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Diener die Wache hatten. In den Papieren, die man gefun­den hat und die von dem Leibdichter und Narren des Kardi­nals, BoiS Robert, herrühren, befindet sich ein Namensverzeich- viß und eine Charakterstik der vierzehn Lieblingskatzen, die bei dem Tode des Kardinals vorhanden waren und denen er sämmt­lich in seinem Testamente Pensionen in verschiedenem Betrag, je nachdem sie in Gunst bei ihm gestanden, ausgesetzt hatte. An zwei dieser Katzen, Racan und Perrücke, knüpft sich eine komische Geschichte. Racan, er Akademiker, war der zerllreu- teste Mensch in Europa und liebte die Katzen ebenfalls. Eines TageS hatte eine Alte zwei Junge in des Herrn Perrücke zur Welt gebracht. Racan wurde plötzlich zu dem Kardinal beschie- den und setzte seine Perrücke mit den beiden jungen Katzen da­rin auf, ohne von denselben etwas zu bemerken. Kaum befand er sich bei Richelieu, so wurden die Kätzchen unruhig, und Racan griff häufig nach seinem Kopfe.Was haben sie nur?» fragte endlich der Kardinal ärgerlich;was juckt Sie am Kopfe?" Nacan hatte außer vielen andern nicht eben liebens­würdigen Eigenschaften auch die, daß er das R nicht ausspre- chen konnte, und er entschuldigte sich gegen den »Kardinal.» Ihre Perücke sitzt aber auch ganz schief», fuhr Richelieu fort. Meine Pellücke! Es ist wähl", und er suchte die lebendige Perrücke in Ordnung zu bringen, aber dabei fielen die beiden jungen Katzen heraus. Ganz gegen seine Gewohnheit vermochte Richelieu solcher Zerstreutheit gegenüber seinen Ernst nicht zu behaupten; er lachte laut auf und behielt die Katzen, welche die Namen Nacan und Perücke bekamen. Ein oder zwei Mal jede Woche machte sich der große Kardinal eine ganz besondere Unterhaltung mit seinen Lieblingen, indem er Ratten bringen und sie von seinen Katzen, eine von jeder, jagen und bekämpfen ließ. Diese Jagd interesfirte ihn oft mehr als die großen euro­päischen Staatsangelegenheiten.

** Aus Paris wird von einem curiosen Processe berichtet. Der Redacteur derLeipziger Musikzeitung", Graf Tyskiewicz, kommt in Paris an; er sicht in der großen Oper Weber's Freischütz" angekündigt, und eilt dahin, seine Lieblingsoper zu hören. Doch was er hört, scheint ihn wenig zu befriedigen. DaS Werk ist verstümmelt; die Aufführung ist eine schlechte, ihm erscheint das Ganze als eine Profanation. Er begibt sich zum Direktor und von da zum Polizei-Commissär, und verlangt entweder eine vollständige und unverstümmelte Aufführung der angekündigten Oper oder die Rückerstattung seines Eintrittsgel­des. Da man auf keines dieser beiden Verlangen eingehen will, so fordert er, daß man seine Klage zu Protocoll nehme und entfernt sich wüthend. Am anderen Morgen richtet er ein Schrei­ben an alle Journale von Paris, das aber wegen seiner allzu­großen Lebhaftigkeit von keinem abgedruckt wurde, und wählt sich sodann einen Advocaten, um in allem Ernste einen Proceß gegen die Direction der großen Oper einzuleiten. Graf Tys kiewicz verlangt als Schadenersatz »eine vollständige Aufführung des Freischütz."

** Das Modell des Münchener Jndustriepalastes ist seit län­gerer Zeit fertig und genehmigt; die Zeichnung der Detailpläne wird dieser Tage vollendet sein, und man wird alsdann auch bald an den Bau selbst gehen. Der große Jndustriepalast in Htzdepark wird dem Unternehmen in architectonischer Beziehung zvm Muster dienen. Folgende Zahlen geben ein Bild von den Dimensionen deS zu errichtenden Gebäudes. Die Länge beträgt

780 (bayerische) Fuß; die Breite im Mittelbau (Transept) 300 Fuß, in den beiden Seitenflügeln 160 Fuß; die Höhe für die untere Abtheilung der Seitenschiffe auf jeder Seite 34 Fuß für die obere Abtheilung der Seitenschiffe 64 Fuß, für den Mittelbau 84 Fuß. Ein ähnlicher Jndustriepalast hat auf dem Festlande noch nichts eristirt. Auch die innere Ausstattung wird eine wahrhaft glänzende sein; so werden z. B. 4 Springbrun­nen innerhalb des AusftellungSgebäudcs angebracht werden.

** R o g e r der berühmte Tenor nennt in einem Briefe an BerliozDeutschland" seinschönes Sommer-Vater­land."Verwundert denke ich an diesen warmen Empfang, den man mir in Deutschland bereitere, an jene künstlerische Herzlich­keit, von der in unserm schönen Vaterlande leider so wenig mehr zu finden ist. Was mich aber am meisten gewundert hat, ist, daß ich mich habe Deutsch singen hören, und daß man mich besser verstanden hat, als man die heimischen Künstler versteht."

** Als Beleg zu der gegenwärtig i n Wien herrschenden Theuerung für Lebensmittel dürfte folgende Marktpreistabelle die­nen: 3 Stück Kartoffeln 1 kr., 10 Zwetschen 1 kr., 1 Birne 1 kr. , 2 Aepfel 1 kr., ein Ei 1 % kr., Schweinenfett, 30 kr. das Pfund u. s. iv.

** Dem Bamberger Tagblatt zufolge ist der Dieb, welcher am 18. d. im Wartsaale des dortigen Bahnhofes einen Reise­sack mit einer Summe Geldes von 4235 fl. entwendete, am 22. d. in Nürnberg durch einen Polizeirottmeister verhaftet und nach München abgeliefert worden, wo bereits seit längerer Zeit eine Untersuchung gegen ibn anhängig sein soll.

** In der durch den Bau der Local-Dampfschiffe rühmlichst bekannten Maschinen Fabrik der Gebrüder Elsner zu Coblenz geht nunmehr auch ein kleines Schleppdampfboot seiner baldigen Vollendung entgegen, das auf 45 Pferdekraft berechnet und zum Schleppdienst aus der Lippe bestimmt ist.

* Louis Napoleon hat den französischen Gesandten am Hofe von Neapel, Herrn v. Maupas, abberufen. Englische Blätter bringen die unter den jetzigen Verhältnissen äußerst wichtige Nach­richt, daß in der am 24. d. abgehaltenen geheimen Sitzung des Ministerrathes die weitere Vertagung des Parlamentes bis zum 29. November angeordnet wurde.

Nach dem Pariser Börsenbericht vom 26. ist die 4% yct Rente um 10 Centimes gefallen, die 3pct. um 25 Centimes ge­stiegen.

Der russische Geschäftsträger in Rom , Hr. v. Boutenieff, soll seine Pässe gefordert haben. Einem vom Czaren in Polen ernannten Bischof soll die päpstliche Bestätigung verweigert worden sein.

Die Oesterr. Korrespondenz berichtet aus Konstantinopel vom 17. Oct. : Die Antwort des General Gortschakoff bildete den Gegenstand mehrerer Psortenconseils. Neue Truppen wer­den nach Varna abgcschickl. Der bekannte General P r i m scheint ein Commando in der türkischen Armee erhalten zu ha­ben. Die Pfortenregierung hat die Getreideausfuhr aus Con­stantinopel untersagt. Der berüchtigte Räuber Uanni Katergi in Smyrna ist verhaftet worden.

Omer Pascha verlangt einstweilen die Räumung der Wa­lachei. Er hat sich in Bukarest auf den 1. Nov. angekündigt.

Veranwortlicher Redacteur: Dr. Ä. Bosjeh.

Druck und Erpedition von Wi lhelm Friedrich Wiesbaden.