Der Wanderer.
Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgemeinen Zeitung.
»r. 290 £vcitan den 9. December /«»».
Margret!) von Siegenheim.
Nach bayerischen Chroniken von Franz Trautmann.
(Fortsetzung.)
Bald darauf dröhnte vom Sträßlein herauf Hufschlag, und Parcival von Puchberg mit der Margreth von Siegen- Heim nahte. Die dachten im nächsten Schlößlein zu über- nachten, da, wo nun Possenheim steht.
Glückseligen Herzens ritt die Jungfrau zur Seite des Geliebten einher, und sprachen Beide in kosenden Worten von langer Sehnsucht Qual und nun frohfreudiger Zukunft. Drauf schwiegen sie oft wieder, sah'» sich einander an und war's, als ob nur Jedes spräche: Weil du nur mein geworden.
Mit einemmal fuhr Parcival von Puchberg auf, hielt sein Roß an, griff dem weißen Zelter, drauf Margreth saß, Üi die Zügel und sagte, sein Schwert ziehend: „Halt ein, was seh' ich da blinken im Wald — ?!"
Er hatte das Wort nicht von den Lippen, so sprengten ihrer Dreißig auf des Parcival Reisige zu.
Die Anderen aber, Wolf Epser von Stain an der Spitze, drangen auf Ritter und Fräulein ein, und höhnte der freche Wegelagerer: „Kennst mich, du Schelm? Die frische Freund- schaff zahl' ich dir! Die zwo Schlößlein werden mein, und die Margreth auch dazu!"
„Ha! du Schurke bist's?" rief Parcival von Puchberg. „Das sollst du mit dem Leben büßen!" Und gewaltig schlug er auf den Wolf ein. Der aber schwenkte um und gab Parcival einen Stoß mit dem Schwert, daß er für sterbend vom Roß stürzte.
Wild lachte der Andere und herrschte die Knechte an:
„Der da ist versorgt! Hebt die Maid vom Zelter, Euerer Zwei, und harrt am Waldsaume, bis ich wiederkehr'! Dort gilt's den Weg zu fegen — he da, Ihr Anderen, wir nach!"
Dawit sprengte er fort. Hinter ihm drein stürmten acht Knechte.
Da wälzte sich der Kampf herauf. Schon an ein Dutz
end von Parcival'S Reisigen waren von den Rossen gestochen, unbändig und racheglühend wehrten sich die Ucbrigen. Aber vergebens war aller Muth. Einer um den Andern stürzte vom Roß oder brach mit ihm darnieder.
So rang und tobt' es bis zum Hinterhalte zurück.
Da war noch ein Einziger, der braune Gilg, am Leben; dem war das Roß schon erstochen, nun focht er zu Fuß in Verzweiflung und rief ein über das anderemal: „Ihr Schur« ken habt meinen Herrn erschlagen — helf Gott der Jungfrau — das schreit um Rache gen Himmel:"
Zuletzt war er ganz ermattet.
Da sah er Wolf Epser von Stain in seiner Nähe. Seine letzten Kräfte sammelte er und rief: „Sterben muß ich, sterben will ich, aber Ihr sollt mit!" Und wollte auf ihn stechen. Da traf ihn ein Lanzenstoß in den Leib, daß er, taumelnd, das Schwert fallen^ließ. Wolf Epser von Stain aber gab ihm höhnend noch einen Streich über die Stirn, daß sie weit klaffte. Also stürzte der braune Gilg zu Boden und verhauchte seine muthige Seele in kürzester Frist.
Wie das geschah, erhoben die Anderen unbändiges Sie- gesgeschrei.
Wolf Epser von Stain aber bot mit gewalttger Stimme ab und herrschte drauf: „Fort ins Fahrzeug mit der Dirn' da, ich und Zwo von Euch! Ihr Anderen rasch pfadabwârts und um den See herum, halb Weg's treffen wir uns — was Wetter, hör' ich, da kommt was gesprengt! Jst's etwan der Herzog, verrennt ihm den Pfad und haut ihn zu Fetzen, wann er mir nach will!" Dann gleich seitab und fort mit der Margreth, die Knechte aber in einem Ruck zu drei Reihen im halben Bogen aneinander und erwarteten, was da komme.
Es war wohl der Herzog Christoph, und vier Genossen hatte er hinter sich. Die Fünfe brausten daher, hatten des Epser's Worte gar gut vernommen und vernahmen nun den Klageruf der unglückseligen Maid, wie sie durch Gebüsch und Gestrüpp geschleppt warb. Also wären sie gerne nach, konnten aber nicht, denn da standen viel' Speere entgegen, der Schwerter gab's auch genug, und schrie Alles durcheinander: