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Der Wanderer.

--«»CT I -

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgemeinen Zeitung.

Xr. 176 Freitag den 29. Juli jss».

Der Schmied von Heunefeld.

Erzählung von 8. Nellstab.

(Fortsetzung.)

Ja es muß wahr sein," erwiederte Velten, ein Schmied ist er, wie noch keiner da gewesen. Aber höre HennigS, weißt Du, was mir schon eingefallen ist?" Er machte ein geheim« uißvolleS Gesicht und sprach Hfe über den Tisch:Er hat ein Pactum mit dem Schwarzen gemacht, der hilft ihm bei der Arbèit!"

Du bist verrückt!" rief HennigS) aber er schien sich zu besinnen, machte ein langes Gesicht und summte:Hm Hm!--Geheuer scheint's mir auch nicht! Aber es sei, wie eS sei, unS geht's nichts an. Zur Hochzeit sind wir geladen, und da wollen wir mitschmansen! Es wird aber Zeit, daß wir nach der Mühle aufbrechen, um mit zur Kirche zu gehen!"

Gott zum Gruß," sprach eine tiefe, männliche Stimme, indem sich die Thur öffnete.Einen Krug Bier, Herr Wirth!" Mit diesen Worten trat ein Fremder ein, den die beiden Bauern mit großen Augen betrachteten. Er mußte Soldat gewesen sein. Sein Kopf war eisgrau; er trug einen grauen Schnurrbart; quer über der Stirne hatte er einen breiten Hieb und über dem rechten Auge ein schwarzes Pflaster, das mit einem gleichen Bande um die Stirn befestigt war. Sein Auge blitzte. Im Knopfloch trug er ein rothes Bändchen. Auf dem Rücken hatte er ein leichtes Ränzel, und an der Seite noch etwas Längliches in einem Futteral von grünem Wachstaffent, das er leicht abnahm, sorgfältig auf den Tisch neben sich legte und dann sein Ränzel abstreifte und es auf die Bank warf.Es ist heiß," sprach er vor sich hin, indem er sich setzte.

Der scheint auch etwas in der Welt herumgekommen," meinte Velten leise zu Hennigs.Er hat sich den Wind um die Nase wehen lassen!"

Wie heißt das Dorf? fragte der Fremde.

Heunefeld!" erwiederte Velten.

Heunefeld!?" wiederholte der Wandersmann, und der

Name schien einen besondern Eindruck auf ihn zu machen. Wie weit ist denn noch von hier nach der Grenze?" fragte er weiter.

Zwei Stunden. Oben auf dem Gebirgskamm läuft sie hin," berichtete Velten, und sah sich den Mann immer auf­merksamer an. Er wußte nicht, weßhalb er die Augen nicht von dem Gesichte lassen konnte. HennigS mußte ihn erst wieder erinnern, daß eS Zeit sei, aufzubrechen.

Der Wirth brachte das bestellte Bier.Das ist eine schöne Geschichte," fing er an,diesmal wird die Hochzeit nicht allzulustig ausfallen. Das Schwarzwasser ist von dem Gewitter so angcschwollen, daß cs die ganze Straße von Oberlingen nach Hasselberg überschwemmt, und die Brücke weggerissen hat. Kein Mensch kann passiren; so können auch die Musikanten nicht eintreffen, die die Müllerin dort bestellt hat. Nun müßt Ihr Eueren Mädeln selbst zum Tanz pfeifen."

Hm! wenn es weiter nichts ist, da könnte ich wohl auS helfen," sprach der Gast und lächelte.In dem Sack da steckt meine Geige! Ich hab' mir manches Stück Geld da­mit verdient, und werd's auch hier nicht ausschlagen, wenn Ihr mich auf der Hochzeit haben wollt."

Das versteht sich," rief der Wirth.Das nehme ich auf mich. Die Müllerin hat so eben heruntergeschickt zu mir, und fragen lassen, was sie machen soll, ob ich ihr nicht Rath geben kann. Das kommt wie gerufen!"

Velten und Hennigs waren aufgestanden.Das hätte ich Euch auch nicht angesehen," begann der erste,daß Ihr ein Spielmann seid. Ich hätte Euch für einen Soldaten genommen!"

Ich bin beides! Und es ist mir beides nicht bet der Wiege gesungen worden!" antwortete der Fremde.Ich habe nicht gedacht, als ich noch ein friedlich Stück Brod, daß ich an die siebzehn Jahre durch die Welt marschiren sollte, nach Italien und Hispanien, nach Ungarn und Polen, und Rußland und Frankreich! Und ich dachte auch nicht, daß ich zerschossen und zerhauen mir ein Stückchen Brod erfiedeln sollte! Aber so fallen die Würfel im menschlichen Leben!