Wer Wanderer.
Belletristisches Keidtatt ;or
Allgemeines Zeitssg.
„. 21. Dienstag den 25. Januar /«r«
Sasandar.
Eine transkaukasische Erzählung.
Nach dem Russischen des Dschegitoff von Fritz V. Fr.
(Fortsetzung.)
David war auf die Kniee gefallen und flehte mit Thränen im Auge: „Laßt uns gehen, ihr guten Leute; thut uns nichts jii Leide."
„Schweig, nichtswürdiger, kleiner Teufel'" erwiderte Kiele, indem er David einen Fußtritt versetzte, „und gib das eitrige Geld heraus."
„Vermaledeiter Wechselbalg, heraus mit dem Gelde," schrie Zeseph in befehlendem Tone.
„Nun so nehmt cs in Gottes Namen hin, das unglück- i$e Gold und Silber und laßt uns dann in Ruhe," sagte i^t fliostom.
„Wie, Ramadse, habe ich reckt gehört? Ich soll Dich in Kühe lassen," fragte mit höhnischer Miene Kikole; „wohl Mbaib, weil Deiner Familie sieben der Meinigen zum Opfer -fallen sind? .... Nein, Du Satan, die Ruhe kommt erst Mini an die Reihe, wann Du in die feuckte Erde kriechst, locb nein, auch der Trost soll Dir nicht werden. . . . Hörst Ju dort bas Brausen der Aragwa? ihre Wellen sollen Dei- 1811 Todtenhügel wölben; dort ist der Friede, den Du von «r zu erwarten hast!"
„Ho, ho, das Geld ist unser!" rief jetzt freudig Joseph; Zas fangen wir nun mit den Beiden an?"
„Wie magst Du noch fragen?" erwiderte Kikole; „fort wissen sie, das versteht sich von selbst."
„Höre, Kikole," sprach jetzt Rostom, „ich weiß, daß ich 'Men muß, und bin bereit. Doch hast Du auch bedacht, ^ Dir abermals ein Mord mehr auf der Seele lasten wird? N sich nichts in Deinem Innern?"
„Was kümmert das Dich?" herrschte ihm der Marketen- ^ zu.
„Zu was willst Du Dich erst noch lange hier herumzan- , ^ und Predigten anhören?" warf Joseph ein; „hier gibt's 1
nichts mehr zu erörtern. Nimm Du den Buben, ich rechne mit dem Alten ab, und damit gut."
„Nein, nimmermehr," schrie Kikole. „Rostom ist mein, theuer erkauft durch das Blut des Geradse. An mir ist es, die Schuld von ihm einzutrcibeu, mich an ihm zu rächen, und bei allen Teufeln sei's geschworen, die Genugthuung, die ich nehme, soll eine vollkommene sein. Ich fühl's, ich muß mich berauschen im Blute meines Todfeindes, mich ergötzen an seinen letzten Zuckungen!"
„Ich habe Dir schon erklärt, Kikole, daß ich bereit bin, diese Welt zu verlassen. Ich bin alt, blind und gebrechlich und habe genug gelebt; der Tod ist mir daher eher eine Erlösung als ein Schrecken. Doch warum verlangst Du das Leben dieses armen, unschuldigen Kleinen? Was hat er Dir gethan ?"
„Ha, Du wähnst wohl, ich solle ihn schonen," rief der Marketender, damit er hingehe und uns anzeige? Jst'tz nicht so, Rostom? . . . Was zerrst Du denn den Burschen so, Joseph ? fahr ihm doch lieber mit Deinem Dolche zwischen die Rippen."
„Laßt das arme Kind in Frieden," schrie Rostom; „was hat der Knabe verbrochen? Er kennt Euch ja nicht einmal von Angesicht. Mich mordet, wenn Euch die Wuth zum Todtscklag treibt; ich bin fertig, Euch zum Opfer zu fallen."
Rostom warf sich zur Erde nieder und fing an, inbrünstig zu beten. Auch der kleine David lag auf den Knieen und schluchzte und flehte mit emporgchobenen Händen: „Ach, Ihr guten Leute, erbarmt Euch und thut mir nichts zu Leide. Ich werde kein Sterbenswörtchen sagen, das schwöre ich bei Gott, beim Himmel, bei Vater und Mutter, bei Allem, was Ihr wollt." Krampfhaft erfaßte er eine Hand voll Erde und rief in Verzweiflung: „Seht hier diese Erde; ich schwöre bei ihr, daß ich Euch nicht verrathen will; ach, es gibt ja keinen höheren Schwur und ich werde ihn gewiß und wahrhaftig nicht brechen. Bedenkt nur, Ihr Herren, ich bin eine Waise, habe weder Vater noch Mutter, bin von Allen verlassen. — Blickt her; ich esse diese Erde zum Zeugniß, daß ich meinen Schwur halten werde. . . . Erbarmen, Erbarmen, Ihr gute«