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Der Wanderer.

Beiblatt wir

Allgemeinen Zeitung.

Mk 37. Samstag den 12. Februar /s.?».

Alte Seschichten.

Erzählungen eines alten Fidlers.

Vom wilden Hans.

I.

Nun, da hätt' ich denn auch daheim bleiben und meinem lahmen Bein den Weg sparen können", sagte der alte Fidler und besah seine Jacke rundum, klopfte nachlässig den Sand ab und zog sie an.Aus dem Tanzen wird heut nichts mehr und nun kann man wieder nach Hause humpeln". Er wen­dete sich mürrisch zum Fenster, lehnte den Ellenbogen auf das Gesims und schaute still auf die öde, sandige Dorfstraße und den kleinen Teich hinaus, wo jetzt nur noch Hühner und Gänse ihr Wesen trieben und der Regen niederrieselte.Ei, weßhalb wollen Sie gehen" ? fragte der Jäger und setzte sich oben an den Tisch.Wenn das Malheur auch die jungen Leute weg­gejagt und den Tanz verstört hat, wir werden doch noch ruhig zusammen sitzen bleiben und Eins trinken und klug reden. He, Herr Wirth, geben Sie mir eine Flasche Bier".Und ich könnte wohl einen Schnaps brauchen", meinte ein Anderer und nahm gleichfalls Platz; die klebrigen bestellten dies und jenes, man setzte die Pfeifen in Brand, tauschte einige Wort mit diesem oder dem und suchte sich eine Stelle auf den ro­hen Banken am langen vielfach zerschnittenen Tisch. Der Fidler hatte sich mittlerweile wieder gegen das Zimmer gekehrt und schaute mit untergeschlagenen Armen und ziemlich höhni­schen Zuge um den Munde auf das Treiben der Gäste und des W'rths.

So", sprach er, als dieser den letzten Gast bedient hatte, und nun, Wirthshaus, gib mir ein Glas Grog, aber wohl­verstanden nur das heiße Wasser und den Zucker, den Rum will ich mir selbst zngießen, denn deine labberige Mixtur mag ich nicht. Man kann Ratten und Mäuse damit vergeben, aber kein menschlich Herz erfreuen, und Bier und Schnaps sind nur für euch Landratten gut." Er langte in die Westen­tasche, schnitt von der kleinen Tabaksrolle mit einem vom Tisch genommenen Messer ein Stück ab und schob cs in den Mund, dann setzte er sich, lehnte sich gegen die Wand zurück

und harrte schweigend, bis der Wirth das Verlangte gebracht und vor ihm hingesetzt. Ein allgemeines Gespräch kam nicht in Gang. Die Nebeneinandersitzenden tauschten nur hin und wieder ein nicht lautes gleichgültiges Wort.

f,3a, ja," sagte der Wirth, der jetzt unbeschäftigt an der Schenke lehnte,über den ist's 'nmal hastig gekommen. Und der hat sich's heut Nacht wohl. nicht träumen lassen, daß er heut Nachmittag schon todt sein werde, der [junge Kerl, der schier Bäume aus der Erde riß und sich so vermaß und so prahlte! Es ist doch was Grauliches um solche Hast! Der Herrgott sollte das nicht zugebeu."Und er thut's doch und weiß schon besser als du, was gut ist", entgegnete der Fidler, während er den Rum zum heißen Wasser goß.Grau­lich ist's schon, aber für die nur, die drum und dran find. Für den Menschen selbst ist ein schnelles End' ein gutes End' Der weiß dann von keiner Noth und das Jammern hört er nicht. Aber wer ihm nachsieht ja, ja! und wenn es vol­lends so was Liebes ist! Nun, ich habe an dem einenmal, damals beim wilden Haus, genug davon gekriegt für alle Zeit meines Lebens."

Beim wilden Haus?" fragte der Wirth.Und du thust so bekannt so vertraut mit ihm, und ich kenn' ihn gar nicht? Wer ist denn das?"Ei, den wilden Hans mein' ich, den von Alteuwyk, du weißt ja?" sprach der Alte und pro- birte sein Getränk.Pfu ah! das nennt der Mensch Rum! Nun, wenn du nicht reich wirst, du Teufel, deine Schuld ists nicht!"Schon gut!" versetzte der Wirtb gleichmüthig,hast ihn schon oft genug getrunken, um ibn $m kennen und zu mögen. Aber den Haus kenn' ich nicht. Wer von euch andern kennt ihn?"Ich nicht, ich auch nicht", hieß cs um den Tisch her.So?" fuhr der Wirth fort,und es sitzen doch alte Leute hier, die beinah so lange denken können wie du, Steffen; aber sie wissen nichts und mir hast du auch nie davon erzählt. Und zu Altenwyk ist's gewesen? Ist das nicht das alte Loch, wo du groß ge­füttert bist?"O ja!" entgegnete der Fidler,das ist das alte Loch, und es ist immerhin ein besseres als euer ' schmutzig und räucherig Nest, das könnt ihr mir glauben. Und