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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgemeinen Zeitung.

Kr. 288 Mittwoch den 7. December im

Margret!) von Siegenheim.

Nach bayerischen Chroniken von Franz Trautmann. *)

1.

Eines Tages kam es Herzog Christoph zu Sinn, gen Landshut zu reiten.

War demnach bald auf dem Weg dahin und gar guter Dinge, denn er dachte nicht von ferne daran, was seinem Herzen in kurzer Zeit bevorstehe.

Als er nun zu Landshut und auf der Burg Trausnitz anlangte, freute sich der alte Vetter Ludwig von Niederbayern gar sehr, ihn zu sehen, verbrachten Beide ein Stündlein in frohem Gespräch', zuletzt aber kam der Ludwig auf Christoph's Streit und Späne mit seinem Bruder Albertus und ge­dachte, Frieden zu stiften. Denn davon war er ein großer Freund.

Darauf ließ sich aber Herzog Christoph nicht ein und sagte:Da es voreinst zum Schiedssprüche kam, habt -Ihr gegen mich gesprochen. Das hab' ich Euch sicher vergeben, denn ich ließ Euch Richter sein. Nun ist die Angelegenheit wieder anders geworden, und thut mir der Albertus Alles zum Trotz, bin ich auch bei der Hand!"

*) Der gcschichtskundige und humorrcichc Verfasser desEppelein von Gailingen", Franz Trautmann in München, hat nunmehrdie Abenteuer des Herzogs Christoph von Bayern, genannt der Kämpfer" als ein höchst anziehendes unv lebensvolles Volksbuch bearbeitet,darin gar viel Frohes, Düsteres und Wundersames aus längstvergangenen Zeiten zum Vorschein kommt, von frühesten Jahren des Helden an, bis derselbe in das heilige Land pilgerte, und bei seiner Heimkehr auf der Insel Nhodus selig verstarb." Die Momente dieses Helden- lcbens nach geschichtlichen Aufzeichnungen und Sagen dargestellt, bil­den eine Reihe einzelner Geschichten, welche Leben, Denkweise und Sitte des 15. Jahrhunderts in Bayern treu abspiegeln und sich zu einem belehrenden und unterhaltenden Ganzen zusammenreihen. Das zweibändige Buch erscheint soeben in Sauerländers Verlag in Frank» furt. Wir wählen aus dem reichhaltigen Werke als eine Probe das XIV. (selbstständige) Capitel von der schönen Margreth von Eigen­heim, und das anschließende XVII. Dieselben sind auch mit des Ver­fassers uud Verlegers Genehmigung in derMuse" erschienen.

Sagte Herzog Ludwig:Mit Euch Beiden ist nichts anzufangen. Ihr treibt Euch selbst, und Euern Bruder treibt der Graf Abensberg da wird mein' Lebzcit keine Ruh' im Lande."

Muß auch nicht so bald sein! Laßt den Abensberger nur hetzen und drängen!" gab Herzog Christoph zurück. Wär's mir nit um's Recht zu thun, mit der Gewalt allein hätt's fürwahr gute Wege. Denn wollt' ich kreinfegen mit dem Schwert, wie ich's vermag, ich könnt' Alle zu Fetzen hauen, so viel Ihrer gen mich anrückkn. Und itzt von was Anderm, Herr Vetter!"

Ist mir auch recht!" entgegnete Der, langsam über die grauen Scheitel streifend und von der Angelegenheit nicht gerne ablasse^d. Sprachen nun Beide von Dem und Jenem, bis die Rede auf die Ehe fiel, und der Better Ludwig fragte, wie eS mit Christoph's Herzen stehe.

$M die Frage erwiederte Herzog Christoph:So schön, duldsam, lebensfrisch und fromm zugleich, wie ich mir's denke, find' ich keine Jungfrau. So mag ich wohl der Frauen Hort und Schirm genannt sein und zu jeder Zeit beweisen, was Tugend, Sitte und Schönheit Preises werth sei ich selber doch bleib' ein freier Mann auf Erden."

Da lachte der alte Ludwig urkräftig und sprach:Wenn dem so ist, habt Ihr viel Sorge und Kümmerniß vom Her­zen, aber auch wenig Freud' und Seligkeit! Verschwört cs nicht, denn ch' sich's Einer versteht, ist all trotziger Sinn ge- wandt!"

Meinte Herzog Christopb, bei ihm treffe das nimmer zu, und wär' der Vetter Ludwig so festen Sinns gewesen, wie er, hätt' ihn sicher nie ein Weib gewonnen.

Ueber diese Worte lachte Herzog Ludwig unbändig und rief:So glaubt Ihr? Ei, ich war nit minder entschlossen, denn Ihr, nnd vermeinte, für mich müss' doch was Sonder­liches erblühen. Denn all' die Huld schien mir zu gering, so Gott über die Jungfrau's hie aus Erden ausgegossen. Mit einemmal war all' mein Stolz und Hochmuth gebrochen."

Und wie traf, das zu?" fragte Herzog Christoph.

Das will ich Euch wohl verkünden!" war die Antwort.