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9er Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgemeinen Zeitung.

Br. 152.

Freitag den 1. Juli

/m.

l fiel ihr, gegen mich gewendet, in'S Wort: Was die Mutter i verbricht, mache ich wieder gut ich nehme kaum die Hälfte des bezahlte» Platzes ein.

So war es auch; ich betrachtete etwas befremdet die bei« den so sehr verschiedenartigen Gestalten, die so ungenirt von ! ihren Complexionen sprachen und dabei so gutmüthig lâchel- ten, als hätten sie es mit einem uralten Bekannten zu thun, daß ich in Verlegenheit kam, und erst später das dritte weib­liche Wesen bemerkte, das zusammengedrückt im Winkel neben der Dicken saß, wie ein Veilchen neben einer Tuberose. DaS Veilchen sah mich mit so großen blauen Augen an, als ob es die festeste Ueberzeugung in sich hatte, daß seine Existenz nicht der geringsten Entschuldigung bedürfe. ES hatte vollkom­men Recht mit seiner Ueberzeugung, dieses Veilchen, welches Ottilie hieß.

Ich saß Ottilien gegenüber, und weil sie so schön war, wußte ich armer Studiosus nicht, waS mit meinen Augen und meinen Knieen auzufangem In meiner Verlegenheit suchte ich nach einem Plätzchen, wo ich mein geringes Gepäck unter­bringen konnte; es war Alles schon besetzt, und ich machte mich bereit, es so bequem als möglich auf meinen Knieen rn- hen zu lassen. Kaum war das geschehen, da machte Ottilie eine umneikliche Bewegung und neben meinem Reisesacke be­fand sich noch ein großer Korb voll Victualien, den sie so­eben in der Hand gehalten hatte. Empört über diese Zumu- thung richtete ich mich auf und sah mein vis-a-vis an; aber da begegnete ich einem so liebliche», holden und schelmischen Blicke, daß ich ganz unwillkührlich die Hand ausstreckte und nach dem riesigen Ridicül griff, den sie auf ihrem Schooße hielt, um ihn noch auf das Andere über meinen Knieen auf* zuthürmen.

Aber, Ottilie! rief die dicke Frau.

Aber, Ottilie! wiederholte die Tochter.

Tante? Crescentia? fragte Ottilie mit einem Ton«, alt ob sic der Beiden Vorwurf nicht verstände.

Bitte recht sehr! rief ich begütigend und mich gegen die Tante und ihre Tochter verneigend.

Indessen setzte sich unser gelbes Reisewerkzeug in Dewe-

Vas goldene Haar

AUs H a r t m a n n ' s R c i s e m e ni o i r e n.

Wenn Zweie von einander gehen, so sagen sie: auf Wie­dersehen!" Der Wnuschauf Wiedersehen" ist unter vielen Umständen der thörichste; man soll ihn nur mit Vorsicht aussprechen. Das habe ich schon in früher Jugend erfahren, und daS kam so:

Siebenen Jahre war ich alt, als ich einen Theil Nord- deutschlands ungefähr unter denselben Umstanden zu Fuß burd?|lrdftèrwTécnTRjr"3SiyrF7i3Ti^^ weg wollte ich schneller und zu Wagen zurncklegen, um noch zur rechten Zeit, vor Eröffnung deS Semesters, in Prag ein» zutrefscn. So stieg ich an einem milden Septembernachmit- tag im Hof des Hotel de Pologne zu Leipzig in eine plumpe, gelbe Kuische, vor welche zwei elende Mähren gespannt waren und die mich für. einen Thaler drei Silbergroschen in DreSdew absehe» sollte. Denn die Eisenbahn zwischen den beiden Städ­ten war zu jener Zeit nur stückweise fertig und wurde als Merkwürdigkeit befahren, erst wenn man in einer dieser Städte angekommen war.

Daß die Bevölkerung der gelben Kutsche eine weibliche sein werde, hatten mir schon von fern die babylonisch ausge- thürmten Schachteln verrathen; welcher Art aber diese weib­liche Bevölkerung, verrieth mir ein Gespräch, das sie entwickelte, sobald ich nur den ersten Fuß in das Innere setzte.

Eine Frau, die den ganzen Hintergrund der Kutsche ein nahm und noch einen Theil des Fensters verdunkelte, fing mit fettem und gutmüthigen Lächeln also an: Ich halte es für meine Pflicht, jeden Reisegefährten ganz höflichst um Entschuldigung zu bitten, daß ich durch meine Proportionen einen ganz unverhâltnißmäßig großen Theil des Raumes in Beschlag nehmen und nothwendiger Weise geniren muß Ich . . .

Eine lange hagere Mädchengestalt, die neben mir auf dem Vordersitz und der dicken Frau gegenüber saß, mit dem Kopfe . an die Decke stieß uZd kaum den Winkel auszufüllen vermochte,