Der Wanderer.
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Deiblatt zur Nassanischen Allgemeinen Zeitung.
2Vf. 43. Samstag den IN /ebruar /«»s.
-Site Geschichten.
Erzählungen eines alten Fiedlers.
(Fortsetzung.)
Der Wind war, wie erwartet, gegen Abend viel steifer geworden, der Himmel zeigte sich indessen bedeckt und es war, da wir gegen eilf Uhr aufbrachen, eine Finsterniß, daß selbst wir Ortskinder uns auf dem bunten Wege vorzusehen hatten. Das gefiel uns aber gerade. Die Anne Marie flüsterte mir aus dem Fenster zu, der Offizier schlafe, Fenster und Hausthür seien nur angelchnt und alles parat. Da stieg Hans denn hinein, den Bock, den wir au den Beinen und am Maul gebunden, reichten wir ihm nach, und er stellte ihn dann, nachdem er die Stricke gelöst, vor der Kammerthür auf; der Lootse stellte sich zur geöffneten Hausthür , ich mit meiner Laterne an die zur Stube und lauschte durchs Schlüsselloch. Der Offizier schnarchte.
Da polterte cs in der Leichenkammer; das Schnarchen setzte aus. Es polterte nochmals, der Lieutenant regte sich und murmelte irgend was noch halb im Schlaf. Ein Stöh- pen folgte, so laut und herzbrechend, daß ich cs hörte und sckier darüber znsammenfuhr. Neues Regen, wiederholtes Stöhnen. Es klirrte: er langte nach Stahl und Stein. Es stöhnte tief und langgezogen. Er schlug Feuer und zündete das Licht an; ich sah, wie er aus dem Bett sprang, nochmals lauschte, dann mit dem Licht, gegen die Kammerthür ging. „Hol's der Teufel!" murmelte er. Da fuhren die Thüren beide zugleich auf — sein Licht mehte und verlöschte — „Heiland — Millionen — mein Jesus!" schrie er und taumelte vor dem Bock, der wie wild und toll meiner Laterne folgte, um und um. Ich stieß die Thür zu und stürzte hinaus, schloß die Hausthier und lief, ohne mich umzusehen. Da am Bollwerk traf ich die andern, den Lootsen, der sein Thier aufgefangen, den Hans, der an seinem Lachen beinahe erstickte. Als wir uns ausgcredet, brachte ich die Kleidungsstücke wieder zurück. Anne Marie hatte ihn noch rumoren hören, aber nichts von ihm gesehen. Verschwiegen blieb die Begebenheit nicht, aber zu erklären wußt' cs keiner, zumal der Lieutenant
selbst darauf schwor, daß ec einen leibhaftigen Geist gesehen.
„Das war ein Knabenstreich," fuhr der Erzähler fort, nachdem er seine Jacke ausgezogen und über die Stuhllehne gehängt, denn es war warm im Zimmer, „ein Knabenstreich, wie er zuweilen auch im gesetztesten Hirn auftaucht, selbst dann, wenn eigentlich ganz was anderes darin umhertreibt." — „Na, da haben wir ihn daran gekriegt!" sagte Hans, „und ist es nicht ganz,nett gewesen?" Aber das war so zu sagen auch alles, was darauf erfolgte, denn die Reden und die finstern Blicke des Offiziers, der heimlich denn doch wohl sein Theil denken und den Zusammenhang begreifen mochte, beachtete er nicht. Er hatte dazumal den Kopf voll von der Eva und war oft richtig melancholisch. Da ich ihm den Weg gezeigt, war er, so lange das Eis hielt, oft genug drüben, oder vielmehr, er war weg; das Wohin dachten wir uns nur. Er ward schier still und seine Lustigkeit kam nur ruckweise. Und da nun das Eis aufging, war der Teufel erst recht los. Denn zu Lande ist dann auf den Wegen nicht durchzukommen, ein Fischerboot ist ein langweilig Fahrzeug, kann auch nicht zum Pläsir hierhin und dahin gelegt werden, und ein ander Boot ist nicht immer bei der Hand. Da stieg denn Hans mit seinem Peter höchst verdrießlich und langbeinig umher und ich habe nie so viel böse Mienen gesehen, nie so viel mürrisches Miauen gehört, wie dazumal. Seine Alten schüttelten den Kopf, er kehrte sich nicht daran. Seine Kameraden neckten ihn, er ward grob. Wir suchten irgend eine Tollheit anzustiften, die Mariner auf ihn zu hetzen; er ging uns sauer aus dem Wege, klopfte die Mariner, schlug auf das Bauholz ein, daß die Späne siegen und die Aexte stumpf wurden , und war kaum wieder zu kennen. Solch Unheil stiftete das verdammte Verliebtsein an.
Es ward auch aicht eher besser mit ihm, als bis der Captain auf Hansens Bitten und Drängen von einem Russen, der ihm Frühjahr bei uns anlief, ein ächtes NordlandS- boot erhandelte, so eins, wie sie es droben in den Scheeren gebrauchen, zwar ein wenig flach, aber scharf und schlank wie ' ein Seefisch, mit zwei Stängen und dem besten, schneeweißen Segeltuch. Da machten HanS und ich uns denn drüber,