Meverlandeeise nach Ealiforntett.
Die ZWâtzi Ztg." meldet aus Landau: Von dem Sohne - eines Geistlichen in unserer Nähe, der im Jahre 1850 nach America auSwaudertc nud sich jetzt zu Crisly-Flat, 80 eng- lffche Meilen von Sacramento-City in Californien, aufhält, ist in den jüngsten Tagen ein Bries eingelanfen, der manches Interessante darbietet. Der junge Mann, von welchem dieser - Brief kommt, hatte sich bis zum April 1852 in St. Louis auf^ehalten. Am 6. April 1852 verließ er mit vier Gcfähr- 8 ten, unter welchen ein Verwandter von ihm aus Zweibrücken, diese Stadt, um die Reise nach den lockenden Goldminen » durch die Einöden des westlichen Amerika's zu Lande zu unternehmen. Die unerschrockenen Reisenden waren alle mit Schießbedarf versehen. Die zur Reise nöthigen Lebensmittel (geräuchertes Fleisch, Mehl, getrocknetes Brod, Kaffee, Thce, v Brantwein u, s. w.) wurden auf einem von zehn Ochsen gezogenen Wagen sortgcschafft. So erweichte der Zug in drei Wochen die Stadt Jndcpendence, die westlichste in den angc- bauten Territorien der nordamcricanischen Union. Hier blieb die Gesellschaft zur Erholung einige Tage. Am 6. Mai wurde dann die weitere Reise angetreten, von deren Beschwerden man sich einen Begriff machen kann, wenn man erfährt, daß der Weg bis zur Grenze Californiens nicht weniger als 2200 englische Meilen (ungefähr 440 geograph. Meilen) betrug. Auf dieser weiten Reise durch das wilde Jndiancrlaud sahen die Reisenden keinen Hof und kein Haus mehr; nur zweimal kamen sie an kleinen Forts vorüber, die von kleinen Abtheilungen amcricanischen Militärs besetzt waren. Beim Uebergang über einen Fluß fand einer der Reisegefährten seinen Tod. Wagen und Lebensmittel wurden auf einem kleinen Fahrzeug übergesetzt; die Ochsen aber mußten hinüber- schwimmeu, wobei zwei der Reisenden ihnen voranschwammen, von welchen der eine kaum 20 Schritte vom jenseitigen Ufer ertrank, ohne daß Hilfe möglich war. Ein andermal führte die Reise viele Meilen weit durch eine Sandivüste, wo es an Wasser fehlte. Doch hatte sich bereits die Erwerbthätigkeit dieser Strecke bemächtigt, denn es war hier möglich, freilich zu einem halben Dollar den Liter, Wasser zu erhalten. Die Führung des Wagens wurde von den Reisenden abwechselnd besorgt, eben so die Bewachung des Zugs an den Lagerplätzen über Nacht, wo man vor diebischen Indianern auf der Hut fein mußte. Uebrigens wurden alle Schwierigkeiten überwunden und die ganze weite Reise von Judepcudence bis Califormen in 120 Tagen zurückgelegt. Die Wanderung durch die Felsengebirge bot, wie es scheint,, besonders großartige und rind malerische Ansichten; namentlich gedenkt hier der Brief einer ungeheuren Felsensäule, deren, wenn wir nicht irren, neuere
Reisende auch sonst schon gedacht haben. Noch auziehMn waren für die Wanderer die fremden Formen einer ganz neue« Thier- und Pflanzenwelt; ganze Hügel und Berge, an welchen sie vorüberkgmen, seien mit Gewächsen des Cactnsge- schlechtes bedeckt gewesen. Als das Goldland erreicht mit wurden Ochsen und Wagen verkauft und nun vor Allem a« der Mündung eines unmuthigen Thales in entlegener Ei«- samkeit aus Baumstämmen ein Blockhaus errichtet. Dam wurden die Geräthe zur Goldgewinnung angekauft und Lil Arbeit rüstig begonnen, Anfänglich war die Ausbeute nity besonders lohnend, namentlich im Vergleiche zu den äußerer deutlichen Preisen aller Lebensmittel. Um Weihnachten kostet der CcMncr Mehl nicht weniger als 48 Dollars, wozu kch daß 4 Fuß tiefer Schnee um diese Zeit unsere muthigen Lands- teilte in ihre Hütte cinschloß und von jeder Verbindung A schnitt. Als aber die Wege sich wieder öffneten und nein Zufuhren ankameu, gingen die Preise der Lebensmittel soglest auf ein Drittheil herunter, und da mittlerweile auch die Gold ausbente gcwiunreicher wurde, so hatten unsere Wanderer gut Hoffnungen. Diese Nachrichten sind im Lauf des verwichen,! März aus Californien abgegangen, sonach ungewöhnlich W nach Deutschland gekommen.
Zur Cagssgeschichte.
** Herr Geffroy, der unter dem frühern Cultusmiinst in Frankreich mit einer wissenschaftlichen Sendung nach Dm mark und Schweden beauftragt war, hat unter dem Titel „bet tres inédites du roi Charles XII. texte suédois, traduction frais ^aise“ 24 Briefe des Schwedenkönigs herausgegeben, welche e in der Bibliothek des Gymnasiums in Lübeck gefunden hat int die aus einem Vermächtnis; der Prinzessin Ulrike Eleonore, Kas XII. Schwester, in den Jahren 1708 bis 1709 herrühren. Ci' Facsimile der Handschrift des Königs ist beigegeben.
** Oskar v. Redwitz befindet sich gegenwärtig in DB den. Während seines dortigen Verweilens hatte der Dichter ü Ehre, den allerhöchsten und höchsten Herrschaften vorgestellt wil von denselben zur Tafel gezogen zu werden. Im FamilienkB Sr. K. Hoh. des Prinzen Johann und in Gegenwart I. Mi der Königin las er seine Tragödie „Sieglinde" vor. Auch ii mehreren angesehenen Gesellschaftskreisen hat man die Vorlesung;! desselben mit warmer Theilnahme gehört.
** Am 24. Mai brannute in Dublin das Adelphi-Th» ter, das größte der Stadt, ganz nieder. Der Brand warf furchtbar, daß die Flammen über eine 60 Fuß breite St»! hin die katholische Märien-Capelle ergriffen, welche jedoch A rettet wurde. Wäre der Brand ein paar Stunden später Ä* gebrochen, so würde dasHaus zur Abend-Vorstellung gefüllt ^ wesen sein.
** An der Küste von Down (Irland) zeigten sich für^ etwa 40 Wallfische. Man machte sofort Jagd auf sie, und wurden gefangen. _____________________,__?
Veranwortlicher Redacteur : Dr. U. Jokiel
Druck und Expedition von Wilhelm Friedrich in Wiesbaden.