brandt steht nun mit seinem Bruder, dem Steuermann, und den beiden Knaben unter den Fremd­lingen. Es beschleicht ihn kein Argwohn; sie scheinen unbe­waffnet, sprechen englisch, und Engländer und Preußen sind eben verbunden für die große Sache der Freiheit, was sollte er fürchten?

Die Fremden haben Essen gefordert, es ist, ihnen gebracht, sie verzehren es mit Heißhunger auf dem Vorderverdeck. Brandt und sein Bruder stehen aus dem Hinterdeck und schauen hin­über nach dem verlassenen Schiffe, aus welchem ihre Leute im Begriff sind, Lebensmittel ins Boot zu schaffen. Die beiden Knaben stehen neben Brandt. Plötzlich erhebt sich ein Lärm auf dem Vorderdeck. Die sieben geretteten Fremdlinge stürzen, jeder mit einer Pistole bewaffnet, auf ihre Retter zu, nnd diese umgebend, die Waffe gegen sie richtend, rufen sie ihnen zu:Wir sind keine Engländer, wir sind französische Kaper, euer Schiff ist unsre Prise, ihr seid des Todes, wenn ihr euch widersetzt!" Dabei ergreift man die beiden Brüder Brandt, stößt sie in die Kajüte hinab und wirft die Thür hinter ihnen inS Schloß.

Nun gehl ihnen das Entsetzliche ihrer Lage auf. Keine Hülfe auf dem weiten Meere. Ueber sich auf dem Verdeck hören sie die Seeräuber in halb französtscher, halb hollän­discher Muttkart über ihnen wohlgelungenen Verrath jubeln. Sie erwogen, was nun zu thun. Aust einer Seite stilles Dulden, Verlust des Schiffes, Abführung nach Frankreich, Gefangenschaft, aber doch Rettung des Lebens und Hoffnung auf künftige Erlösung; auf der anderen: Gegenwehr, Er­haltung anvertrauter Güter, heldeumüthig erkämpfte Freiheit, Ehre, unp im schlimmsten Falle ein rühmlicher Tod. Sie waren Preußen und wählten das Letztere. Zwei gegen sieben, «ber das Bewußtsein der gute Sache stärkte sie. Die Feinde

waren gut bewaffnet, sie aber auch, denn die fünf Donner­büchsen, die Pistolen und der Säbel waren in der Kajüte versteckt, von den Korsaren nicht bemerkt. Capital« Brandt spricht:Bruder, wir wollen es mit den Hallunken auf- nehmen!" Der Steuermann antwortet:Bruder, ich bin dabei!" Ein einfacher Plan wird schnell entworfen. Capitain Brandt liegt auf seinem Bette und ladet die Gewehre mit starken Portionen von Kugeln. Der Steuermann lauschte an der Thüre, wenn sich die Seeräuber nähern, war öfter ge­schieht. Dann versteckt Brandt die Gewehre schnell unter das Bett. Unterdeß ist das Boot mit den zur Brigg ge­schickten Matrosen zurückgekehrt. Wie es sich dem Schiff nähert, rufen die Piraten den Matrosen zu, sich nicht zu nähern, weil man sie sonst nicdcrschießen würde. ES waren fünf feige Kerle, die das Herz in den sHosen hatten. Sie lassen sich einschüchtern, ihren Capitain im Stich und rudern nach dem verlassenen Fahrzeug zurück. (Schluß folgt.)

Lur Cagesgeschichte

Dor wenigen Tagen berichtet vie A. musicalische Ztg. wurde in einer feierlichen Sitzung der Akademie in Paris daS vielbewegte Leben deS großen Chemikers Orfila erzähl, der bekanntlich auch ein vorzüglicher Musiker und ausgezeichneter Sänger war. Orfila wurde 1787 auf der Insel Mahon geboren und der erste Unterricht den er empfing, war der in der Musik. Drei Jahre aber prügelte ihn sein Lehrer, ein Geistlicher, und Orfila lernte gar nichts als die Musik hassen. Namentlich war es ihm nicht möglich, den Tact zu begreifen. Da nahm endlich ein Arzt den Knaben vor und sagte:Ich will Dir in einer Viertelstunde das begreiflich machen, was Du in drei Jahren nicht hast begreifen können." Der Arzt nahm dann einen Stab, zerschnitt ihn in zwei gleiche Theile und jede derselben wieder in zwei.Siehst Du, das ist Vierteitact. Diese vier gleich langen Holzstäbchen sind die vier Viertel. Wie sie, an­einandergelegt, den ganzen Stock ausmachen, so machen die vier Viertel den ganzen Tact-aus." Dieser so einfache und hand­greifliche Vergleich war endlich ein Lichtstrahl für den jungen Orfila, und von diesem Augenblicke an erkannte er Alles, alle Schwierigkeiten schwanden, seine Liebe zur Musik erwachte von neuem und er machte die reißendsten Fortschritte. Jedenfalls würde er ein großer Componist geworden fein, wenn ihm nicht eine Reisebeschreibung in die Hände gefallen wäre. Die Lecture der­selben entzündete feine Phantasie in solchem Maße, daß er den Eltern davonlief und als Schiffsjunge auf einen Kauffahrer ging mit dem er nach Aegypten, Italien u. s. w. fuhr. Das Schiff kam indeß nach Mahon zurück und der Vater nahm den jun­gen unruhigen Kopf von neuem unter Zucht. Ein Deutscher, der sich zufällig auf der Insel befand, unterrichtete ihn in der Mathematik und später entwickelte sich seine Liebe zur Chemie, in der er so großes leisten sollte. Einmal aber wäre er beinahe wieder zur Musik zurückgekehrt. Er hörte zum ersten Male in seinem Leben in Barcelona eine italienische Oper, Paeslello'» Müllerin", und seine Singwuth erwachte Uttbenvinalich in ihm.