so hungere ich. Bis zum Verhungern aber hat es der liebe Gott, wie Sic sehen, noch nicht kommen lassen. (Schluß folgt.)
Lur Sagesgeschichte.
** (Schutzzoll und frisches Fleisch.) Während die Schutzzöllner trauern über das Decret, durch welches die Einfuhrsteuer auf Schlachtvieh und gesalzenes Fleisch so bedeu- tenb herabgesetzt wird, schmeicheln sich die Freihändler schon mit der Hoffnung eines unzweifelhaften Triumphes ihres Systems, und einer ihrer Vorkämpfer, Blanqni (vom „Institut"), nennt jene Maßregel, vorausgesetzt sie würde zu einer definitiven, mit Emphase den größten Act der französischen Regierung. Man findet in dem Briefe, den er aus Chateau de Grandmot an die „Presse" gerichtet hat, folgende interessante Stelle: „Ich bewohne, fünfzehn Meilen von Paris zwischen Chartres und Etampes, der Eisenbahn von Orleans und der von Chartres und in dem reichsten Theile der Vcauce, ein kleines Dorf von 1200 Einwohnern, welches nicht 20 Minuten von einem großen Flecken von 2000 Einwohnern, dem Hauptorte des Cantons, mit einem Wochenmarkt u. s. w., entfernt und mit welchem eS durch einen sehr schönen Weg verbunden ist. In dem Flecken giebt es zwei Metzger, welche so wenig Fleisch verkaufen, daß man sich kinschreiben muß, um von Zeit zu Zeit welches zu haben, damit sie wissen — sagen sie — daß sie nicht unnütz schlachten. Seitdem ich hier bin, habe ich immer Sorge getragen, mich für meinen kleinen Haushalt einschreiben zu lassen. Aber es scheint, als ob dem Metzger, wahrscheinlich weil nicht alle Kunden ihre Einschreibungen für Verbindlichkeiten hallen, dennoch Fleisch übrig bleibt, weil er verdorbenes Fleisch geschickt hat, das ich ihm zurückschickte, als unwürdig Ler Hyänen im Jardin des Plantes. Nichtsdestoweniger kostet dieses Fleisch 00 Centimes das Pfund, und der Metzger, erstaunt über meine Weigerungen, antwortet nochmal, es genüge, das was „vert“ ist abzuschneiden und den Rest in Essig zu legen. Dies, mein Herr, ereignet sich fünfzehn Meilen von Paris, mitten in Ler Bcauce, und es hat hier auch die Folge gehabt, daß ich es seit der Eröffnung der Jagd ökonomischer finde, von Rebhühnern , Wachteln und Hasen zu leben, als von Ochsen- und Kälberfleisch. Das ist die Lage, welche der frühere Tarif dem Volke bereitet hat. Der Tarif wurde sorgfältig beibehalten durch die Herren Präsidenten und die einflußreichen Personen Ler Februar-Revolution, welche unter der republikanischen Uniform ihre Privilegien vertheidigen und ob der schutzzöllnerischen Reben des Hrn. Thiers sich vor Freude nicht zu lassen wußten. Ja, mein Herr, das französische Volk ist nach und nach dahin gekommen, kein Fleisch mehr zn essen" u. s. w.
** Die „Kölner Zeitung" berichtet: Beim Abtragen einer Wiese an dem Puddlingswerke zu Oberwiehl (Kreis Gummersbach) fand ein Arbeiter einen Topf mit drei goldenen und etwa 600 silbernen Münzen verschiedener Sorte. Dieselben sind ohne Jahreszahl und wahrscheinlich 600 Jahre alt. Das sehr gut erhaltene Gepräge zeigt die Bilder und Namen von Philippus Franchorum rex, Walram Archiepisc. Colon., Johannes primus Boemiae rex etc. , sowie die Namen der Städte Bonn, Deutz (Tyicia?) , Tours re. — Gleichzeitig bringt Las Berliner „C.-B." folgende Nachricht: ES wird von einem für die Münzkunde und die Geschichte Les deutschen Mittelalters, beson
ders für die Geschichte der niederdeutschen Lande sehr wichtigen Funde berichtet, auf den ein Zufall bei Rheina in der Provinz Westphalen kürzlich geführt hat. Es wurden von Arbeitern 2 thönerne Henkelkrüge mit mehr als 2000 kleinen Silbermünzen in einem Acker vergraben gefunden, welche jetzt durch die Forschungen des als Alterthumskcnncr bekannten Rechtsanwalts Weddige zu Burgsteinfurt als Münzen constatirt sind, die einer durch die Numismatik fast noch gar nicht erhellten Periode der deutschen Geschichte angehören. Sie stammen sämmtlich auS der Zeit zwischen dem elften und fünfzehnten Jahrhundert, auS den Regie- rungszeiken Kaiser Heinrichs IV., Friedrich's II., Ruoolph'S von Habsburg u. Ludwig's IV. Es befinden sich ferner darunter in großer Zahl Münzen der Bischöfe von Utrecht, Osnabrück und Münster, außerdem eine Menge althollänvischer und flämischer und Münzen der kleineren niederdeutschen Dynasten jener Länder, die jetzt mit der Krone Preußen'« vereinigt find, der älteren Grafen von Cleve, von Jülich, von der Mark, Ravensberg rc.
** Der M. Z. wird aus Hamburg geschrieben: Vor Kurzem melbete die New-Uorker Handelszeitung Folgendes: „Auf dem Hamburger Schipe George Canning, Capitän Jacobs soll während der letzten Reise die Kost so schlecht gewesen sein, daß mehrere Passagiere, durch den Genuß derselben unterwegs starben. Ein Kinb wurde noch am Tage ber Ankunft des Schiffes durch den Tod ereilt, und die Untersuchung der Todren ergab ebenfalls, daß der Tod durch den Genuß schlechter Lebensmittel herbeigesührt worden. Der Fall liegt jetzt einer strengen gerichtlichen Untersuchung vor. Gleichzeitig wurden übrigens von glaubwürdigen Personen, welche früher mit den Schiffen Miles und Herschel gefahren find, deren Capitän ebenfalls Jacobs war, Klagen über dessen Behandlung der Passagiere laut. Ueber den Herschel sagt ein alter schwedischer Steuermann und hiesiger Bürger, der vierzig Jahre auf Schiffen all.r Nationen gefahren ist, aus, er habe noch auf keinem Schiffe solche miserable Kost/ noch einen so brutalen Capitän angetroffen. Die neuesten Berichte der deutschen Gesellschaft in Ncw-Aork bestätigen diese Mittheilungen." Der George Canning, sagt der Korrespondent, ist unter den Schiffen, welche die Hamburgische Flagge führen, eines der bedeutendsten; cs faßt 750 Tonnen und wurde am 4. Juni hier von Knorr unv Holtermann mit 318 Passagieren erpedirt. ES gehört Herrn Sloman.
* Nach einer telegraphischen Depesche ist Se. Majestät der König von Preußen am 2. Octobcr Abends halb sechs Uhr in Begleitung zweier Flügeladjutanten uach Warschau abgereist. -
Dem Moniteur vom 2. October zufolge werden die Decrete in Betreff der Aufhebung deS Eingangszolles auf Getreide bis zum 31. Juli 1854 in Kraft bleiben. — Die Ausfuhr von Kartoffeln und getrockneten Gemüsen ist verboten worden.
Der österreichische Gesandte in Turin, Graf Apponyi, hat am 29. September seine seit lange angekündigte Urlaubs« reise angetreten.
In Neapel ist die zollfreie Getreide- und Mehleinfuhr bis Ende Mai verlängert worden. Die Eisenbahnarbeiten in der Richtung von Brindisi haben begonnen. Von Reggio nach Messina wird ein unterseeischer Telegraph gelegt.
LeranworMcher Redacteur: Dr. Soczek
Druck und Expedition von Wi lyelm Friedrich Wiesbaden.