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anderen den hohen Aar in seiner ganzen Größe erblickt. Hier kann man der Schncestürme, die dem Wanderer, den sie ob­dachlos überraschten, unvermeidlichen Untergang brächten, beim Dampf einer gemüthlichen Cigarre spotten und in Sicherheit den wilden Kampf der entfesselten Elemente bewundern.

Mühe-, ja gefahrvoll ist das Leben, welches die Berg­knappen hier führen. Mag es auch im Sommer hier erträg­lich sein, wo an schönen Tagen das vom Nachtfröste gebildete Eis wenigstens den Sonnenstrahlen eines unbewölkten Mit­tags weicht, so ist dieser Äufenthalt desto furchtbarer im Winter. Klafterboch wehen die Stürme den Schnee an das Haus und verschütten dessen Eingang. Bisweilen müssen sich die Knappen förmliche Gänge in demselben graben, um zu einigen nahe liegenden Bretterhütten zu gelangen, in denen sie allerlei Gcräthe und Lebensmittel aufbewahren.

Nur alle vierzehn Tage gehen sie im Winter zur Kirche und holen sich bei dieser Gelegenheit die nöthigen Bedürfnisse für die nächsten zwei Wochen aus dem Thale herauf. Dann gehen sie mit Schneereifen an den Füßen, einer hinter dem Ändern, immer nahe beisammen bleibend, um sich nöthigen- falls gegenseitig Hilfe bringen zu können. Die Reihe, in der sie gehen, wird wegen der großen Anstrengung, die der Vor­derste machen muß, um die Bahn zu brechen, beständig ge­wechselt; meistens brauchen sie acht bis zehn 'Stunden er­schöpfender Arbeit, um sich einen Weg, den diese kräftigen und des Bergsteigens gewohnten Gebirgssöhne sonst in zweien zurücklegen, mühsam hindurch zu kämpfen.

In diesen crhènen Regionen ist man über alle Lecker­bissen, selbst über die frugalen der Alpenhütten erhaben. Als wir einst diese Reise machten und, obgleich heißhungrig ge­worden durch die Anstrengung und die magere Kost auf die wir beschränkt gewesen waren, uns doch nicht entschließen konnten, an der für einen nur etwas verwöhnten Gaumen völlig ungenießbaren Kost der Bergknappen Theil zu nehmen entsandten wir mit Hilfe der Aufzugmaschine einen de: selben in das unten im Thale liegende Kolm Wirthshaus, auf Alles zu fahnden, was da etwa eßbar wäre. Endlich erhielten wir, als Resultat der vorgcnommencn Razzia, als non plus ultra eines Leckerbissens, ein Stück noch lauen Bocksbraten. Aber weit entfernt uns von der gewiß Manchem unserer Leser eckel dünkenden Kost abzuwenden, mundete sie uns besser, als je die köstlichsten Leckerbissen einer Maritisch besetzten Tafel der Re­sidenz; alle Naturschönheiten ringsum waren für den Augen­blick, dem Bocksbraten zu lieb, gänzlich vergessen, und nach­dem die Begierde nach Speise und Trank gestillt war, traten wir wieder an das Fenster. Der Mond war mittlerweile aufgcgangcn; geisterhaft bleich standen der hohe Aar und der Sonnenblick vor uns. Am dunklen Firmamente flimmerten sic Sterne in ungetrübtem Glanze; noch Einen Blick warfen

wir ringsum, und eilten dann den breiten Betten zu, in denen uns Freund Morpheus (diesmal leider mit etwas entomolo. gischem Gefolge) schon lange erwartet hatte, um in der Reli­gion des Eises und der Stürme, wenn auch nicht ganz ruhig, doch gesichert schlummernd, neue Kräfte für den morgiges Tag zu sammeln. (Fortsetzung folgt.)'

Die Festlichkeiten in Wien *).

Das Gartenfest in Schönbrunn. Wer sonnte gestern die herrlichen Räume der lieblich-majestätischen SM pfnng Maria Theresta's betreten, ohne unter diesen überhâii- gendcu Laubdächern von Erinnerungen an eine große Ven- gaugenheit angeweht zu werden. In den vom Abendwick leise rauschenden Wipfeln der hundertjährigen Ulmen ms Linden 'säuseln Historische Lüftchen und jedes stille Rasenpln^ chen des kaiserlichen Gartens hat seine eigene Chronik. Wem-' die stummen Steinbilder von ihren Postamenten herabsteiM und ihre marmornen Arme aus der kalten Erstarrung M einem Male zum Leben erwärmen könnten, so vermöchten P wahrlich interessantere Memoiren zu schreiben, als Herr r« Bonricnue und Madame St. Elme jemals im Stande wamk Hier auf dieser steinernen Bank saß Kaiser Napoleon, hl olympische Stirne in schwere Falten gelegt, als sein GüW steril bei Aspern zum ersten Male zu erbleichen begann. Poleon liebte den Aufenthalt dieses reizenden Schlosses, viel­leicht weil cs ihn an die Tuilerien erinnerte, mit welchen G rücksichtlich der Disposition des Stiegenhanscs und der ©f mächer, namentlich aber deö Erdgeschosses eine anffalleM Achulichkcit besitzt. Aber auch sein hoffnungsvoller SchH der Herzog von Reichsstadt hatte eine entschiedene iNeigE für Schönbrunn, und aus jenem Fenster mit grünem GegM war sein sterbender Blick zuletzt auf die scheidende Sonne Westen gerichtet.

Die erhabenen Gäste Sr. Majestät versammelten sich M stern nach halb 7 Uhr auf dem gegen die Gartenseite liegeâ den Perron und bestiegen bald darauf die in Bereitschaft H halteneu Wagen, um die Tour durch die schönsten Parti« des Parks zu machen, und zugleich einige der merkwürdigßH Punkte zu besichtigen. Die Ordnung der Equipagen E' nachstehende: zuerst der König von Preußen mit der FE Erzherzogin Sophie, dann der König der Belgier mit W Prinzessin Hildegarde, im dritten Wagen fuhr Se. apostolisM

*) Wir heben von den Festen, welche zu Ehren der anwesend hohen Gäste in Wien veranstaltet wurden, die beiden letzten und ir tercssantesteu: das Gartenfest in Schönbrunn und das Carrousel in 5 kaiserlichen Winterreitschule, hervor. Sie füllten den Nachmittag Abend des 22. Ihre ausführliche Beschreibung entnehmen wir < Presse".