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Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgemeinen Zeitung.

xr, 173 Dienstag den 26. 5ult /s«s.

Der Schmied von Hennefeld.

Erzählung von 8. Rellstab.

(Fortsetzung.)

Die Bauern horchten gespannt auf Veltens Erzählung. Ist er denn zum Tode vernrtheilt; fragte ein alter Bauer.

Das nicht, aber zu lebenslänglichem Zuchthaus," ant­wortete Velten.Weil es ihm nicht hat gradhin bewiesen werden können, daß er der Brandstifter war. Sie nennen das die außerordentliche Strafe!

Menn er aber schuldig ist," erwiederte der Alte,warum strafen sie ihn nicht, wie das Gesetz sagt? Und ist er nicht schuldig, warum geben sie ihn nicht frei? Daraus werde Einer klug!"

Was ist denn das!" erscholl plötzlich der Ruf mehre­rer;da stecken sie ja draußen die Köpfe zusammen und die Weiber laufen herbei?" Durch die Fenster sah man, daß sich ein ZusaMmenlauf auf der Dorfstraße bildete. Mehrere eilten hinaus. Der Menschentrupp wuchs an, man schien um Einen versammelt, der etwas erzählte. Plötzlich wurde schnell die Thür aufgerisseu und ein Bauersmann rief:Mei- ster Bader! Meister Bader!"He, was gibt's denn?" fragte gravitätisch der Bader, der in der Ecke saß, seine lange Pfeife rauchte und eifrig mit dem Schulzen im Damenbrett spielte.

Der Meister Schmied ist von einem Pferde vor die Stirn geschlagen, daß der Schädel entzwei ist. Ihr sollt eilig kommen und zusehen, ob noch Hilfe zu leisten!"

Alles sprang auf.Der Schmied! Meister Günther? Von wessen Pferd? Wo steckt denn der Wolfram, sein Schwiegersohn, der das wildeste Pferd lammfromm zu ina- $en versteht? So schallten die Fragen durch einander, und Alles lief zur Thun hinaus und dem großen Strom von Bauern, Weibern und Kindern nach, die schon das Dorf hinauf nach der Schmiede eilten.

Dort fand sich leider Alles bestätigt. Der alte Meister- Günther lag mit ganz zerschmettertem Schädel in der Stube

auf dem Bett. Sein graues Haar hing blutig auf die Schul­ter herab. Er regte kein Glied mehr. Der Bader schlug ihm zwar noch eine Ader, allein es sprang kein Blut. Die Christel, im sechsten Monat in der Hoffnung, saß leichen­blaß am Bette und hielt des Vaters Hand. Der Schwie­gersohn, Wolfram, stand dabei und erzählte wie es zugegM- gen war.

Der Schulz von Lichtenwalde, der auf Osterbesuch drü­ben in Goldenau gewesen, kam hier vorübergefahren und rief den Meister an: Mein Handgaul hat das linke Hintereiseir verloren, legt ihm ein's auf. Ich fahre derweil einspännig bis zum Lerchenkrug, wo ich noch mit dem Wirth etwas a^- zusprechen habe, von dort schicke ich hinaus und laffe das Pferd holen. Gesagt, gethan. Wir haben das Thier oft beschlagen. Es steht wie ein Schaf im Stall. Der Va­ter bindet cs mit der Halfter an den Pfahl, hebt ihm deir Huf auf und sticht ihn mit dem Raspelcisen etwas ab, der­weil ich hingehe, ein Eisen in's Fener zu legen. Kaum "habe ich den Rücken gewännt, so höre ich einen Schlag, als ob man einen Topf in Scherben schlägt. Jch^sMlM hlnauSI da liegt mein Schwiegervater ans dem Rücken, streckt beide Füße hoch in die Luft, wälzt sich noch einmal und ist maustodt. Als ich zugreife, regt er kein Glied mehr; der Gaul hatte sich losgerissen und lief in's Feld. Was der Vater angefangen hat ich begreif es nicht! Ob er ihm mit dem Eisen weh gethan oder ob eine Hornisse das Thier gestochen und wild gemacht hat wer kann's wissen !*

Die Bauern standen starr wie die Leichensteine und horch­ten auf. Die wilden Augen des Schmied Wolfram rollten unheimlich bei der grauenvollen Erzählung. Es lief Allen ein Schauer über den Rücken. Todlenstill war es, nur die Christel hörte man schluchzen; sie war am Bett nieder- geknieet.

Steh auf Christel" sprach Wolfram,aufwecken kannst du ihn nicht, und Dir könntest du Schaden thun. Du weißt, was ich sagen will!" Sie gehorchte stumm, bleich wie Schnee; zitternd schlich sie hinaus.

Der Bader besichtigte den Schädel. Das ganze Stirn-