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per Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgemeinen Zeitung.

Xr. 117

Somjhtß den 21 Mai

/S.53.

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Der viereckig oder die americanische Kiste.

Eine Erzählung von Berthold Auerbach.

(Fortsetzung.)

Saberi, der einst das ganze Dorf und noch weit darüber hinaus beherrscht hatte, sah, daß es ihm nicht gelingen wollte, seine eigene F^au in seine Gewalt zu bekommen. Er rang mit ihr um die Oberherrschaft und weil keine Liebe zwischen ihnen waltete, war die Herrschaft ihr einziges Ziel. Wenn Eins merkte, daß das Andere Dies oder Jenes besser ver- Maud, herrschte darob nicht Freude und Anerkennung, sondern Neid und Schmâhsucht. Saberi hatte, ohne vorher ein Wort davon zu sagen, den ganzen Viehstand im Hause verändert, und weil er damit, zum Theil nicht ohne seine Schuld, un­glücklich war und mit Verlust noch einmal ändern mußte, ließ sich's die Frau nicht entgehen, ihm solches oft und mit Scha- freude zu wiederholen uud ihm zu zeigen, daß er nichts ver­stünde und sich von Jedem betrügen lasse. Bei solchen Er­fahrungen und Wahrnehmungen war Saberi wohl bös auf seine Frau, aber noch mehr, auf seine Mutter, seinen Bruder und alle seine Verwandten; er sah in Allem nur sein Unge­schick für die alte Welt, man hätte ihn sollen ziehen lassen, er wäre ein ganz anderer Mann geworden in America, das war sein steter Gedanke. Mit Ungestüm forderte er ost Hülfelei­stungen und Beistand von seinen Angehörigen, sie durften ihm, wie er glaubte, uichts versagen, sie waren er ihm schul­dig, da er ihnen zu lieb' daheimgeblieben war. Wenn man ^" bei solchen Anmuthungen auf seine eigene Kraft und Thätigkeit hinwies und ein Jedes unbekümmert um das An­dere seinem Tagewerke nachging, knirschte er in sich hinein: ihm war ja himmelschreiend Unrecht geschehen, er war da­heimgeblieben, um eine hülfbereite Verwandtschaft zu haben und es gab ja gar kein Zusammenhalten mehr, er war ein­sam und auf sich gestellt, als wäre er in weiter Wildniß.

I&ie Familienangehörigkeit ist eben auch eine Lüge wie Alles ans der Welt. Tage und Wochen lang sah sich Niemand nach '.hm um uud doch hatten sie gethan, als könnten sie nicht les ; ^' wenn er nicht da wäre. Wie freundschaftlich und zn- !

thuulich war damals das ganze Dorf und besonders seine Verwandtschaft gewesen, als er fortgehen wollte, und jetzt zeigten sie nicht den hundertsten Theil jener Herzlichkeit. Der Pflugwirth erschien jetzt noch als der Bravste, der war noch immer der gleiche Schelm gewesen. Mit Absicht entzog sich jetzt Saberi oft den ©einigen und verspottete sie. Besonders gegen seinen Bruder Trudpert faßte er einen tiefen Wider­willen, der war immer so ruhig und still, ging unablässig in seinem Geleise seinem Geschäfte nach und hatte nicht einmal ein freiwilliges Wort für das Anliegen eines Andern, geschweige einen Beistand. Er war mit dem Pfluge in's Feld gefahren, als Saberi nach dem Markte ging, um neues Vieh einzukau- fen, er hatte ihm kaum Glück auf den Weg gewünscht. Hätte er nicht als älterer, erfahrener Bruder freiwillig mitgehen und Saberi vor dem Ungeschick bewahren müssen, in das er für sich allein gerathen war?

Am meisten aber war Saberi doch auch büs' auf sich sel­ber und zwar natürlich darum, weil er der Narr gewesen, dem Geflenne und Gezerre der ©einigen nachzugeben und daheimzubleiben.

Mitten in all' diesem Sinnen und Grübeln war eS fast wunderlich und Saberi schüttelte selber oft darüber den Kopf, daß er jetzt so viel über die Menschen und über sich selbst nachdenken mußte. Es schien, als habe er bis jetzt alle seine Jahre nur träumend verbracht und jetzt auf einmal ging ihm das Leben auf, so verwirrt und düster.

Ein jeder Menschengeist, so dumpf er auch scheinen mag und so sonnenlos auch sein Standort, hat doch seine kürzer oder länger dauernde Blüthenzeit. War der Kelch, der sich hier erschloß,. eine Distel oder gar eine Giftpflanze? Die Nahrung mindestens, die Saberi zu sich nahm, war eine in Zorn und Hader vergiftete. Er hatte einen unüberwindlichen Abscheu vor allem Geschirre, daS vom Zuckermäunle und der altem Zuckerin herstammte und wenn er das seiner Frau sagte, daß er sie immer husten höre, lachte sie ihn höhnisch darob aus und suchte den Ekel noch zu vermehren. Er suchte sich fortan zu überwinden, aber man mag es seltsam finden, aber es ist doch so eine Hauptursacke vieler Verstimmunaen war.