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Der Wanderer.

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Belletristisches Beiblatt zur Maffauèschen Allgemeinen Zeitung.

Xr. 192 Mittwoch den 17. August ^«s»

Erfüllte Münschc.

Eine Erzählung.

(Fortsetzung.)

Eberhard entging cs nicht, daß Gaston heute mit ver­drießlichem Gesicht bei ihm eintrat. Er ahnte die Ursache. Nun, Gaston, was bringst-du mir Neues?" sagte er, mit gewinnender Freundlichkeit ihm die Hand cntgegenstreckend. Meine Mutter will, ich soll fort von hier, eine Universität beziehen und deßhalb Ihren Rath einholen, wohin ich zuerst gehen soll." Der kluge Eberhard errieth alles, aber er fragte scheinbar verwundert:Aber, mein lieber Junge, warum verkündigst du mir das nicht mit einem Jubelgeschrei? Ich bin bei diesem Wendepunct meines Lebens allen Be- wohncrn des Schlosses vor Freude um den Hals gefallen." Ich freue mich nicht, mir thut es im Gegentheile leid, das Schloß zu verlassen," sagte Gaston kurz.Natürlich um deiner Mutter willen. Sie ist so kränklich, deiner Pflege so sehr bedürftig, wenn du gehst, ganz und gar verlassen." O, das nicht. Marie wird sie nichts vermissen lasten." Ja, ja, Marie mag wohl ein gutes Mädchen sein." Sie ist vielmehr als das! Sie ist ganz vortrefflich, die Güte, die Sanftmuth, die Bescheidenheit - '"Und die Schönheit selbst!" fiel der ältere Graf lächelnd ein.

Gaston wurde dunkelroth, aber er beherrschte sich doch noch ziemlich und setzte gemessen hinzu:Ja sie ist schön und so wohl erzogen wie die ersten jungen Damen des Landes; meine Mutter hat sie ganz wie eine Tochter gehalten und aufwachsen lasten."Ich weiß, ich weiß! Hast du wirklich gar keine Ahnung von ihrer Herkunft?"Nein, aber es kommt mir zuweilen vor, als wisse meine Mutter und selbst die alte Georgine etwas darüber, obgleich, wenn man fragt, beide hartnäckig leugnen."Was sagte denn Georgine?"Sie läßt hie und da Winke fallen, und ein­mal, als wir über den seltsamen Zufall sprachen, daß Marie mit mir an einem und demselben Tage geboren sei, sagte sie: Marie ist auch von vornehmer Geburt, und alles wird sich noch ausklären."Wenn das geschieht, kannst du ja Ma­

rien heirathen."Ich bitte Sie, bester Oheim, wer denkt daran!"Nun, ich sage nur so."Wenn es einmal so weit kommen sollte, so seien Sie fest überzeugt, daß Marie dann nicht nöthig hat, mir erst ihre vornehme Geburt zu be­weisen." Und mit großem Pathos setzte er hinzu:Ihr Charakter, ihre Erziehung und ihre Schönheit stellen sie jeder Fürstin gleich."

Eberhard lachte.Das sind Dinge, die man mit sieb­zehn Jahren denkt und ausspricht, mit fiebenundzwanzig noch ausspricht, aber schon nicht mehr denkt, und mit siebenund- dreißig weder denkt noch ausspricht."

Aber wie kann ein so kluger Mann wie Sie den Zufall der Geburt so hoch anschlagen!"Gerade weil ich ein kluger Mann bin, mein Kind, und weiß, welchen Werth die Welt auf solcheZufälle" legt."Aber Sie selbst für Ihre eigene Person verachten doch diese aristokratischen Thor­heiten ?"

Eberhard antwortete nicht gleich, weil cr durch eine ehr­liche Antwort seinen Neffen, an dessen Anhänglichkeit ihm viel lag, nicht verletzen wollte, und als Gaston gespannt zu ihm aufblickte, half er sich, indem er anstatt einer Antwort eine Frage aussprach; er sagte freundlich:Gib mir erst dein Glaubensbekenntniß in dieser Sache, das meinige soll folgen." Werden Sie mich auch nicht auslachen? und vor allem nicht verrathen, selbst meiner Mutter nicht?" Eberhard reichte ihm die Hand.Du kannst auf mich zählen, mein Junge und auslachen? dazu habe ich dich viel zu lieb." Nun wohl, Sie find der erste, dem ich mein volles Herz öffnc Sie sollen den Fluch, das Unglück seines jungen Le­bens kennen lernen!"Das Unglück deines Lebens? du erschreckst mich!"

Gaston ging ein paar Augenblicke in heftiger Erregung mit verschränkten Armen im Zimmer auf und ab, dann blieb er vor Eberhard stehen und begann in leidenschaftlichem Tone:Seitdem ich denken und fühlen kann, ist mir das Leben bequem gemacht worden, jede Anstrengung entfernt, ja jedes peinliche Gefühl aus dem Wege geräumt. Nichts, gar nichts als Zuvorkommen, Lob und Entzücken habe ich von