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Der Wanderer.

Beiblatt M|[auis^en Allgemeine» Zeitung.

H, 36.

Freitag den 11. Februar

/S.53.

Musicatische Leiden und Freude».

Humoristische Novelle in so und so viel Capiteln.

(Schluß.)

Eine dritte Person war hinzugctrcten und lauschte. Jetzt vermag sie sich nicht mehr zu halten, springt auf und hängt ' sich dem alten Magister an den Hals und so reicht sie Pe- i ter'n die Hand und sic führen den alten Mann die Stube auf und ab. Diese dritte Person? Ehemals trug sie ein rosaseidenes Hütchen aus dem reizenden Lockenkopfe, dann ei- ! neu Strohhut mit blauem Baude, endlich ein Häubchen und wurde immer hübscher und glücklicher und wurde Peter's, des Organisten, liebes, holdseliges Weib. Ihre Augen sind noch so leicht blau und klar, ihre Lippen lachen noch so rosig, die weißen Zähne blicken noch so schelmisch hervor, und das volle, frische Gesichtchen mit den Grübchen, die sich in Den Wangen eingestellt haben, strahlt wie ein rothbäckiger Apfel. Ihr hoher Wuchs, der durch keine übermäßige Fülle entstellt wird, gibt dem jungen, blühenden Weibchen ein beinahe mädchenhaftes Aussehen, das durch ihr naives Wesen, die schnellen, leichten, graziösen Bewegungen noch erhöht wird.

Man bespricht das Malheur der Clarinette und die Er­lösung vom Virtuosenthume. Sancta- Cäcilia mußte etwas an den Löchern verstopft haben au jenem Abend. Alle Drei weinten damals, jetzt lachen sie, so laut, daß sich ein viertes Wesen, das in die Geschichte Peter's gewissermaßen hineiuge- hört und in einer Wiege liegt, zu regen beginnt und mit ei­nigen noch musicalischen Tönen sein Dasein und sein Erwa­chen anmeldet. Schnell windet sich die junge Mutter los, nimmt aus der Wiege ihren Säugling, der sich mit den Händchen die Augen reibt und seine Sehnerven zunächst auf die Lampe richtet, dann im Kreise herum die Mutter, Peter und den Organisten begrüßt.

Clärchen! sagt Peter im väterlichen Tone, warum munterst du das Kind so spät noch auf?

Da, nimm den Jungen hin! lacht das blühende Weib und schilt, wenn du noch kannst! Siehst du nicht, wie er lächelt?

Und sie schmiegt sich an ihn und flüstert ihm in's Ohr: Ich war so glücklich! das Kind mußte mit dabei sein! Thö­rin! lächelt Peter, ihr sanft die Locken streichelnd.

Peter! ruft der Organist aus, der schweigend vor Rüh­rung dagestanden und sich nach einem Gegenstände seiner Zärtlichkeit sehnt, gib her den Jungen! Wer hätte es ge­dacht, daß wir aus unsere alten Tage noch Kinder warten sollten!

Er nimmt das wenige Monate alte Kind, tändelt in der Stube umher, singt, spricht, lacht, hält es den Aeltern hin, zieht es schnell weg, bis das kleine Wesen in das ausgelassene Gelächter einstimmt und die Vier eine Gruppe des zufriede­nen, glückseligen Lebens bilden. Clara schmiegt sich an den geliebten Manu, der jetzt nicht mehr wie ein Federfittig aus­sieht; der Alte lacht und tändelt.

Ein später Besuch unterbricht die allgemeine Heiterkeit. Ein Knabe aus dem Dorfe bestellt ein Compliment von sei­nem Vater, der von der Post der Nachbarstadt einen Brief für den Herrn Organisten mitgebracht.

Der Poststempel ist von einer großen Stadt Hollands: das Siegel gehört einer städtischen Behörde an. Peter erbricht kopf- schüttclnd den Brief und langt zuerst nach dem Umschläge, auf dem sich wenige Zeilen befinden.

Da hört! ruft er aus. Ich danke dir, Kind, wendet er sich au den Knaben, grüß' Vater und Mutter!

Und wie der Knabe sich ntfernt, blickt das Gesicht seines Weibes über seine Schulter^ der Organist hält den Jungen hoch, damit ihm auch ja keine Silbe verloren gehe, und Pe­ter liest:

Mynheer!

Der Zufall hat mich in die Lage versetzt, den Unfall, der Sie einst in meinem Concerte traf, einigermaßen wieder gut zu machen. Aufgefordert, der Stadt Harlem einen tüchtigen Musikdirector nachzuweisen, konnte ich vor Allem mein Augen­merk nur auf Sie richten. Glücklicherweise erfuhr ich Ihren Wohnsitz und die städtische Behörde richtet nun an Sie in beifolgendem Schreiben einen directen Antrag, den Sie gewiß * annehmbar finden werden, wenn er auch die gerechten Ansprüche