spielern auf der Bühne gemeldet. „Wir langten" — so lautet unter Anderem die Erzählung — „auf der Bühne kurz vor dem Schlüsse des Singspiels : „„DaS Geheimniß"" an. Unzelmann spielte den Bedienten Thomas. Wir theilten ihm die erhaltenen Siegesbotschaften mit. Er ergreift den dreieckigen Bedientenhut und tritt auf die Bühne hinaus, obgleich seine Scene nicht an der Reihe war. Die Schauspielerin , welche die Hof äthiu gibt, sieht ihn befremdet an, worauf der Komiker im Tone seiner Rolle folgendes Eriempore anbringt: „„Ich wollte der Frau Hosräthin und den Herrschaften da unten (auf das Publicum zeigend) nur melden, daß wir heute keine französische Einquartierung mehr bekommen."" — Wir schalten hier ein, daß Uh« zelmann's frappante Ähnlichkeit mit dem früher in Berlin com- mandirenden französischen General Augereau allbekannt war. Diese in demselben Augenblicke benutzend, stülpt er seinen ^dreieckigen Hut in der schiefen Richtung auf den Kopf, wie ihn die französischen Generale zu tragen pflegten, und Augereau copirend, fügte er der obigen Nachricht hinzu: „„Wir gegeben uns rückwärts nach Trebbin!"" Dabei macht er Kehrt, und es bricht im Publicum nur ein Freudenhalloh aus, daß die alten Coulissen zittern. Die Vorstellung war aus; denn Alles stürmte zum Hause hinaus. Auf den nachtdunkeln Straßen ein Gedränges wie in geschäftlicher Tagesstunde. Man brachte Verwundete und Gefangene fortwährend zur Stadt. Wagen aller Art, bis zu den elegantesten Chaisen hinauf, bepackt mir Lebensmitteln , Decken, Mänteln und allem, was nur den ermüdeten, hungrigen Kriegern zu Gute kommen konnte, rollten zum Thore hinauâ, dem Schlachtfelve zu. Wir, denen Wagen und Pferde nicht zu Gebote standen, thaten an den Verwundeten hier im Orte, was in unseren Kräften stand. Vom Zubette- gehen war natürlich nicht die Rede."
** Professor Gervinus soll, wie einige Blätter melden, an einer Lebensgeschichte des großen Doctors der Musik Joseph Haydn, arbeiten. Der Berliner Zuschauer zweifelt ob Ger- vinus der Mann ist, den Tondichter der „Schöpfung" in seiner ganzen Seelentiefe zu begreifen. Er erinnert an folgende Anekdote. In einer Gesellschaft, wo nebst Haydn noch mehrere namhafte Tonkünstler gegenwärtig waren, wurde die Frage aufgeworfen; was wohl die innere Kraft, wenn sie in der anhaltenden Arbeit ermattet und sonst unterlegen sei, am schnellsten und besten wieder beleben und starken könne? Einer von den anwesenden Tonkünstlern sagte: in solchem Falle helfe er sich mit einer Flasche Champagner. Ein anderer äußerte: er suche sich, wenn er sich abgespannt vom Arbeiten fühle, wieder auf» znmuntern in der Gesellschaft. Endlich fragten sie auch Haydn: welches Stärkungsmittels denn er sich bei seinen vielen Arbeiten bediene. Er antwortete bescheiden : „er habe in seiner Wohnung eine kleine Haus-Capelle, dahin gehe er still, wenn er sich ermattet fühle. Und dieses Mittel habe seine stärkende Wirkung bei ihm noch niemals verfehlt."
** Die Nachricht von dem angeblich in Ischl erfolgten Tode deS hannover'schen Hofschauspielers Herrn Karl Devrient ist durchaus irrthümlich. Herr Karl Devrient verweilt gesund unv wohl an seinem Engagementsorte.
** Nach der Triester Zeitung ist der kühne Schiffer, der wie gemeldet ward, von Venedig bis nach Triest auf zwei in der Mitte festgebundenen Brettern aufrecht stehend und sich blos mit
einer Stange weiter bewegend, die Fahrt ganz allein zurückle- gen wollte, glücklich in Triest angekommen
* Die Note des Moniteur über die in Constantinopel erfolgte Annahme deS Wiener Projectes hat keinen günstigen Eindruck auf die Pariser Börse gemacht. Die Räumung der Tonaufüisten- thümcr ist es, welche die Handelswelt jetzt beschäftigt und worüber der Moniteur schweigt. Nach einem Schreiben der »Patrie» a. Ja ssy vom 12 treffen die Russen bereits Vorbereitungen zum Abmarsch. Der commandirende General soll den Behörden in der Moldau angezeigt haben, daß er bei seinem freiwilligen Ab- Zug die Kranken und Genesenden mit einigen Offizieren zurück- j lassen werde. — Nach Briefen desselben Blattes aus Malta I wird die Rückkehr der englischen Flotte aus der Vesicabai in ' den ersten Tagen des September erwartet. Gleichzeitig dürfte auch die französische Flotte nach Toulon absegeln.
Aus Bulgarien hört man daß Omer Pascha beinahe täglich Couriere nach Constantinopel sendet und zur Entscheidung drängt, da er sich über Winter mit der großen Heeresmacht nicht halten könnte. Jetzt lschon beginnt die feuchte und kalte Witterung, der die lagernden Truppen ausgesetzt sind. Nack einer oberflächlichen Berechnung sind in den drei Monaten Mai, Juni und Juli mindestens 60,000 Ctr. Frucht und Waaren in den Sulinamündungen zu Grunde gegangen. Besonders verging im Juli fast kein Tag, an dem nicht ein Schiff gescheitert und einen Theil seiner Fracht verloren hätte.
Der k. k. österreichische Generalconsul in Smyrna, Herr von Weckbecker hat den Leopoldsorden erhalten. Zwei andere Beamte des dortigen Consulates sind befördert und nach Constantinopel versetzt worden; ein Zeichen , daß das Benehmen.-ter österreichischen Cousulatsbeamten in der Koßta-Augelegenheit die volle Billigung der Regierung hat. .Uebrigcns gewinnt diese Angelegenheit dadurch an Wichtigkeit, daß Präsident Pierce das Benehmen des amerikanischen Capitäns gutgeheißen hat, was alle europäischen Mächte, vielleicht mit Ausnahme Englands veranlassen dürfte gemeinschaftlich gegen eine solche Auffassung der Lehren des Völkerrecktes aufzutrctcn. — Im Bundcsrath soll um eine Lösung der Differenzen mit Oesterreich herbeizuführen der Vorschlag gemacht sein, Piemont zur Ausnahme der vertriebenen Regularen zu bestimmen.
Die Getreide-Ernte ist in Griechenland weit schlechter als mittelmäßig ausgefallen, und nächste Folge davon ist der Bedarf russischen Waizens. Das Gesetz über die Erniedrigung des Einfuhrzolles und das gänzliche Verbot der Ausfuhr war demnach eine gebieterische Nothwendigkeit.
Nachrichten aus Modena vom 24. August zu Folge schloß die herzogliche Regierung Lieferungscontracte für namhafte Gelreivevorräthe ab, um die Konsumenten mit wohlfeilen Brodstoffen zu versorgen. In Genua, wo ein Getreidekrawall stattfand, blieb die Ruhe ungestört. Ein neuer Weiberkrawall in Port orta ward rasch beendigt.
Im Haag wird die Königin Mutter am 15. Septbr. von ihrer Reise zurückerwartet. — Das Auswandererschiff „Charles Clarke", das mit 100 Auswanderern vonHolyhead nach Que- beck ging, ist gescheidert. Die Passagiere und die Mannschaft wurden bis auf fünf Personen gerettet.
Beranwortlicher Redacteur: Dr. Kl. BasjehT"
Druck und Erpedition von Wilhelm Friedrich in Wiesbaden.