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Belletristisches Beiblatt zur vtaffauischen Allgemeinen Zeitung.

fr. 273.

Samstag den 19. November

18M.

Der Sohn des Paria.

Ein Sittengemâlde auS Ostindien.

(Fortsetzung.)

Tollar wußte vor Schreck und Enttäuschung nicht, was er nun beginnen solle, als glücklicherweise zwei Pions nach Hause kamen. Diesen erzählte er in Eile, was vorgefalle» war und theilte ihnen sein eigenes Vorhaben mit; dann begaben sich alle drei in daö Empfangszimmer, wo Lanto sich befand, be­wältigten und knebelten ihn und einer der Pions warf sich sogleich zu Pferde, um in die nächste Stadt zu reiten und den Doctor zu benachrichtigen, während der Andere auf die Terasse hinausging, um Schildwache zu stehen und Tollar sei­nen Gefangenen mit gezücktem Dolche bewachte.

7.

Die Nacht war nun eingebrochen, eine jener schönen Hei­tern Nächte Indiens, wo die Sterne mild vom Himmel schei­nen und der linde Abendwind balsamische Wohlgerüche ver­breitete. Die Barke der Räuber war noch immer an derselben Stelle; kein Geräusch erhob sich in der Gegend und das ganze Gut mit seinen Gärten und Sommerhäusern lag im tiefsten Frieden da.

Der so unversehens überfallene und gebundene Lanto hatte anfänglich gegen die ihm widerfahrene Behandlung protestiren wollen, allein einige Aeußerungen Tollar's hatten ihm bemerk­lich gemacht, daß sein Vorhaben entdeckt war, und er schwieg hartnäckig, bis er sich mit dem jungen Manne allein sah. Dann kehrte er sich mit wildem Blicke nach diesem um und rief:Du hältst Dich für gerettet, Junge, allein juble nicht zu frühe, daß Du den einen Tiger in der Schlinge hast, denn die andere» sind nicht ferne!"

Ich weiß es, versetzte Tollar, darum habe ich auch so­gleich nach Verstärkung ausgesandt und wir werden auch nun bald im Stande sein, die Räuber in ihrer eigenen Höhle an- zugreifen!"

Ihr werdet nicht mehr Zeit dazu haben!" rief Lanto , hohnlachend;Dein Gebieter kann erst um Mitternacht hier 1

eintreffen, aber meine Laskaren werden in wenig Augenblicken dieses Haus hier überfallen und wenn es eist in unserer Ge­walt ist...."

Noch habt ihr es aber nicht!" rief Tollar;ihr sollt nicht hereinkommen!" r

Das werden wir sogleich sehen," rief Lanto,und dann wehe Dir, der Du mich verrathen hast!"

Tollar zuckte die Achseln und versetzte:Du möchtest mich einschüchtern, aber denke lieber an Deine eigene Lage, Lanto! denn was auch da kommen mag, so bist Du in meiner Hand als Geißel und Schutzwache. Wenn Deine Spießgesellen hie- her vorzudringen wagen sollten, so werden sie Dich nicht mehr lebend vorfindcn!"

Lanto schaute ganz betroffen den jungen Mann an und bemerkte in dessen Zügen eine Festigkeit, die ihn überraschte. Er schwieg eine ziemliche Weile, dann fragte er:und auf welche Belohnung hoffst Du für diese Treue gegen Deinen Gebieter?"

Ich erwarte von ihm nichts als seine» Dank," versetzte Tollar.

Wohlan denn, so laß mich frei und ich mache Dich reich!" rief Lanto.Zerschneide meine Bande, fliehe mit mir und die Hälfte der Beute gehört Dir allein!"

Tollar lächelte verächtlich.Versichere Dich erst, daß Du die Beute hast, bevor Du sie theilst!" sagte er.

Willst Du mehr haben?" fragte Lanto.

Schweige!" rief Tollar, welcher seit einer Weite gelauscht hatte und nun an das Fenster trat.

Du weigerst Dich also? Du willst mich meinen Feinden überliefern?" knirschte Lanto voll Wuth.Ha, wenn ich nicht überrascht worden wäre, wenn ich eine Waffe hätte, wenn ich mich losreißen könnte...." Plötzlich schwieg er. Sein Wäch­ter hatte sich über den Balkon der Gallerte hinausgebeugt und horchte hinans; plötzlich aber regte sich etwas hinter ihm, er blickte sich um und bemerkte, daß der Räuber eine seiner Hände loszumachen gewußt hatte.

Tollar stürzte sich auf ihn, um ihn zurückzuhalten, und ein erbitterter Kampf entspann sich. Lanto hatte den jungen Mann