Der Wanderer.
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Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgemeinen Zeitung.
xr« ÄS Dienstag den 22. Februar /ssa.
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Erzählungen eines alten FiedlerS.
(Fortsetzung.)
III.
Don der Zeit an begegneten wir dem Herrn Offizier oft genug, denn Hans war fast jeden Tag auf der Fahrt und häufig begleitete ich ihn jetzt wieder. Jedesmal wiederholte sich dasselbe Manöver: wir wurden angerufen und durchsucht, wechselten herbe und spöttische Reden, legten ab, lachten wie toll, segelten rund um unsern Gegner herum und schwirrten dann davon, unserm Ziele zu. Natürlich wurden wir dann das nâchstemal erst recht ungehalten, deun daß er sich ärgerte, war begreiflich, ich verdenk'S ihm noch heut nicht. Ich sag' euch, es ist eine sakermentische Empfindung, wenn man ein ander Boot sein eigenes so umspielen sieht.
Zufällig trafen wir uns in diesem Boot nie in Galwitz selbst, wenn wir auch bei der Begegnung wußten, daß der eine dahin ging, der andere von dort kam. Mit den andern kamen wir dort freilich bin und wieder zusammen; damit aber hatte es keine Noth, denn die Offiziere waren vernünftige Leute und wir sahen uns nur schief an, weil es einmal Gesetz war, daß die Altenwyker und die Mariner einander nicht leiden konnten. Im Hause des Dempin ward über die Offiziere wenig oder gar nicht gesprochen. Nur ein paarmal war die Eva ein wenig störrisch und ungeduldig, als ob ein Aerger oder ein Lank vorhergegangen, und einmal meinte der yitc, er werde demnächst doch tüchtig auftrumpfen müssen. Er sagte aber nicht, was cS gegeben, und da HanS, der sich das Geschehene doch ungefähr denken konnte, darob wieder wild und borstig ward, wies er ihn kaltblütig zur Ruh und sagte, er selbst sei Herr in seinem Hause und über feine Tochter und wisse, was er zu thun und zu lasse» habe.
Inzwischen hatten die Alten unter sich alles richtig und klar gemacht. Am Tage, wo des Kaptains Barkschiff vom Stapel laufen würde, sollten die beiden Leute mit einander versprochen werden. Zum Namen des Schiffs war Eva be- j stimmt und ausgemacht, daß der Atte eS nach der nächsten ’
Reise — also so in anderthalb Jahren — am Hochzeitstage dem Sohne übergeben und sich selbst zur Ruhe setzen solle. Nun war das Schiff fertig und wir fuhren nach Galwitz hinüber, um den Tag des Ablaufens mit ihnen zu bereden. Hans und ich waren aber wie gewöhnlich allein, da den alten Kaptain niemand an Bord eines so kleinen Dinges wie unser Boot gebracht hätte. Und es war um die Zeit des Egidien- tages, das weiß ich noch.
Während ich nun, wie gewöhnlich, abseits, und zwar in der Küche bei der Mutter war, hörten wir laute Stimmen vom Garten her, wo Hans bei der Eva saß, und da wir Hinausliesen, fanden wir den Lieutenant dort und alle drei anscheinend in Eifer und Zank. »Aha!" rief der Herr mir mit höhnischem Lachen entgegen, „da ist der ja auch! Dachl' ich's doch, denn ihr jagt ja immer zusammen, wie ein Koppel Jagdhunde. Aber — nur heraus damit! was habt ihr hier immer zn thun? Was lungert ihr hier herum? — Wir können das ewige Fahren nicht leiden, denn ihr treibt doch nichts als Unerlaubtes. Und wir kommen euch doch noch einmal auf die Sprünge." — „Nun," entgegnete ich und drückte Hans zurück, der giftig hervor wollte, „ereifere sich der Herr nicht um lauter Flausen. Meine Großmutterbruder» tochter werde ich doch wohl heimsuchen können, so oft eS mir beliebt? Und der da wird doch seiner Braut guten Tag und gute Nacht bieten können, ohne den Herrn zu fragen? Der Herr hat doch nicht das ganze HauS und die Wysersee uud alles miteinander gepachtet?"
Er sah mich höhnisch an, wendete sich aber zur Mutter und sagte: „Leidet Sie denn, Frau Dempin, daß er die schmucke Eva des jungen Kerls Braut nennt" ? — „Und, wie so sollt' ich das nicht leiden, waS wahr ist" ? rief die, und die Eva fuhr dazwischenr „Was nimmt sich der Herr heraus? WaS geht das Ihn an, waS ich bin? Seine schmucke Ev' bin ich nicht, Er kann sich trösten. Und, Haus", fuhr sie fort und faßte und hielt ihn am Arm, „wenn du ben Herrn nicht laufen läßt, so erzürnen wir uns. Noch bin ich die Tochter meines Vaters, und der soll mir Ruhe schaffen".
Kurz, so ging es nach eine Weile lang fort, und es »wtz