Einzelbild herunterladen
 

Der Wanderer.

----**?$>, »icas«-- Belletristisches Beiblatt zur Nastauischen Allgemeiueu Zeitung.

Xr. ISO, Mittwoch den 3 Augtrk /«S4

Der Schmied von Heuneseld.

Erzählung von L. Rollst ab.

(Fortsetzung.)

Lcngcrfeld legte den Schädel auf den Rasen, bückte sich nach dem zweiten Sarge und hob aus diesem den Schädel heraus.

Ha!" rief er, mächtig erschüttert,sehen Sie hier, Herr Pfarrer! Scheu Sie! Ich hatte Recht! Wenn auch die erste Fran eines natürlichen Todes gestorben ist, das muß die un­glückliche Lisbeth sein!"

Und mit stummem Grausen sahen der Pfarrer und Tod- tengräber den flachen, auffallend kleinen Kopf des Nagels ge­rade in die Mitte des Schädels eingetrieben und als sie die untere Höhlung durchsuchten, fanden sie, daß derselbe über eine Hand breit tief in den Kopf eingedrungen war.

Gräßliche That!" rief der Pfarrer.

Und wie teuflisch schlau ersonnen!" fügte Lengerfeld hinzu. Kaum ein Tröpfchen Blut mag hervorgedrungen sein aus der Wunde! Und das schöne Lockenhaar hat den Knopf des Nagels verborgen. Wer konnte aus den Gedanken kommen, dort nachzuforschen!"

Gott der Herr beschütze uns," sprach der alte Todten­gräber, der am ganzen Leibe zitterte;sind solche Verbrechen möglich?"

Wir drei Zeugen genügen", sprach Lcngcrfeld,selbst wenn der Thäter leugnen sollte. Falls Ihr nur eidlich ver­sichern könnt, Freund Todtengräber, daß der Schädel einer der beiden Frauen angchört hat!"

Das kann ich und werde ich," antwortete der alte Mann.Man wäre ja selbst halb des Verbrechens schuldig, wenn man nicht Zeugniß geben wollte zur Bestrafung solcher Greuelthat."

Und ich denke, er soll auch gestehen! Laßt mich nur machen!" rief der Spielman».Jetzo deckt die Särge wie­der zu; wir haben keinen Augenblick Zeit zu verlieren, sonst wollten wir sie Beide noch genauer untersuchen. Wer weiß, was man noch findet. Und aus den verwitterten Kleidungs­

stücken läßt sich doch vielleicht noch erkennen und erweisen, daß dieser Schädel der armen Lisbeth angehört hat. Also laßt uns sorgfältig die Deckel auflegen, die Kirchhossthür schließen und Euere Frau und der Bube mögen wachen, daß kein Mensch den Kirchhof jetzo betritt!"

So geschah es. Lengerfeld schlug den Schädel sorgfäl­tig in ein Tuch und nahm ihn mit. Dann bestiegen er, der Pfarrer und der Todtengräber den Wagen, der draußen an­gespannt hielt; und sie fuhren eiligst bei sinkender Nacht der Mühle zu.

Hier saßen die Gäste noch lustig beim Mahle. Das Brautpaar aber sah noch so unheimlich aus, wie zuvor. Die Braut sprach wenig und leise, der Bräutigam so gut als gar nicht, trank aber viel und hastig Wein. Den jungen Mäd­chen und Burschen war es schon längst zu lange gewesen mit dem Esten und Trinken und die Füße zuckten ihnen nach dem Tanze. Allein fehlte ja der Spielmann! Da öfpiete sich die Thür und er trat ein, heitere« Angesichts, wie .es schien.Da ist ja unser Spielmann," rief Alles ihm eutK- gen:nun kann's wieder an den Tanz gehen! ^- Wo habt Ihr denn gesteckt? Weßhalb wollt Ihr nicht mit uns schmausen?" So ging das Rufen und Fragen durchem- ander. Doch der Spielmann winkte mit der Hand und g«- bot Stille."

Ich werde Euch schon aufspielen zum Tanz, daß Ihr zufrieden sein sollt," rief er,aber eS ist noch nicht Zeit. Noch bleibt nur sitzen. Meine Geige stimmt noch nicht, wie sie soll. Habt ein wenig Geduld und laßt mich auch erst ein Glas trinken!"

Er setzte sich, ganz am untersten Ende der Tafel; neben sich legte er die Geige und vor sich stellte er etwas auf den Tisch, das in ein Tuch gehüllt roar.- Die Mägde brachten ihm sogleich Teller mit Braten und Kuchen, doch er wieS sie zu­rück und sprach:Ich rühre keinen Bisten an! Aber Wein gebt mir; Trinken ist die Art der Spiellcute, das thun Pe für Zwei! Gebt mir zwei Gläser!"

War es die seltsame Weise des Spielmanns, oder ba^ ! zufällig eben der lustige Lärmen etwas aufhörte, allein Wes