Der Wanderer.
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Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgemeinen Zeitung.
Xr. 228.
Mittwoch den 28. September
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Schernmot.
Erzählung von der Küste Malabnr. Aus dem Französischen des Th. Pavin.
(Fortsetzung.)
Indessen hatte Scherumal — denn er war's, der mit seinem Elephanten Subala um den Garten strich — einen Schatten unter den Bäumen hinschleichen sehen. Das Thier selbst hatte in dem Augenblick, als der Nakodah das Gehege überschritt, seine breiten Ohren gespitzt. Der Mahnt wurde dadurch unruhig und eilte im Trab bis zur Wohnung der jungen Indianerin und fing an, Mallika zu rufen.
„Wer ist da ? wer ruft Mallika ? antwortete der alte Gärtner.
„Ist Euere Tochter bei Euch^tM,Vater? sagte chrer- bictig der Mahnt.
„Nein, mein Sohn," entgegnete sanft der Greiö; „sic wird irgendwo im Garten sein und Obst pflücken....
Indem er hierauf mit Unruhe bedachte, daß seine Tochter immer in dieser Stunde zu Hause war, fing er an mit aufgeregter Stimme zu rufen : Mallika! Mallika!
„Nichts antwortet," sagte der Mahnt; „Ihr seht wohl, ' daß sie nicht da ist; o! mein Vater, wenn ihr ein Unglück begegnet wäre!..."
Diese Worte trafen den Greisen wie ein Schlag; er sank zusammen und wiederholte schluchzend den Namen seiner geliebten Tochter. Scherumal suchte ihn zu trösten; ohne zu berechnen, welchen Weg er nahm, begab er sich in gerader Linie zum Ufer des Kanals, wo er den ganzen Tag mit seinem Elephanten arbeitete. Das Boot des Arabers gleitete still auf dem Wasser dahin, indem es durch die Palmbäume gedeckt war. Sobald Scherumal eS kommen hörte, neigte er sich vorwärts; cs war ihm unmöglich, Mallika unter dem Schleier, der sie bedeute, zu erkennen oder auch nur zu entdecken. Von immer steigender Angst bewältigt, folgte er mit seinem Blicke dem geheimnisvollen Boot und den Bewegungen deö gcschcidten ThiercS, das ihn trug.
Jetzt spitzte Subala die Ohren wieder und Scherumal ries das Bvot an: ' "
Mallika, bist Du's? Antworte im Namen Deines Vaters!"
Mallika antwortete nicht; aber die Bewegung, die sie I unter ihrem Schleier machte, um sich den Blicken des Mahut i zu 'entziehen, entging seiner Aufmerksamkeit nicht. Schnell
lenkte er seinen Elephanten mitten in den Kanal; das Wasser, welches unter den Tritten des schweren Thieres auf- spritzte, füllte das Boot an und wenig hätte gefehlt, daß eS umfchlug. Die Matrosen ruderten mit so kräftigen Schlägen, daß das Boot wie ein Pfeil dahin flog. In Verzweiflung darüber, daß er seine Beute verfehlt hatte, ging Scherumat wieder auf den Platz zurück, um die Araber beim Einfahren in's Meer abzuwarte». Der Uebergang aus dem Kanal in das Meer ist durch das Entgcgeirdrängen der Wogen und TTë- öü der Mündung sich befindliche Bank gefährlich und schwierig. Gerade als eine schäumende Welle sich in ihrer ganzen Höhe erhob, stieß Mallika aus Schrecken einen Schrei aus. Die Ruderer ließen, auf ihre Ruderstangen herabgebückt, der Welle Zeit, sich wieder zu verlieren und ruderten dann weiter; der Schaum lief von beiden Seiten des Bootes ab, die schwere Stelle war passirt. Jetzt aber stürzte sich Schernmal mit seinem Elephanten mitten in die Wellen, Das Thier, bis an die Brust im Wasser stehend, legte seine« Rüssel wie einen Enterhaken hinten aus das Boot.
„Halt, oder ich bohr' Euch in Grund," schrie der Mahut;
„halte gut, SubalaI."
Der Elephat ließ nicht nach; Uusuff war in rascher Bewegung aufgcstandeu und bedrohte mit seinem Säbel de« Rüssel deö Thieres.
„Nimm Mallika, rette sie, mein guter Subala," sagte Scherumal mit Feuer; rette sie und versenke die Räuber I"
Subala verstand die Worte seines Herrn; seine breite Pfote zermalmte das zerbrechliche Boot wie eine Nußschaale, während sein beweglicher Rüssel sanft den zitternden Leib der Mallika umschlang; er hob sie in die Höhe und übergab diese kostbare Siegestrophäe den Armen des Mahnt; dann zog er sich rückwärts zurück an'S User, ohne sich um die Matrosen und den Nakodah zu bekümmern, welche sich mitten im