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rischen Effronterie. Belvedere unweit Weimar bietet den Schau­platz zur Action dar. Karl Arthur läßt sein Stück in der Nacht vor Goethc'è Abreise nach Italien spielen. Eine etwas weit gehende licenlia poetica, indem Goethe nicht von Weimar sondern von Karlsbad aus nach Italien abgcreist ist und zwar ganz heimlich und nur unter Mitwissen seines fürstlichen Freun­des. Ein Absatz für dieses Buch läßt sich wohl nur dann hoffen, wenn der Verfasser eS gratis vertheilt unv zwar unter dem zweckmäßigen Modus: wer sich zehn Eremplare schenken läßt, erhält das elfte bezahlt.

** Philipp Fire'SAnnihilator^, welcher jetzt in die Hände einer Gesellschaft übergegangen ist, die daS Patent an sich ge- kauft hat, legte am 3. August einige merkwürdige Proben ab. Eine Grube, 50 Fuß lang und ebenso breit wurde mit 250 Gallonen Theer , mit Abfall von Zimmerholz und Terpentin gefüllt und angezündet. Die Flamme schlug sogleich lichterloh empor. Der Operateur ließ nur die Röhre eines kleinen eiser­nen Gefäßes, das er in der Hand hielt, spielen, und in weni­gen Secunden war keine Spur mehr von Feuer zu sehen. Mit einem zu dem Ende errichteten 25 Fuß hohen Hause ging cs ebenso. Bei einem Mahle, das nachher die Gesellschaft gab und wobei einer der Directoren derselben, Herr Vanstttart Reale, prafidirte, gab dieser Aufklärungen über das System, nach wel­chem der Feuervernichter eingerichtet ist. Wasser sei zum Löschen unzureichend, denn man müsse die Luft ausschließen, was die Dunstwolke, eine Combination von kohlensaurem Gas und Dampf, die der Apparat ausströme, verrichte, indem die Absorp­tion der äußern Luft durch die Flammen verhindert und somit daS Lebenselement des Brandes vernichtet werde. Demnächst soll auch mit einem Schiffe auf freier See ein Versuch gemacht werden.

Aus Venedig, 22. August, wird geschrieben: Ein zu den hiesigen Lion'S gerechneter junger Mann , Namens <5***, Neffe der Baronin W***, der durch tollkühne Streiche, wie durch Reiten neben dem eilenden Eisenbahnzuge, durch S/hwim- men mit einem offenen Regenschirme in der einen Hand von hier bis Mestre, und durch seine. Hereuleische Kraft sich auszu- zeichnen strebt, ging die Wette ein, von hier bis nach Trieft auf zwei 4 Fuß langen, 1 Fuß breiten, 4 Zoll dicken, mit ei­ner Spange in der Mitte festgebundenen Brettern aufrecht ste­hend, und sich bloß mit einer Stange weiter bewegend, die Fahrt ganz allein zurückzulegen. Verflossenen Freitag früh zeigte er sich vor der Piazzetta auf diesem von ihm erfundenen Fahr-

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. worauf man nur durch anhaltendes Gleichgewicht des Münd^ aufrecht zu erhalten im Stande ist. Kaum hatte tT " . . tt ve«g des Lido verlassen , als eine Meereswoge ihn ^ben hier dergl."lor aber nicht den Muth, zog seine Scala (so darauf eine klewpielzcuge) an's Ufer, reparirte dieselbe und ^ ?strengte« Kräften ne hölzerne Kiste mit Lebensmitteln. Mit , au und nach, vertraute er sich dann dem Meere noch b^ nran ihn vom M 6 Stunden fortgesetzter Armenbewegung W ^schwand er u^rcusthurme ans unweit von Caorle; so- Nachricht über depserm Blicke und bis heute hat man noch Der Vater der èn Ausgang dieses gewagten Unternehmens. ^ spielt den Kaiserbraut, Herzog Mar, ist ein reicher Er selbst dick Mäcen der Künstler, Dichter und Gclehr- ^" ^bcater-Piecchtet und componirt. Von ihm werden meh- ." auf dem königlichen Hof-Theater alljährlich

mit großem Beifalle aufgeführt, da sie meist Scenen aus d baierischen Hochlandsleben vorführen. Herzog Mar ist ein l denschaftlicher Jäger und der Abgott der HochlandS-Schütz deren Vorstand er ist. Dort wandert er im Sommer von Ha zu Haus, von Hütte zu Hütte und von Alme zu Alme, u dem biederen Fürsten ohne allen Prunk und von altdeutsâ Gemüthlichkeit finden sich die Gebirgssöhne sv nahe gerückt, d sie ihn ihren Vater Mar nennen. Am 9. September wird in Tegernsee das Fest der silbernen Hochzeit begehen.

** Zu Paris erstickte sich neulich eine zwanzigjährige Fr durch Kohlendampf, weil ihr Mann sein Versprechen fie a eine benachbarte Kirnieß zu führen, aus Vergeßlichkeit nicht c halten hatte.

** Sechs Seeungeheuer in Citta nuova bei Triest wurdi dieser Tage gefangen. In einem der darüber erstatteten Berich i wird die Länge auf sechs und mehr, der Umfang auf 4 Klo ter und darüber angegeben. Sie gehörten zur Gattung d Wallfische, und zwar zu jener Species, welche unter dem 91 men gemeiner Pottwal (Physleter inacrocephalus Cachelo bekannt ist.

** Ein Pilgerzug nach dem gelobten Lande, aus 4 Personen bestehend, hat sich in Marseille eingeschtfft ui wird Anfangs November wieder heimkehren.

** Die Wittwe des berühmten Dichters E s a i a s Segnet i 68 Jahre alt, in der Nähe von Hesstngborg gestorben.

* Nach derA. A, Z." ist auf der Berliner Zollconferee von süddeutscher Seite der Antrag gestellt worden, die Fraf wegen Ermäßigung des Uebergangszolls für Wein noch eintm in Erwägung zu ziehen, etwa in dem Sinne: ob, wenn nid eine Ermäßigung wie die zuerst beantragte, so doch eine klein« erzielt werden könne? Von preußischer Seite soll man hierar eingegangen sein, und die Sache wird nochmals zur Berathun kommen.

Dem Vernehmen nach hat LouiS Napoleon beschlossen, da die Kaiserkrönung am 2. December mit allem möglichen Pomp statlfinben soll. Wie verlautet, wird die Kaiserin ihren Ge mahl auf seiner Reise durch die nördlichen Departements be gleiten. In Paris macht eine anonym Flugschrift:Belgie: und die österreichische Heirath" durch ihre gereizte Sprache unl dadurch Aufsehen, daß derConstitutionnel" ihrem Lobe sün Spalten widmet.

Aus Venedig wird vom 24. d. auf telegraphischem Wegi über entschiedenen Rückgang der Getreidepreise berichtet.

Die zweite Kammer im Haag hat in der Sitzung vom 25 d. das Cultusgesetz mit 41 gegen 27 Stimmen (das ursprüng­liche Stimmenverhältniß) angenommen.

Der Kaiser von Oesterreich wird sich am 14. k. Mts. von Ischl aus in das Lager bei Olmütz begeben.

In Californien sind jetzt sieben Deutsch« Staaten durch Consuln vertreten: Oesterreich, Preußen, Hannover, Meck­lenburg-Schwerin, Oldenburg, Hamburg und Bremen.

In der Assiseuverhaudlung gegen Valentin Jckstadt und Consorten wurden sämmtliche Angeklagte von den Geschwor­nen des Meineides resp, der Verleitung zum Meineid schul­dig befunden. ___________________________________________ ,

Beranwortlicher Redacteur : 0r. Ji. Vorzeit«

Druck und Expedition von Wilhelm Friedrich la Wiesbaden.