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lieh Als mir das Ziel unserer Wanderung erreichten, fand ich mich auch wirklich in meinen Erwartungen nicht getäuscht; eS interessirte mich in hohem Grade, von einem 'Bouchot zum andern zu fahren und zu sehen, wie viele Fische man aus den Reusen nahm, welche Menge reifer Schalthiere man im Innern der Gehege auflas und in die pousse-pieds legte, und wie das Alles mit einer Hast und Eile geschah, als ob den Leuten der Boden unter den Fußen brenne, so daß ich oft über mich selber und meine Gefährten lachen mußte. Wie bedeutend übrigens dieser Industriezweig in der Bai von Aiguilai ist, mag daraus entnommen werden, daß er 3000 Personen einen Unterhalt gewährt und eine jährliche Einnahme von durchschnittlich einer halben Million Franken abwirft. (Forts, folgt.)

Zur Cagesgeschichte.

** (Englisch es Musiktrei bcn.) In London in den Abendgesellschaften der Gentry ist eS mit dem Musiciren noch ein Bischen schlimmer bestellt als in Deutschland. Clavierspiel und Gesang wechseln den ganzen Abend ab, zerreißen die Kon­versation und werden wieder von dieser zerrissen. Die Dilletan- tinnen singen meist entsetzlich und accompagniren sich mit uner­hörten Accorren, die nur ausnahmsweise zu der Melodie stim­men. Die Engländer lieben es zwar, beständig Musik zu hören, aber sie folgen ihr nicht mit den Gedanken, anstatt da­rauf hinzuhorchen, genießen sie nur nebenher, etwa wie den Duft der Parfüms. Die Hausfrauen fordern auf, Clavier zu spielen, damit die Gäste sprechen möchten , und wirklich, nicht eher, alS bis eine etwas rauschende Musik erklingt, wird die Unterhaltung allgemein belebt. In den Abendgesellschaften des höchsten englischen Adels soll man ganz vortreffliche Kunstleistun­gen hören, da man dort Spieler und Sänger ersten Ranges hinzieht, die für ihre Mitwirkung ein großes Honorar erhalten. Die Künstler aber stehen, durch eine Barriere von der übrigen Gesellschaft getrennt, in einer Ecke des Saales und dürfen sich nicht unter die anderen geladenen Gäste mischen. Von einer be­kannten reichen Erbin Englands, deren Feste zu den glänzend­sten gehören, erzählt man als ein Beispiel ihrer liberalen Ge­sinnung und ihres humanen. Zartgefühls, daß sie die Barriere von den Sängern abgcsch afft und statt derselben nur eine roth­seidene Corde! von einem Ende des Saales zum andern ge­spannt habe, um das musicalische Gesindel von der Nobility zu scheiden. Einem der ersten jetzt lebenden deutschen Componisten, der Kurzem London besuchte, begegnete es, als ein Freund ihn in eine Gesellschaft einführte und ihn als großen Musiker vor­stellte, daß die Dame des Hauses ihm mit einer Handbewegung den abgesperrten Platz hinter dem Clavier anwies. Er erklärte ihr, daß er nicht eingeführt sei, um Clavier zn spielen, sondern als Gast. Als aber die Dame nochmals den sehr bezeichnen­den Gestus wiederholte, der ihn aus dem Hauptraume hinter die Barriere wies, nahm er sofort feinen Hut und verließ das Haus.

** Der ehemalige schleswig-holsteinische Osficier H. (aus dem 14. Bataillon) ist gegenwärtig bei einem indischen Fürsten Oberst einer Elephantenbrigade und befehligt über 50 Elephanten. Zu

diesem seltsamen Posten war derselbe auf folgende Weise gekow men : Von Hamburg begab er sich in brasilianische Militärdienste von da nach Calcutta als Restaurateur; hier wurde er alsdanr englischer Constabler und bald darauf, zum Zoll-Officianten 6t fördert, an die Grenze versetzt, wo er die Bekanntschaft eine! indischen Khan machte, in dessen oben erwähnte Dienste er traf nachdem er noch zuvor seine Charge in die Hände des englisch» Gouvernements zurückgegeben hatte.

** 2n Brüssel lag am 8. Mai zwei Zoll hoher Schn«, der früh um 4 Uhr gefallen war und erst Nachmittags schmolz Dasselbe wird aus anderen belgischen Städten gemeldet. Z« Tilburg in Holland schneite es am nämlichen Tage von frist 4 Uhr bis Mittags unaufhörlich, und die Kälte war so ei» pfinelich, daß man sich in den Januar zurückversetzt glaubst Es werden in Belgien von allen Seiten Klagen Um über die Theuerung der Lebensmittel, die so groß ist daß diesem Augenblicke mehr Personen Unterstützung in An sprich nehmen, als mitten im strengsten Winter.

** Der König von Preußen hat für ein dem verewigten Staâ Minister General von Thile zu errichtendes Denkmal einen Chn stuskopf in Klöbers Werkstatt/bestellt. Das deutsche Kunstbl« berichtet, daß die Ausführung diesss Kunstwerkes in Form einst Medaillons in Goldgrund auf Lava erfolgen werde. Bekanw lich hat sich Kopisch in den letzten Jahren eifrig mit Versuch« beschäftigt, die Lava als Material für die bildende Kunst zu vn wenden. Auch für ihn wird ein Denkmal aus diesem Stoß hergestellt werden.

** Abd-el -Kader langweilt sich in Brussa und wünst sich wieder nach Frankreich zurück. Bei seinem Anfenhalte i: Constautinopel wurde er bekanntlich von dem Groß-Vezir zm Diener geladen. Groß war sein Erstaunen, als' er die Tat mit Champagner und Borveaur-Wein besetzt sah. Er wanu sich mit Abscheu weg und rief schmerzlich aus: Bei Mohamed wenn man mir gesagt hätte, daß die Muselmänner so handel« so hätte ich es nicht geglaubt; denn jetzt, wo ich es gesehen hab kann ich kaum daran glauben.

** Ein englischer Chemiker hat eine Entdeckung gemach! welche, wenn sie sich bestätigt, nicht unwichtig sein dürfte, bis nämlich Baumwollen-Fâden mit kaustischer kalter Natronlauz behandelt, sich sehr bedeutend verdichten und haltbarer werde« ein Baumwollen Faden, welcher bei einer Belastung von A Loth reißt, ist mit vorerwähnter Flüssigkeit behandelt im Standst 40 Loth zu tragen. Auch fertige Gewebe soll man auf die: Weise verdichten können.

** In B a s s e l l a u d sch a ft ist dieser Tage bei der Jnstrm tion ein Rekrut befragt worden, woran er den Obersten erkennt!« Daraus habe er zur Antwort gegeben:an den Holzsch« hen." Herr Vassellaudschafllicher Oberst Sulzberger pflegt« lich bei nassem Wetter in Holzschuhen herumzusteigen.

** Die Seidenraupenzucht wird in der Lombardei bitte die Witterung begünstigt. Die Maulbeerbäume decken sich allst mälig mit gesundem Laub, und man glaubt, daß die Raupen zwischen dem 15. Und 20 schon ausgebrütet sein werden'

** Die am 12. Mai erfolgende Eröffnung der du b links Industrie-Ausstellung wird mit einem Musikfeste begleitet sei« an welchem gegen tausend Musiker und Säuger sich betheilige» werden. ____________________________________ _

BeranworlUcher Reoacleur: Dr. â Ioczek-

Druck und Expedition von Wilhelm Friedrich in Wiesbaden.