digerweise ins Stocken gerathen. Endlich hat er sich ins Bett gelegt und ruhig sein Schicksal erwartet, bis er gefunden wurde. Es ist Hoffnung seiner Genesung vorhanden.
Aus Straßburg berichtet man, daß Professor Sedillot den Versuch, durch einen Bauchschnitt Nahrungsmittel direct durch diese Höhlung, statt durch den Kanal vom Munde aus in den Magen zu bringen — früher bei Thieren mit Erfolg ausgeführt — nun auch auf den Menschen angewendet hat. Das Experiment gelang. Sedillot hat einen Kranken operirt, welcher von einer unüberwindlichen Verengung des Schlundes ergriffen und zu der traurigen Perspective verurtheilk war Hungers zu sterben. Dem Unterleibe wurde eine Oeffnnng und dem in der Wunde führten Magen des Operirten Nahrungsmittel beigebracht. Es beweist dies, daß, wenn auch die von hartnäckigen Schlundverengnngen ergriffenen Kranken nicht immer gerettet werden können, durch die neue Methode Sevillot's jedenfalls die Möglichkeit geboten ist, ihr Leben (freilich kummervoll genug?) zu verlängern, indem ihnen Nahrungsmittel bcigebracht werden, wodurch auch in gewissen Fällen Zeit und Mittel gewonnen werden, das schon vorangeschrittene Uebel wirksam zu bekämpfen.
** Aus Sokulahora (Falkenberg) bei Bautzen erzählen die «Tydzenskje Nowiny« ein merkwürdiges Beispiel menschlicher Trägheit. Bei dem dortigen Schenkwirth August Berger fand man in voriger Woche einen Mann auf dem Heuboden liegend aber nicht todt, sondern schlafend. Als man ihn weckte, erkannte man in ihm den Drescher auf dem Pstugischen Gute zu Auritz. Nach weiterm Befragen und angestellter Untersuchung ergab es sich, daß der Mann bereits schon über 14 Tage auf dem Heuboden und zwar in der Weise zügebracht hatte, daß er am Tage geschlafen und nur in der Nacht ausging, um sich mit Lebensmitteln zu versorgen. Man fand auch in der That bei ihm drei Flaschen Bier und eine Menge Weizenkörner, und die Schenkwirthin konnte sich recht wohl erinnern, daß ihr in der letzten Zeit so Manches aus der Küche verschwunden war. Der originelle Faullenzer ist dem Gerichte übergeben' worden. -
** Einsturz der alten Kaiserburg. Am 23. Januar Abends, wenige Minuten nach 11 Uhr, stürzte plötzlich der östliche Theil der alten Burgruinen zu Heinsberg bei Aachen mir dumpfem starkem Falle, den viele Einwohner deutlich vernahmen, ein. Seit länger als 900 Jahren hatte der Zahn der Zeit an dem alten Dynqstenschlosse der Grafen V. Heinsberg gerüttelt; morsch geworden durch langen Regen und abwechselnden Witterungseinflüsscn ausgesetzt, dabei nur mit der Sohle der Mauer auf lockerm sandigen Erdreich, ohne feste Grundlage stehend, fanden sich am Morgen die großen Mauerblöcke, mit vielem Schutt und Geröll links und rechts umherliegend, ein treues Bild der Vergänglichkeit aller Dinge.
** Weil es in Francisco (Kalifornien) öfter geschehen, daß einzelne Aerzte ihre Patienten übcrtheuertcn, so sind dort sämmtliche Aerzte und Wundärzte zusammengetreten und haben eine feste billige Tare, nach welcher sie sich sämmtlich ihre menschenfreundlichen Bemühungen bezahlen lassen wollen, entworfen. Die Preise der Trefflichen sind folgendermaßen: Ein Besuch 5 Doll., außergewöhnlicher Besuck, der über eine Stunde dauert, 32 Doll., Konsultation in der Nacht 100 Doll., außerhalb der Stadt für die (englische) Meile 10 Doll., Todtenschein
100 Doll., Entbindung 3000 Doll., Amputation eines Fingers 100 Doll. re.
** Es wurden in Paris 1851 32,324 Kinder geboren von denen 16,349 Knaben und 15,975 Mädchen. Es starben 27,585 Personen, 13,698 männlichen und 13,887 weiblichen Geschlechtes. Heirathen wurden 10,233 vollzogen. Es brauchte die Stadt an geistigen Getränken 1,237,125 Hectoliter, an Oel Essig und Bier 221,545 Hectoliter und an Trauben 3,178,837 Kilo. An Fleisch jeder Art, frisch und gesalzen und geräuchert, 79,661,584 Kilo.; an Fischen und Austern, Butter, Eiern u. s. w. für 36 Millionen 132,915 Franken, und zwar an Butter für 12 Mill. 28,712 Fr. und an Eiern für 5,539,890 u. s. w.
** Der chinesischen F a m i l i e Chung Atai's die sich seit 14 Tagen in Leipzig sehen läßt und den Besuchenden zum Andenken kleine Erzeugnisse ihres Landes (Fächer, Porzellan- sachen, Theepäckchen, Modelle chinesischer Schuhe rc.) verkaufte ist dieser Verkauf vom hiesigen Rathe untersagt worden, weil dadurch die Kramer benachtheiligt würden. Auch die Einwendung, daß diese Sachen zum Theil hier gar nicht verkauft würden und man ihnen wenigstens den Verkauf dieser gestatten möge, hat den Chinesen nichts genützt. Sie werden noch diese Woche Leipzig verlassen.
** In der D. Ztg. gibt Dr. Winckler nachstehende Vorschrift zur Bereitung der R e v a l e n t a arabica. Saubohnen (die reifen Samen von Vicia Faba L.) werden von der äußeren Schale befreit und scharf ausgetrocknet zu feinem Pulver (Mehl) zerstoßen. — Wünscht man die blaßgelbröthliche Farbe des käuflichen Productes, so kann man dieselbe durch Zusatz einiger Tropfen Safrantinctur leicht hervorrufen. Dr. Winckler überläßt es dem Verfertiger der Revalenta arabica (die Saubohne ist ursprünglich in Persien zu Hause), den Beweis zu liefern, daß das zu enorm hohem Preise feilgebotene Fabrikat kein Saubohnenmehl ist. Practica est multiplex!
** Wie man mit der letzten Post aus V o st o n erfährt, erregt dort daS fast geheimnißvolle Auftreten einer Dame aus vornehmer Familie als Concertgeberin zum Besten der dortigen Armen großes Aufsehen. Damit ihr Name dem Publicum verschwiegen bleibt, erscheint sie tief verschleiert, und legt während der ganzen Dauer des Concerts ihren Schleier nicht ab. Auf den Programmen, so wie auf den Anschlagzetteln wird sie die „verschleierte Sängerin« (Veiled Vocalist) genannt.
** Die Restauration der Wartburg, für die sich namentlich der Erbgroßherzog von Weimar sehr interessirt, schreitet rüstig vorwärts. Bis jetzt ist das sogenannte Landgrafenhaus mit dem Rittersaale wieder hergestellt, dieser bedeutend erhöht, mit einem neuen Schieferdache versehen, und auf der Giebelspitze nach Süden zu ist der Thüringer Löwe angebracht.
** Die sämmtlichen belgischen Eisenbahnen nahmen im Jahre 1850 die Summe von 14,862,969 Frs. 15 Cts. ein; im Jahre 1851 stieg die Aufnahme auf 15,885,815 Frs. 6 Cts., und 1852 sogar auf 16,913,207 Frs. 54 Cts., wasfür 1852 im Verhältniß zu 1849 einen Mehr-Ertrag von 2,060,241 Frs. ergibt.
** Die akademische Jugend in Bonn unterhält sich zuweilen mit dramatischen Vorstellungen. So wurde kürzlich »Der K ö n i g 8 I e u t n a n t" von Gutzkow aufgeführt. Der preußische Thronerbe, Prinz Friedrich Wilhelm, spielte darin, wie berliner Blätter erzählen, mit lebhaftem Beifall den Rath Goethe.
Verautworilicher Sieoacteur: Dr. A. Doczek.
Druck und Expedition von Wilhelm Friedrich in Wiesbaden, Langgaffe.