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Der Wanderer.

AMristisches Deibiatt M

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AllMmeine« Mong.

ir. 24. Freilag den 28. Januar /s»e.

Musikalische Leiden und Freuden. Humoristische Novelle in so und so viel Kapiteln.

(Fortsetzung.)

Offenbar kümmert sich der Besitzer beider Gegenstände irenig um diese Nangstrcitigkeiten; denn mit der Miene eines Mannes, der Geld und Zeit in Fülle besitzt, lehnt er vor- nehm nachlässig auf dem Divan, spült einen Rest in der Theetasse herunter und greift nach einem Cigarrenbunde, um eine sHavana zwischen die Zähne zu bringen. Wie fer sich reckt und streckt, wie er den Wachsstock in der silbernen Büchse anzündet, die Cigarre anbrennt und Rauch und Duft ein­schlürft, wie er dann mit sicherer Hand und bewußter Miene nach einer Zeitung greift und den ArtikelMustcalischcS" ebne Bangen und Zagen, ohne Fieber, ohne Seelenangst durchläuft das Alles gibt Zeugniß von dem Künstler, der im Zenith seiner Laufbahn steht. Er lächelt wie Zeus, der erhaben über das Getriebe der Menschen doch den Opferduft fetter Stierschenkel behaglich einsaugt; das überschwängliche Lob gehört zur täglichen Nahrung seines .Selbstbewußtseins, es ist ein Surrogat für den verdienten Nektar, den nur ein Wesen ihm bereiten und spenden kann, und dieses Wesen ge­hört nicht der Körperwelt an. Es ist ein Spiegelbild, das ihn nur allein versteht und würdigt; Allah il Allah, sagt der Mohammedaner, Gott ist Gott, er ist nur sich selbst gleich und jeder Beiname ist eine Verkleinerung seines Wesens.

Wie er das Zeitungsblatt über die Hand wegwirft und ein anderes ergreift! Sähe doch eine Novize des musicali scheu Ordens diese unerhörte Rücksichtslosigkeit, mit der er den Gegenstand seiner Angst vielleicht das Schaffot seiner Hoffnungen, vielleicht die Wiege seiner Zukunft behandelt, er würde schwindeln über die Höhe des Mannes, der, einmal in der Walhalla des Ruhms angelangt, in stolzer Sicherheit die Leiter mit dem Fuße zurückstößt, auf deren Sprossen er emporklomm! Was gäbe nicht Mancher um ein Paar Zeilen in diesen unerbittlichen Columnen, in denen sein gedruckter Name triumphirend in der Mitte lobsingender Buchstaben

stünde? EtwaDer berühmte Pianist N. N. weilt in unsern Mauern" oderGestern wurde und ein seltener Genuß zu Theil", oder etwas Aehnliches, das man zwischen Locken und blauen Bändern und andern Reliquien aufbewahrt, um dessent- willen ein Onkel in Amerika auf ein Quartal der Zeitung abonnirt! Das ist so ganz anders, wenn man das Renom­mee als Trompeter vor seiner Extrapost vorausschicken kann; da schmält man auf die Kritik hinter dem Rücken und demü­thigt sich vielleicht vor ihr unter vier Augen. Aber . . .

Es klopft. Bescheidentlich. Unser Virtuos zögert mit der Antwort. Das Klopfen wiederholt sich. Es erschallt' aus der Tiefe des prächtigen Schlafrocks endlich ein gedehntes Herein". Der Sicherheit wegen wird noch einmal geklopft. Das arabeskengemustcrte Orakel gibt diesmal in kräftiger Un­geduld Antwort; Herein!

Ist es erlaubt? frägt eine jugendliche Stimme stockend und außer Athem.

Nur immer näher! ruft der Virtuos ssich halb erhebend, um die eintretende Person zu mustern.

Wird es ein Herr oder eine Dame sein?

Zweites Capitel.

Es ist ein Herr.

Eine lange, hagere Gestalt, die den schwarzen, fadenschei­nigen, aber sauber gebürsteten Frack im Wachsthum überholt hat tritt schüchtern ein. Der junge Mann trägt langes, gelbblondes Haar, das in natürlichen, unregelmäßigen Locken bis über den Rückkragen fällt; darunter ein jugendliches, nicht unebenes Antlitz, blaß, nicht uninteressant, kühn in der An­lage geschnitten, aber int Augenblicke zusammengekniffen und verlegen; blaue Augen, schmale, gewölbte Nase, in deren Schatten ein gelinder Flaum sein ungenirtes Spiel treibt.

Offenbar ein junges Talent! meint unser Virtuose bei sich. Ein junges Talent, das man unterstützen soll.

Mit wem habe ich die Ehre?

Doch nun sicht man den sterilen Frack, auf dem keine Wolle mehr gedeihen will, und denkt bei sich immer noch wohlwollend:

Armer Teufel das!