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Der Wanderer.

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Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgemeinen Zeitung.

Är. 292

Molltag den 12. Veeember

fS&3.

Margreth von SiegenheNn.

Nach baperischen Chroniken von Franz Trautmann.

(Fortsetzung.)

4.

Etliche Wochen später war Herzog Christoph's Wort ein­getroffen. Im Einen war der Himmel gnädig gewesen, und im Anderen war cr's auch.

Ritter Parcival von Pnchberg war gerettet.

Die Edika aber und der Hartlieb waren gekommen und hatten der Margreth in treu liebevollster Pflege geholfen. Drauf zogen sie von dannen, voll Dankes für Herzog Christoph, der war ihnen allen Freund geworden.

Glückselig an ParcivaD Seite lebte fortan die Margreth von Sicgenhcim. Ihr Wort löste sie treu und heilig, und zu Morgens und Abends nahm sie Herzog Christoph in ihr Gebet auf und flehte um Frieden.

Doch wie sonderbar! Es ward ihr oft gar weh um's Herz. Die Kunde wollte nicht kommen, daß sich die Brüder ganz versöhnt hätten. War's dieß oder was sonst, daß sie oft in tiefes Sinnen versank? Sie wußte nicht zu deuten.

So lebte sie dahin.

Am Würmsee aber, im alten Kirchhofe zu Starnberg, da schlummern Alle, die im Kampf, oben, unweit des Schlöß- leins, gefallen waren. Der Reisige, so in des Epser's Kahn in der Nacht dahintrieb, der auch.

Gott geb' ihnen und Jedem sonst mildes Gericht. Dem Wolf Epscr von Stain nach ewigem Rathschluß nicht minder. Des Epser's Leiche kam nimmer zu Tag.

Die Fischer aber wandelte cs grausig an, und es ging lange Zeit viel böse Sage von Ritter und Knecht, die da gerüstet in den liefen Wassern begraben. Gar mancher, so er im Abendschatten dahinfuhr, wollte an zwo verschiedenen Orten zwei glimmende Gestalten gesehen haben, die über dem See schwebten und winkten. Da wußte Jeder, was das be­deute. Aber Keiner unternahin's und vermocht' es, hinabzu' tauchen und die Leichen an den Tag zu bringen.

Also war's und blieb's.

Und wenn Einer, unfern der^ Insel im Würmsee, über die Stelle fährt, im rechten Stand der Sonne und schaut hinunter da steht er was blinken im tiefen Abgrunde der Wasser.

Das ist Wolf Epser von Stain in seiner Wehr'.

Engels Tod.

Die Liebe ist wie ein Rosenstock, Dem Einen blüht er wohl und setzt stets neue Knospen an. Dem Anderen Mlß- glückt's. Oder wenn sich etwas zeigt heute roth mor» gen tobt

Hast du ein trautes Weib, o schau' nicht weg von ihr, und laß sie deinen Himmel sein all in jeder Zeit. Wer weiß, wie bald du allein bist! Drum thu', was du ihr an den Augen absiehst.

Dran ließ cs Parcival von Pnchberg nicht fehlen.

Aber die Margrcth war doch nimmer, wie dazumal. So schön und anmuthig wohl noch, aber blaß und blasser ward sie von Mond zu Mond.

Und da sie Ritter Parcival einmal fragte:Was fehlt dir, süßes Weib?" Da lächelte sie und sagte:Nächst kömmt der Lenz da wird mir besser werden."

Das sagte sie so eigen, daß es den Ritter ganz wehmü­thig stimmte.

Im Schloßgarten stand ein Kreuz.

Davor betete die Margreth oft, kam stets mild heiter zu­rück, und was die Welt der reinsten Liebe in sich schließt, all das sah Parcival in ihren schönen Augen. Da schloß er sie gern in seine Arme und sagte etwan :Mein theueres Weib, ich lieb dich, wie am ersten Tag, und an eine Andere ist nie ein Gedanke in mir aufgesticgcn. Bist du pur auch im Her­zen wie allzuerst ergeben?"

Ueber and innig sah sie ihn an und sagte: Fragst du mich das wieder. Ganz aus vollem Herzen lieb' ich dich!"

Einst betete sie wieder beim Kreuz.

Als sie sich erhob, stand Ritter Parcival unfern von ihr.