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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgemeinen Zeitung.

Kr. 183 Samstag den 6. August /sm.

Die geheimnißvollen Aeiter.

Historisch.

(Fortsetzung.)

Der Wirth war nur Gehorsam. Die Wirthin deckte den Tisch, trug ein einfaches Abendessen auf, wünschte den Rei^ senden guten Appetit und eilte auf Geheiß ihres Mannes wieder hinaus, um ihren Gästen eine Schlafstelle herzurichten. Inzwischen, da die Reiter wacker und ganz menschlich zuspra- chen und das schwarze Brod sich munden ließen, faßte der Wirth Muth und getraute sich mit einer Art von ihn selbst belehrender Unterhaltung hervor.

Die Herren kommen gewiß weit her? sagte er.

Sehr weit! entgegnete der Aeltere.

Wie weit wol? forschte der Wirth in seinem und sämmt­licher Zuhörer Namen.

Es mögen etwa dritthalbhundert Meilen sein, die wir zu- rückgele^t haben, sagte der Jüngere gelassen, indem er einen tüchtigen Hieb mit seinem Riesenmesser gegen das dampfende Fleisch führte.

Ein allgemeines, maßloses Erstaunen. Dritthalbhundert Meilen! Der Schulmeister sollte als Mann der Wissenschaft Erklärung einer so fabelhaften Entfernung geben. Alle Blicke schoflen sogleich auf ihu und er flüsterte: St! Stille! Afrika!

Afrika! ging cs von Mund zu Mund.

Wollen die Herren in Dannenberg bleiben? fuhr der Wirth fort. Da man seine Speisen, halte er mehr Muth als die Andern.

Nein! war die barsche Antwort.

Wohin soll die Reise denn gehen?

Ueber die Elbe.

Vielleicht nach Mecklenburg?

Nach Pommern.

Vor - oder Hinterpommern ?

Vorpommern, wenn Er's durchaus wissen will!

Afrika also und Vorpommern! Diese beiden Gegensätze standen fest. Der Schulmeister zeichnete stumm mit der Hand : die Landkarte. '

Was für ein Geschäft haben die Herren wol? fing wie­der der Wirth an. Es war ja sein Schwarzbrod, das man schnitt.

Wir reisen! erwiderte der Aeltere.

Es sind Reisende, sagte der Schulmeister; diese Thatsache war unwiderleglich. Es fehlte nur noch der Uebergang: Zu welchen Zwecken?

Dann werden die Herren gewiß Kaufleute sein? warf der Wirth hin.

Nein!

Angestellte?

Nein!

Lieber Mann, wenn Er sich aufs Rathen verlegt, fiel der Jüngere lachend ein, da könnten wir uns lange gegenüber­sitzen! Ich will Ihm und Seinen Gästen sagen, womit ich mich seither beschäftigt habe obgleich Er es vielleicht nicht recht begreifen wird.

Aha, jetzt kommt's! raunte der Schulmeister seinem Nach­bar zu. Sagt' ich's nicht, daß Fragen immer hilft?

Ich habe niemals ein Amt besessen, bei dem ich hätte fett werden können, war des Jüngern Reiters Erklärung. In ei­nem Alter, wo Andere noch kaum an ein Amt und an Ge­schäfte denken, mußte ich schon die schwersten Arbeiten verrich­ten. Wär' ich schlecht gewesen, so hätt' ich vielleicht Diesem oder Jenem meine Arbeit zuschanzen und mich nachher ent­schuldigen können, daß dieselbe über meine Kräfte gehe ich hab' es nicht gethan. Vom frühen Morgen bis spät in die Nacht hab' ich erst für Andere gesorgt und dann für mich und habe nicht gemurrt, wenn ich wochenlang hungern und dursten, frieren und auf harter Erde schlafen mußte. Meine schönsten Hoffnungen hab' ich eine nach der andern zu nichte werden sehen das Wenige, was ich gewonnen, hab' ich verloren meine besten Freunde und Genossen sind todt, arm und verlassen; müd' und alt kehr' ich nach meiner Hei- math zurück. Meinem Reisegefährten ist es etwas bester er­gangen am Ende ist auch er nicht viel glücklicher als ich.

Nach diesen friedlichen und fast rührenden Worten, die der Sprecher mehr an seinen Begleiter als an den Wirth