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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgemeinen Zeitung.

Xr. 27L

Montag den 21. November

Der Sohn des Paria

Ein S i t t e n g e m â l d e a u S Ostindien.

(Schluß.) ;

Ich habe alle meine Sünden abgelöst," fiel ihm Lanto rasch in's Wort;der Tadi» hat in meinem Auftrag die hei­ligsten Wallfahrten unternommen und seine Gebete haben mich meiner Vergehen entlastet. Sei daher ohne Furcht und denke nur darauf, wie Du Dir mein Vermögen zu Nutz machst! Diese Nacht ist eine besonders glückliche für mich, denn ich habe Dich wieder gefunden und unsere Beute kann mein Vermögen verdoppeln!"

Mit nichte»!" rief Dollar rasch und gebieterisch;Du wirst auf Dein Vorhaben verzichten!"

Ich? keineswegs! Ich sollte einen Fremden, einen Kuh- fleischfresser*) verschonen, wenn ich gegen die wahren Glänbü gen unbarmherzig war? Nein, das darfst Du nicht von mir verlangen!"

Aber ich beschwöre Dich!" rief Dollar flehend.

Schweig'", herrschte ihm Lanto zu, der an ein Fenster getreten war und nun einen eigenthümlichen Schrei ausstieß, welcher von draußen beantwortet wurde.

Sie sind da! sie erwarten nur das Zeichen zum Angriff!" rief Dollar ganz außer sich.Aber nehmt Euch in Acht; Du weißt nun, daß der Doctor gewarnt ist...."

Er wird zu spät kommen!"

Ihr werdet verfolgt werden!" rief Dollar.

Wir haben die Mittel zu entfliehen!" versetzte Lanto.

Man wird euch wieder erkennen!"

Bah, meine Laskaren lassen keine lebende Seele mehr hinter sich; das ist ein Gesetz, dem ich selber mich unterwer­fen muß; darum halte Dich hart an mich, denn hier sind meine Leute!"

Ha, sie müssen erst die Thüren sprengen!", sagte Dollar schadenfroh.

*) Schimpfnamen, den die Hindu's den Europäern geben.

is&a.

Nicht doch, das brauchen sie auch noch nicht; sieh' nur dorthin!"

Dollar streckte den Kopf aus dem Fenster und sah eine hohe Flainmensäule aus den unteren Gebäuden des Sommer* sitzes aufsteigen. Natürlich entfuhr ihm dabei ein Schrei des Entsetzens.

Das Feuer ist unser bester Freund!" sagte Lanto gelas­sen.Es bricht uns überall Bahn!" Dann beugte er sich aus dem Fenster und rief:Hieher, Zungen!" kommt über die Gallerte! geschwind, geschwind!" Plötzlich tauchten vor Tollar's Blicken etwa zwölf bis an die Zähn« bewaffnete Bursche, die an den Säulen der Gallerie herausgeklettert wa­ren, aus der Nacht auf. Der Gedanke an Eva fuhr ihm wie ein Blitz durch den Kopf, denn in jenen Richtung lagen ihre Gemächer. Er sprang nach der Thüre, eilte rasch durch die ihm wohlbekannten Gänge und gelangte nach dem Zimmer seiner jungen Gebieterin, die er ohnmächtig unter den Händen ihrer Frauen antraf.

Jede längere Zögerung konnte ihr das Leben kosten. Da­her stieß er die Dienerinnen unsanft bei Seite, hob Miß Dumfries auf seine Arme und stürzte nach einer andern Gal- lerie, welche derjenigen gegenüberlag, wo die Räuber eingr- stiegen waren. Als er jedoch an das Ende derselben gelangte, brannte die Treppe nach dem Garten schon lichterloh und ihre Flammensäule versperrte ihm den Weg. Er wollte eben wieder umkehren, als das Geschrei der Laskaren ihm verkün­dete, daß er verfolgt werde, und er sich nach einem dritten Ausgang umsehen mußte, von wo er von Neuem durch die Feuersbrunst zurückgetrieben wurde. Das Sommerhaus des Doctors, beinahe ganz von Holz erbaut, brannte an allen vier Enden lichterloh. So durch das Feuer und die plün­dernden Laskaren eingeschlossen, eilte er kopflos von Korridor zu Korridor und sah jeden Augenblick den Raum enger wer­den, welchen er durchlaufen konnte. Endlich wollte er sich aber einen Weg durch die Flammen hindurchbahuen, freilich fast ohne Aussicht auf Rettung, als lautes Geschrei und Schießen sich draußen von der Seite des Flusies her verneh­men ließ. Eine Truppe von Bewaffneten griff so eben den